Tübinger Brückengeschichte (3): Die heutige Eberhardsbrücke wurde von 1899 bis 1901 gebaut – und 1951 verschandelt

Berechnet für eine Straßenbahn – ein futuristischer Plan

Tübingen. Die heutige Neckarbrücke wurde von 1899 bis 1901 nach den Plänen von Karl Leibbrand und Heinrich Halmhuber ausgeführt. Sie hatte zwei elegant geschwungene Bögen und war im Kern aus modernem Stampfbeton errichtet. Ihre Breite (13,70 Meter) und Tragkraft waren so berechnet, dass darauf auch eine Straßenbahn verkehren konnte – ein futuristischer Plan, der bis heute auf seine Verwirklichung wartet.

Berechnet für eine Straßenbahn – ein futuristischer Plan

Eberhardsbrücke.

Das Äußere der Brücke wurde dem Tübinger Stadtbild angepasst und mit Dettenhäuser Sandstein verkleidet.

Über dem einzigen Pfeiler in der Mitte ließ Halmhuber ein Brückenhaus errichten, in dem ein Denkmal des Universitätsgründers Graf Eberhard im Bart zur Aufstellung kam. Nach diesem berühmten württembergischen Grafen ist die Brücke seitdem auch offiziell benannt.

Wie durch ein Wunder überlebte die Brücke den Zweiten Weltkrieg. Insbesondere überstand sie die sinnlosen Zerstörungsbefehle der Nationalsozialisten, denen die anderen Neckarbrücken im weiten Umkreis zum Opfer fielen. Ihr Ende kam dennoch wenige Jahre nach dem Krieg.

1951 wurde sie durch moderne betonsichtige Konstruktionen verbreitert und die Steinbrüstungen wie auch das Brückenhaus abgebrochen. Das Denkmal des Grafen war zuvor schon im Krieg als „Metallspende“ für die Rüstung eingeschmolzen worden.

Das abgebildete Foto stammt aus der Zeit, als die neue Brücke gerade fertig gebaut war. Im Häuschen fehlte noch das Denkmal des Grafen Eberhard, das erst 1903 aufgestellt wurde.

Udo Rauch,Foto: Paul Sinner, Stadtarchiv Tübingen


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24.08.2015 - 12:00 Uhr