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Bibliotheque Pascal

Bibliotheque Pascal

Teilweise sur­realer Horrortrip einer jungen Mutter, die in ein als literarischer Salon getarntes Bordell verschleppt wird.

Jetzt im Kino: Alptraumreise ins Edelbordell - "Bibliotheque Pascal"18.09.2015

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Jetzt im Kino: Alptraumreise ins Edelbordell - "Bibliotheque Pascal" --

01:55 min

Ungarn

Regie: Szabolcs Hajdu
Mit: Orsolya Török-Illyés, Oana Pellea, Razvan Vasilescu, Andi Vasluianu

- ab 16 Jahren

Tagblatt-Wertung

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14.06.2011
  • von Klaus-Peter Eichele

Am Ende des Films erzählt Heldin Mona (Orsolya Török-Illyésdie) die Geschichte so, wie sie sich vielleicht wirklich zugetragen hat. Doch diese Zweitversion ist selbst dem mausgrauen Sachbearbeiter auf dem Jugendamt zu schlaff. In seinem Protokoll verschärft er Monas angeblich freiwillige Migration von Rumänien nach England, wo sie ein paar Monate im „Erotikgewerbe“ gearbeitet hat, zur gewaltsamen Verschleppung durch ein Schleuserkommando. Damit wäre der Stoff immerhin schon mal kinotauglich, doch der ungarische Regisseur Szabolcs Hajdu geht noch einen Schritt weiter.


Statt ein weiteres finsteres Sozialdrama à la „Lilya 4-ever“ abzuliefern, stülpt er das Motiv der sexuellen Versklavung osteuropäischer Frauen zum aberwitzigen Schauermärchen um. Demnach ist Mona eine Vagabundin, die mit einer Blaskapelle, später mit einem Puppentheater über die Jahrmärkte zieht. Bizarre Zwischenfälle, die sich unterwegs ereignen, verdichten sich nach und nach zu einem gespenstischen Alptraum. Vom eigenen Vater an Mädchenhändler verschachert, landet Mona schließlich in der titelgebenden „Bibliothek“: ein unheimliches Bordell, in dem gefangene Frauen in Verkleidung literarischer Figuren grausam lüsterner Kundschaft zu Willen sein müssen.

Wenn der Film überhaupt einen sozialkritischen Ansatz verfolgt, dann ist es dieser (allerdings kaum vertiefte) Link zwischen bildungsbürgerlichem Habitus und sexueller Gewalt. Ansonsten tobt ein alle Wirklichkeitsbezüge auf den Kopf stellender Bildersturm, der anfangs noch pralle Lebenslust, später das nackte Grauen ins Surreale entrückt. Wer will, mag das ganze psychoanalytisch deuten. Man kann aber auch ganz zwanglos in der überschäumenden Opulenz eines mit Kunst- und Kitschversatzstücken üppig ausstaffierten Psychedelik-Trips schwelgen.


Bleibt die Frage, ob die originelle Wiederbelebung des der Traumlogik verpflichteten Kinos eines Fellini oder Buñuel nicht am unangemessenen Thema der Zwangsprostitution exerziert wird. Aber vielleicht ist diese Horrorvision ja nur die Ausgeburt der Fantasie einer passionierten Fabuliererin, die eine graue Maus vom Jugendamt ein bisschen beeindrucken möchte.

Surreal verfremdet wird das Grauen des Menschenhandels zum irritierenden Augenschmaus.

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14.06.2011, 12:00 Uhr | geändert: 04.04.2012, 12:00 Uhr

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18.06.2011

12:00 Uhr

strolch schrieb:

- ein sehr interessantes aber auch irretierendes Kunstwerk über exzentrische menschliche und unmenschliche Wahrheiten...



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Psychologisch und kulturhistorisch scharfer Blick in die Siebzigerjahre mit zwei starken Frauen und einem für Vinterbergs Verhältnisse erstaunlich schwachen Mann. Nicht ganz so wuchtig wie ,,Das Fest" oder ,,Die Jagd", aber sehr spannend und sehenswert. 
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