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Bald hört Michael Seibt als Studentenpfarrer auf · Der streitbare Theologe hat Fans und Gegner
Erfreut und gerührt über eine Briefaktion für sein Verbleiben: Michael Seibt Archivbild: Metz
Hochschulpfarrer geht: „Jetzt bin ich ganz froh darüber“

Bald hört Michael Seibt als Studentenpfarrer auf · Der streitbare Theologe hat Fans und Gegner

Mit einer Predigt, in der er die Weihnachtsgeschichte einem „Faktencheck“ unterzog, schrieb Michael Seibt im Jahr 2012 lokale Kirchengeschichte.

26.09.2017
  • uja

Dass jemand es wagte, von der Kanzel der ehrwürdigen Stiftskirche aus die biblische Erzählung von Jesus‘ Geburt als „Legende“ zu bezeichnen, fanden etliche Kirchenbesucher empörend. Es hagelte Leserbriefe im TAGBLATT und Beschwerden beim Bischof. Seibt wurde, obwohl er sich durchaus auf dem Stand der wissenschaftlichen Lehre befand, als vermeintlicher Anhänger der „New Age“-Bewegung attackiert und als halber Buddhist.

Doch der streitbare Hochschulpfarrer bekam auch viel Zuspruch. Sein Versuch, die biblischen Erzählungen nicht wortwörtlich zu nehmen, sondern als Ausdruck einer tieferen spirituellen Wahrheit zu verstehen, kommt nicht nur bei aufgeklärten Christen gut an, sondern vor allem auch bei denen, die schon ausgetreten sind und der Kirche eher skeptisch gegenüberstehen. „Für viele Menschen“, beobachtete Seibt, „ist nicht mehr erkennbar, was die Aussagen der Kirche mit ihrem eigenen Leben zu tun haben.“ Für sie ist Seibt ein Theologe, der sich nicht hinter Floskeln verschanzt, sondern religiöse Bedürfnisse ernst nimmt.

Entsprechend groß war die Hoffnung, dass der Hochschulpfarrer etwas länger bleiben darf als die eigentlich vorgesehenen acht Jahre. Am 28. Februar 2018 muss Seibt sein Amt als Studentenpfarrer in der Stiftskirchengemeinde offiziell aufgeben und sich eine neue Stelle suchen. So ist es vorgeschrieben in der Evangelischen Landeskirche.

Über 50 Briefe an den Bischof

Dennoch hatten er und viele seiner Anhänger gehofft, die Kirche würde in diesem Fall eine Ausnahme machen. Schließlich ist der Theologe schon 62 Jahre alt und geht 2021 ohnehin in den Ruhestand. „In diesem Alter noch einmal komplett neu anzufangen, ist nicht leicht“, sagt Seibt. „Und es ist auch nicht leicht, zu sagen, tschüß, das war‘s, wenn man sich gerade wieder irgendwo eingearbeitet hat.“

Über 50 Briefe bekam Landesbischof July nach unseren Informationen, in denen er gebeten wurde, Seibt noch drei weitere Jahre zu gewähren. Alle Schreiber/innen bekamen einen ähnlich lautenden Brief zurück, in dem ihnen freundlich gedankt wurde für ihr Engagement zugunsten des Studentenpfarrers. In der Sache aber blieb July hart: Die Regelungen bei befristeten Verträgen ließen keinen Spielraum.

Vielleicht eine halbe Pfarrstelle

Die Unterstützung der Briefschreiber habe ihn „gefreut und berührt“, erklärte Seibt dem TAGBLATT. Und es sei ihm zunächst auch nicht leicht gefallen, das Ende seiner Tübinger Amtszeit zu akzeptieren. Mittlerweile aber sehe er die bevorstehende Veränderung auch als Chance: „Jetzt bin ich ganz froh darüber.“

Voraussichtlich kann Seibt nämlich in der näheren Umgebung von Tübingen bleiben. Er werde, wenn alles klappt, eine halbe, vor allem seelsorgerlich ausgerichtete Pfarrstelle annehmen. Zusätzlich wolle er künftig verstärkt Supervision, Coaching, Meditation und Begleitung in Lebenskrisen anbieten. „Es macht Sinn“, sagt er, „das auch freiberuflich zu tun.“ Eine eigene Website hat er schon, derzeit bildet er sich in Schulungen weiter fort.

Noch einmal auf die Kanzel

Auf eines allerdings muss der Theologe ab Februar verzichten. In der Stiftskirche predigen kann er in seinem neuen Leben nicht mehr. „Das“, sagt er offen, „hat mir immer große Freude gemacht.“ Immerhin darf er in diesem Jahr am zweiten Weihnachtstag noch einmal auf die Kanzel.

Wird er bei der Gelegenheit mit einem „Faktencheck“ ein weiteres Mal die strenggläubigen Kirchenbesucher irritieren? Seibt gibt Entwarnung. Er sei durchaus froh über seine Kirche. Und: „Ich bin nicht nichtfromm.“

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26.09.2017, 01:00 Uhr
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