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Schöner Zeitvertreib

Bernhard Mohl und Heiner Kondschak spielen Villon

Tübingen. Irgendwie haben sie alle mal mit Villon angebandelt, sich von ihm inspirieren lassen oder ihn vertont, gesungen.

04.05.2010

Vom frühen Brecht über Konstantin Wecker bis Wolf Biermann. Oder hinein ins Lokalgeschehen: Willi Lieverscheidt. Unvergessen natürlich Klaus Kinskis „Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund“. So heißt nun auch Bernhard Mohls und Heiner Kondschaks Villon-Abend, der am Sonntag im LTT Premiere hatte. Sie geben ganz offen zu, dass sie einfach den zuschauerträchtigsten Titel gewählt haben. Eigentlich ist ihr Villon etwas anders.

Obwohl das Titelthema schon im ersten Lied anklingt, wo Villon den Pariserinnen bescheinigt, dass keine Frauen so küssen könnten wie sie. Oder dass keine Frauen es so bringen / wie die aus Tübingen – hatten sie sich jedenfalls mal als lokalspezifische Reim-Variante überlegt.

Villon, der Wahnsinnige, Villon, der Widerständige, Villon, der Schmuddelversler: Jeder akzentuiert und präsentiert ihn so, wie er ihn brauchen kann, für irgendwas muss er einstehen, ein gerüttelt Maß an Freiheitspathos, Lebenssehnsucht, Romantik und Zorn ist aber meist dabei. Sie strahlt auch durch die Lieder dieses Programms. Aber sonst? Sonst geht das hier aufgrund der in Zwischenkommentaren verabreichten biographischen Notizen wohltuend trocken, kindlich, kritisch und vergnügt zu. Herr Villon wird nie zu ernst genommen. Da sind zwei, die diese Texte poetisch finden und schöne Musik dazu geschrieben haben. So einfach ist das.

Die Texte stammen von Paul Zech. Die Musik hat Bernhard Mohl geschrieben. Und sie ist breit gefächert. Sehr folkig kommt Villon nun daher, ausgelassen, dann wieder hitverdächtig sentimental, dann etwas holprig, es ist ja nicht leicht, den Vers- und Reim-technisch teils alles andere als zahmen Text auf Liedtakte zu bringen. Macht das Ganze aber schön rau und lebendig. Jedenfalls: Keiner dieser Abende, die einem vom ersten bis zum letzten Lied bloß Varianten ein und derselben Farbe bringen. Ein Rhythmen- und Stilwechsel.

Und fast überall haben sie kleine Improvisationen, Soli, aufregende, verspielte Läufe untergebracht, die so ein verrücktes „Das probieren wir jetzt mal“-Feeling äußerst virtuos umsetzen. Auf Bass, Geige, diversen Zupfinstrumenten, Flöte, Querflöte, ja sogar auf einem Schlagwerk Marke Eigenbau, zusammengebastelt aus einer großen Gurkendose des ehemaligen LTTlers Werner Koller.

Dazu kommen die gewohnt charmanten Ansagen Heiner Kondschaks und die sehr anschaulichen Verse Villons: „In eines Katers Hirn, der nicht mehr fischt, im Geifer, der aus den Gebissen der tollen Hunde träuft, mit Affenpiss vermischt, in Stacheln, einem Igel ausgerissen, im Regenfass, drin schon die Würmer schwimmen, krepierte Ratten und der grüne Schleim von Pilzen, die des Nachts wie Feuer glimmen, in Pferderotz und heissem Leim. . .“

Wir wollen an dieser Stelle aber auch nicht verhehlen, dass Lieder über die Liebe, das Schicksal alter, nicht mehr attraktiver Frauen oder eines armen Waisenmädchens richtig zu Herzen gehen. Was vermutlich daran liegt, dass uns Blickwinkel je mehr rühren, je eher sie sich nichts vormachen. Und das Mitgefühl Villons muss genausogroß gewesen sein wie seine Derbheit, sein radikaler Blick. Vielleicht ist es Einbildung, aber man hat den Eindruck, Bernhard Mohls Vertonungen wüßten davon.

Weil es vielleicht ein falsches Bild abgibt, nur Pferderotz, Affenpiss und Katers Hirn zu zitieren: „Im Klee, da hat der Mai ein Bett gemacht, da blüht ein schöner Zeitvertreib mit deinem Leib die lange Nacht.“ Ist dann doch etwas Publikums-trächtiger.Peter Ertle

Info

Nächster Erdbeermund am Donnerstag, 6. Mai um 20 Uhr im Theater Lindenhof.

Bernhard Mohl und Heiner Kondschak spielen Villon
Francois Villon

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04.05.2010, 12:00 Uhr
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