Barry Seal - Only in America

Barry Seal - Only in America

Von Dorothee Hermann

Actionthriller mit Tom Cruise als Abenteurer, der vom Geheimdienst für eine Anti-Drogen-Mission in Südamerika rekrutiert wird.

Barry Seal - Only in America

So viel Kohle zu haben, dass man fast nicht mehr weiß, wohin damit: In dieser komfortablen Lage findet sich der US-Pilot Barry Seal (für die Rolle wie geschaffen: Tom Cruise), kaum dass er sich auf einen nicht ganz hasenreinen Handel mit der CIA eingelassen hat. Der berüchtigte US-Geheimdienst stört sich an der Revolution in Nicaragua und will klammheimlich den Contras Waffen zukommen lassen.

Da wäre es doch schade, leer zurückzufliegen, finden die Drogenbosse der Region, und knüpfen ihrerseits Kontakte zu dem allseits anschlussfähigen Flieger. Dass Barrys Frau Lucy (Sarah Wright) eine knallharte Realistin ist und kaum glauben mag, woher der plötzliche Geldsegen stammt („Wenn du mich fragst, klingt das verdammt erfunden“), kann Barry nicht davon abhalten, sich immer stärker auf sein neues Geschäftsfeld einzulassen. Dabei ist es gerade seine jungenhafte Naivität, die ihn sympathisch macht: Fliegerei und Risiko bedeuten ihm bis zum Ende mehr als das Geld.

Leider bewegt Barry sich auf einem Terrain, das von vielen Seiten mit Argusaugen beobachtet wird, und so hat er schließlich die geballte Staatsmacht am Hals. Auch Drogenbosse haben es so an sich, dass sie nur anfangs nett sind - bis der Kontakt gefestigt ist.

US-Regisseur Doug Liman („The Bourne Identity“, „Mr. & Mrs. Smith“) blendet genüsslich zurück in eine Zeit, als geheime Missionen noch konspirativ am Münzfernsprecher durchtelefoniert wurden. Der damalige US-Präsident Ronald Reagan darf nochmals via TV-Bildschirm gruselige Botschaften in die Wohnzimmer aussenden, während seine Frau Nancy die US-Jugend tränenselig auffordert, sich doch bitte gegen ein Leben mit Drogen zu entscheiden.

Für Barry jedenfalls beschleunigt das Leben blitzartig auf Schleudersitztempo. Die Story beruht auf einer wahren Geschichte: Barry Seal gab es wirklich, nur verblasste seine schillernde Karriere vor dem Mega-Skandal der Iran-Contra-Affäre. Trotz der gekonnt unernsten Perspektive steht Amerika als eigentlicher Schurkenstaat der achtziger Jahre da - und als zentraler Urheber des bis heute andauernden Drogenkriegs. Zwar liefert der Film eher die Popcorn-Version dieser politischen Zusammenhänge, doch die ist herrlich absurd ausgefallen.

Absurd schwarzhumoriger Mix aus Politthriller und Actionkomödie, in dem Tom Cruise als lässiger Sonnyboy glänzt.


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06.09.2017 - 09:00 Uhr