Gute Ideen suchen finanzielle Sicherheit

Bei den Pitch Nights präsentieren Mitarbeiter ihre Projekte dem Vorstand und hoffen auf Fördergelder

Von Thomas de Marco

Das englische Wort Pitch kann Spielfeld oder Verkaufsgespräch heißen. Wenn es bei der Firma Bosch in Reutlingen zur Pitch Night ergänzt wird, dann kommt ein Abend heraus, bei dem junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens auf Geld für ihre Ideen hoffen dürfen.

Bei den Pitch Nights präsentieren Mitarbeiter ihre Projekte dem Vorstand und hoffen auf Fördergelder

Der intelligente Handschuh von Bosch, bestückt mit Sensoren, wird in China zum Training des Personals für die Fertigung genutzt. Den Durchbruch schaffte das Projekt bei der dritten Pitch Night.Bild: Bosch

Seit 2015 können Teams von Bosch-Standorten auf der ganzen Welt sowie von externen Partnern vor dem Vorstand für ihre Projekte werben. Vor zwei Wochen waren 200 Boschler bei der vierten Pitch Night in der Alten Färberei.

Ziel der ambitionierten Teams ist es, von Bosch Geld und Unterstützung für die Umsetzung ihrer Geschäftsideen zu bekommen. Bosch wiederum will gezielt unternehmerisch denkende Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen fördern und dazu motivieren, ihre Ideen umzusetzen. Dafür wurde ein eigener Start-up-Bereich gegründet, den André Hedler leitet.

„Da bewerben sich Teams mit viel Leidenschaft, die darauf brennen, ihre Themen auf die Straße zu bringen“, sagt Hedler. Von über 100 eingereichten Ideen wurden neun für die jüngste Pitch Night ausgewählt. Im A-Pitch für neu eingereichte Ideen wurden drei der sechs für förderwürdig befunden. Beim B-Pitch für eine Anschlussfinanzierung von zuvor bereits ausgewählten Projekten wurden alle drei ausgezeichnet. Bosch erhofft sich durch dieses Verfahren neue Produkte und im besten Falle sogar neue Geschäftsfelder.

Sehr viel Potenzial traut Hedler dabei dem Projekt „Perfectly keyless“ (perfekt ohne Schlüssel) zu, das bei der ersten Pitch Night 2015 im Tübinger Sudhaus den A-Pitch gewonnen hatte und nun die weitere Förderung zugesagt bekam. Dabei ersetzt das Smartphone den Autoschlüssel: Entfernt sich Fahrerin oder Fahrer aus dem Nahbereich des Autos, wird dieses automatisch verriegelt. Bei der Annäherung ans Fahrzeug öffnet sich die Tür. Zudem können virtuell weitere Schlüssel für andere Personen freigeschaltet werden. Im Fahrzeug werden je nach Nutzer Sitz- und Spiegel automatisch eingestellt, das Auto startet auf Knopfdruck.

„Das ist der Star aller Pitch Nights bisher“, erklärt Hedler. „Wir haben dieses Projekt sehr stark im Fokus. Allerdings ist dabei selbstverständlich auch die Sicherheit ein großes Thema.“ Entwickelt hat diese Idee ein deutsches Team mit einem externen Partner.

Der Sieger des A-Pitches in diesem Jahr hat sich vorgenommen, die Elektromobilität in die dritte Dimension zu führen: Das Projekt „Da Vinci“ will ein Fluggerät „unterhalb des Hubschraubers“ (Hedler) luftfähig machen. Diese Idee habe ebenfalls das Potenzial, Transporte in der Luft auszuführen und irgendwann einmal Personen zu transportieren, sagt der Chef der Bosch-Tochtergesellschaft für Start-ups. Die Pläne für ein autonomes und elektrifiziertes Luftfahrzeug entwickelt ein deutsch-amerikanisches Team zusammen mit dem Institut für Flugsystemtechnik in Braunschweig.

Viele der Ideen, die sich bei den Pitch Nights durchgesetzt haben, können mittlerweile auch auf dem Markt bestehen. So verdient Bosch mit dem Projekt „Sure shut“, das ein vietnamesisches Team für den asiatischen Raum entwickelt hat, durchaus Geld. Mit einer Hardware wird verhindert, dass Zweiräder geklaut werden – und falls es doch passiert, wird die Versicherung gleich eingeschaltet.

Wer bei der Pitch Night in den fünf bis sieben Minuten, die jedem Projekt zustehen, die Jury nicht überzeugt, darf sich noch einmal bewerben. Teams, die es erst gar nicht zu dieser Präsentation schaffen, arbeiten bei Bosch ganz normal weiter. „Viele kommen dann mit neuen Ideen noch einmal“, erklärt Hedler. „Die Leute rennen uns die Bude ein!“ Die fünfte Pitch Night ist deshalb schon geplant.


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06.08.2017 - 22:00 Uhr