Affäre

Berliner Polizei in Erklärungsnot

Von ANDRé BOCHOW

Mutmaßliche Schwierigkeiten mit Migranten an der Akademie haben ein politisches Nachspiel.

Berlin. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) verlangt „lückenlose Aufklärung“. Die Berliner Oppositionsparteien CDU, FDP und AfD haben dafür gesorgt, dass am Mittwoch der Innenausschuss des Abgeordnetenhauses zu einer Sondersitzung zusammentreten muss. Und Innensenator Andreas Geisel (SPD) wehrt sich dagegen, „dass hier – fahrlässig oder vorsätzlich – Stimmung gegen die Polizei gemacht wird“. Was aber ist passiert?

Begonnen hat alles mit einer Sprach-Mail eines Ausbilders, der sich über die Zustände in der Berliner Polizeiakademie beklagte. Von Hass ist die Rede, von Lernverweigerung und von Gewalt. Und zwar in einer Klasse mit vielen Polizeischülern, die einen Migrationshintergrund haben. Schnell kursierten Geschichten über kriminelle Bewerber, die es auf die Akademie in Berlin-Spandau geschafft haben. Angeblich hätten Polizeischüler angekündigt, sie würden im Falle eines Falles Familienmitglieder ohne Anzeige laufen lassen. Und dann tauchte die Nachricht auf, bei einer Razzia in einem Lokal, in dem Angehörige arabischer Großfamilien verkehren, habe ein junger Mann seinen Ausbildungsdienstausweis gezückt. Daraus entwickelte sich die unter anderem vom innenpolitischen Sprecher der CDU-Fraktion Burkhard Dregger vorgetragene Unterstellung, die Mafia unterwandere die Polizei. Die Formulierung vom „Feind in den eigenen Reihen“ machte die Runde.

Polizeisprecher Thomas Neuendorf räumte ein, dass es Bewerber gebe, denen es an Disziplin und Respekt fehle. Einige hätten früher leichte Straftaten begangen. Auch mangele es manchen an guten Deutschkenntnissen. Von Unterwanderung will er aber nichts wissen. „Auch wenn ein Bewerber den Namen einer stadtbekannten Großfamilie trägt“, so Neuendorf, „gibt es keine pauschale Ablehnung“. Für Migranten gebe es weder eine „Vorverurteilung“ noch „Bonuspunkte“.

An der Polizeiakademie lernen derzeit etwa 1200 junge Frauen und Männer. Der Anteil der Schüler mit ausländischen Wurzeln ist auf 40 Prozent gewachsen. Das ist gewollt, weil die Polizei ein Spiegelbild der Gesellschaft sein soll. Die AfD verlangt, den Anteil auf 20 Prozent zu begrenzen.

André Bochow


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07.11.2017 - 06:00 Uhr