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Fastenpredigt mit Pater und Teufel / Saures für Politpromines aus dem Kreis

Biermanufaktur bringt bayrische Tradition an den Neckar

Zu einem schwäbischen Derblecken hatte die Baisinger Biermanufaktur lokalpolitische Größen neun Tage nach Aschermittwoch ins Rottenburger Bürgerwachheim geladen. Der Ammerbucher Kabarettist Jörg Beirer hielt die „Fascht(a)Predigt“. SPD-Politikerin Rita Haller-Haid nahm den Fassanstich vor.

01.03.2015
  • Dunja Bernhard

Rottenburg. Was den Münchnern der Nockherberg ist, war am Freitagabend das Rottenburger Bürgerwachheim für rund 120 geladene Gäste aus dem Landkreis Tübingen. Unter dem Motto „Oh du lieb’s Teufele, da braut sich was zusammen“ hielt der Ammerbucher Kabarettist Jörg Beirer Lokalpolitikern aus Rottenburg, Tübingen und Umgebung bissig den Spiegel vor. Dieses Derblecken – von „die Zähne blecken“ – geht auf eine bayrische Tradition aus dem 19. Jahrhundert zurück und ist noch heute fester Bestandteil des Starkbierfestes auf dem Nockherberg in München. 2,8 Millionen schauten vor wenigen Tagen am Fernsehen zu.

Natürlich bekamen in Rottenburg alle anwesenden politischen Größen und auch einige abwesende ihr Fett weg. Als „Bruder Jörg“ in der Kutte eines Kapuzinermönchs hielt Jörg Beirer die „Fascht(a)Predigt“. „Ebbes sag i glei: Heit geits koin Meßwei, heit geits Deifele.“ Die Vergebung werde mittels Bier erteilt.

Es gebe drei Arten von Menschen, fuhr er fort. Die einen begrüße man freudig „Mensch Maier“, die anderen resigniert „Ach, Müller“ und dann gebe es noch die, bei denen man sage, wenn man sie von weitem sehe: „Komm, Neher.“ Ein Rottenburger Schultes müsse zwar katholisch sein, aber heut nicht mehr verheiratet, sagte Beirer. „Obwohl eine Hochzeit mit Kutsche und Gäulen schon schön sei.“ Ein Rottenburger Oberbürgermeister sollte immer rechtzeitig zu einer Demonstration aufrufen. „So alle 60 Jahre.“ Für die eigene Meinung sollte er bereit sein, richtig Geld in die Hand zu nehmen – eine Anspielung auf Nehers 3000 Euro kostenden Ausspruch zur AfD,

Vergnügungssteuer ist nicht darstellbar

Bedeutende Rottenburger Politiker kämen auch mal aus Bad Niedernau. Nein, Beirer spielte nicht auf Albert Bodenmiller an, sondern auf Volker Derbogen. Der komme mit drei Standardsätzen aus: Das sei nicht darstellbar. Das sei nicht vergnügungssteuerpflichtig. Und: „Demokratie ist wahnsinnig anstrengend.“

Eine Stadt brauche Kultur, fuhr Beirer fort. Andere Städte hätten eine Kulturbahn, in Rottenburg leuchte eine Girlande an des Bahndamms Rande. Und im Rottenburger Kulturverein ernte ein Kultur-Baur (Karl Friedrich Baur).

Die Ammerbucher hätten Angst vor Schulden, nahm Beirer den nächsten Flecken ins Visier. Gegen die Schulentwicklung in Ammerbuch sei die Quadratur des Kreises oder die Verdunklung eines Tunnels ein Kinderspiel. Ammerbuch habe bei sechs Flecken, sieben Meinungen und acht Ansichten. „Wenn se halt vo ällem ebbes wellat, kas koiner koim recht macha.“ Die Schule werde jetzt alle fünf Jahre woanders nicht gebaut.

Die Hauptattraktion von Tübingen sei, zumindest medial, der Schultes, sagte Beirer. „Koi Kamera, en die er net neischwätzt, koi Fettnäpfle, en dess er net neideppt, au do, wo gar kois stoht.“ Zwischen Pfäffingen und Unterjesingen gebe es auf freiem Feld eine Tempo-10-Zone. Mit 110 PS sei das rasender Stillstand. Boris Palmer bastle derweil an einem eigenen Gesetzesvorschlag: Pedelecs haben auf schmalen Radwegen Vorfahrt wie „die Kärra mit em Sternle vorne uff dr Motorhaub“ auf der Straße. Bald übernehme Palmer dann den Vorsitz der Raf: Rabiate Fahrradfahrer.

Boris Palmer entgeht mal die Sparbuch-Ekstase

Mit dem Eheleben habe es der Tübinger OB eben so wenig wie der Kollege Neher. „Drbei woiss mr doch erscht, was echte Ektase ist, wemmer noch viele Ehejohr zamma uff em Sofa hockt ond sich gegaseitig au seine Sparbichle vorliest.“ Allgemeines Gelächter. „Guckt mal, wie viele das kennen“, freute sich Beirer. An der Fastenpredigt mitgearbeitet hatten Eckart Frahm, Reinhard Kilian und der frühere TAGBLATT-Redakteur Willibald Ruscheinski.

Zu einer Fastenpredigt gehört auch ein Bier. „Flüssiges breche das Fasten nicht“ habe es früher in Klöstern geheißen, sagte Edmund Teufel, Geschäftsführer der Baisinger Biermanufaktur. Zur Tradition des Derbleckens gehöre auch ein zünftiger Fassanstich. Den nahm SPD-Politikerin Rita Haller-Haid vor, weil der dafür ausgeguckte Verkehrsminister Winfried Hermann nicht kommen konnte. Das Publikum schloss im Vorfeld Wetten über die Anzahl der Schläge ab, die Haller-Haid benötigen würde. . Wer auf acht getippt hatte, lag richtig.

Für die musikalische Unterhaltung sorgten die Gluzger mit jazzigen Stücken und die Weitinger Vokalgruppe Wild Voices. Sie sangen a cappella auf Schwäbisch und Kölsch; Texte mit viel Selbstironie.

Biermanufaktur bringt bayrische Tradition an den Neckar
Derblecken auf schwäbische Art. Die Wild Voices (links) haben nicht etwas Harndrang vom vielen Bier, sondern sich ihr Bemberle an der Tischkante gestoßen. „Fasch`t (a) Predigt“, das war der Hauptakt mit mit Pater Jörg alias Jörg Beirer (rechts) .Bilder: Franke

Biermanufaktur bringt bayrische Tradition an den Neckar
Derblecken auf schwäbische Art. Die Wild Voices (links) haben nicht etwas Harndrang vom vielen Bier, sondern sich ihr Bemberle an der Tischkante gestoßen. „Fasch`t (a) Predigt“, das war der Hauptakt mit mit Pater Jörg alias Jörg Beirer (rechts) .Bilder: Franke

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01.03.2015, 12:00 Uhr
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