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Barbara

Barbara

Eine Ärztin (Nina Hoss) will Anfang der Achtziger aus der DDR ausreisen - und wird deshalb in die Provinz strafversetzt.

Jetzt im Kino: Zerrissen zwischen Deutschland Ost und West - Nina Hoss ist "Barbara"

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Jetzt im Kino: Zerrissen zwischen Deutschland Ost und West - Nina Hoss ist "Barbara" --

02:03 min

Deutschland

Regie: Christian Petzold
Mit: Nina Hoss, Ronald Zehrfeld, Jasna Fritzi Bauer, Marc Waschke, Rainer Bock

- ab 6 Jahren

Tagblatt-Wertung

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Film bewerten

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05.03.2012
  • von Klaus-Peter Eichele

Der DDR-Himmel war auch blau: Für "Barbara"-Regisseur Christian Petzold zählt beim Filmen jedes Detail

War die DDR ein Unrechtsstaat, in dem Abweichler rücksichtslos ausgeschnüffelt und drangsaliert worden sind? Oder war sie ein soziales Eldorado, in dem Frauen und Männer gleiche Chancen hatten und jedes begabte Arbeiterkind Arzt oder Professor werden konnte? An beiden Sichtweisen ist etwas dran, legt Regisseur Christian Petzold („Yella“) nahe, und lässt die Gegensätze in seinem Anfang der achtziger Jahre angesiedelten Film heftig aufeinanderprallen.

Die unbotmäßige Seite verkörpert Barbara (Nina Hoss). Mit ihrer hochhackigen Eleganz und ihrem bürgerlich steifen Habitus ist die junge Frau ein Fremdkörper in der engstirnigen, leicht schmuddeligen Honecker-DDR, die sie von Herzen verachtet. Weil sie sich auch noch in einen Kerl aus dem Westen verliebt hat, will die Kinderärztin schnellstmöglich rübermachen. Doch mit ihrem Ausreiseantrag beißt sie bei den Genossen auf Granit. Schlimmer noch, wird sie aus Berlin in ein Provinzkrankenhaus an der Ostsee strafversetzt und ist dort den Schikanen der örtlichen Stasi ausgesetzt.

„Die Arbeiter und Bauern haben Ihr Studium finanziert, jetzt müssen Sie ihnen etwas zurückgeben“, lautet die Logik der Behörden, die Barbaras neuer Kollege Andre (Ronald Zehrfeld) durchaus teilt. Der bärige Typ, der sich für seine Patienten schier übermenschlich aufopfert, hat es trotz Rückschlägen aus kleinen Verhältnissen zum Chef der Klinik gebracht – und lässt nebenher der Stasi die ein oder andere Information zukommen. Barbaras anfängliches Misstrauen gegenüber seinen kumpelhaften Annäherungsversuchen scheint daher durchaus berechtigt zu sein.

Über die Arbeit, in die sich beide mit ähnlicher Besessenheit stürzen, findet man sich aber mit der Zeit doch ein bisschen sympathisch. Noch mehr Nähe ergibt sich durch Druck von außen: Der Abtransport einer Streunerin vom Krankenbett in den Werkhof Torgau, ein brutal geführtes Arbeitslager für renitente Jugendliche, nährt auch bei Andre Zweifel an der Weisheit der Sozialisten. Barbara wiederum beginnt während der heimlichen Schäferstündchen mit ihrem West-Lover zu ahnen, dass ihr im Kapitalismus ein Schicksal als dekoratives Püppchen droht.

Ihre explizit politische Botschaft vermitteln Petzold und sein Drehbuchautor Harun Farocki ohne jeden Belehrungseifer, eher unterschwellig über glaubwürdige Figuren, extrem detailgenaue und dadurch faszinierend atmosphärische Bilder. So entsteht nach und nach das fast schon skrupulös differenzierte Tableau eines sich vorbildlich kümmernden als auch krankhaft paranoiden Systems. Ein bisschen ähnelt „Barbara“ dem verbotenen DDR-Meisterwerk „Spur der Steine“, das schon 1966 die Frage aufgeworfen hat, was aus diesem Staat hätte werden können, wenn er nicht unter so furchtbare Witzfiguren wie Honecker und Mielke gefallen wäre.

Nach dieser faszinierenden Lektion darf man die DDR zugleich hassen und lieben.

Siehe auch: Berlinale-Preise vergeben: Goldener Bär für die Brüder Taviani, Silber für Christian Petzold

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05.03.2012, 12:00 Uhr | geändert: 03.01.2013, 12:00 Uhr

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21.04.2012

12:00 Uhr

anderson schrieb:

I like this film. It gave us a seemingly realistic taste of what it must have been like to live in a communistic workers' paradise. Not a very attractive place to be but also not so bad either..aber, zum Theme Kino Theater Atelier: Nummerierte Sitzplätze sind keine gute Idee....plus der Motor des Filmprojektors ist viel zu laut.



24.03.2012

12:00 Uhr

Kostas Petropulos schrieb:

„Barbara“ kein Film für westliche DDR-Nostalgie: Auch im Honecker-Deutschland war der Himmel zwar blau, aber der Alltag bedrückend grau wie die heruntergekommenen Häuserfassaden. Menschlichkeit des Einzelnen war dennoch möglich – trotz, nicht wegen des Systems. Genau dieses Lebensgefühl trifft der Film. Faszinierend ist das alles aber nicht.



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