Umwelt

Autohersteller laufen Sturm gegen neue Grenzwerte

Von CHRISTIAN KERL

Die EU will deutlich niedrigeren CO2-Ausstoß. Die Konzerne halten das für nicht umsetzbar, Umweltverbänden geht der Vorschlag nicht weit genug.

Brüssel. Die EU-Kommission hat mit neuen Vorschlägen zu den Abgasgrenzwerten von Autos große Besorgnis in der deutschen Autoindustrie ausgelöst. Die geplanten Vorgaben stellten eine „extreme Herausforderung“ dar, die Anforderungen seien teils überspannt und belasteten die europäischen Autobauer stärker als ihre Wettbewerber in den USA oder Asien, erklärte der Branchenverband VDA. Ob die Zielwerte erreichbar seien, „ist aus heutiger Sicht mehr als fraglich.“

Umweltverbänden gehen die geplanten Auflagen dagegen nicht weit genug, sie nannten die Vorschläge mit Blick auf die europäischen Klimaziele eine „Mogelpackung“.

Die Kommission hatte am Mittwoch ihren mit Spannung erwarteten Vorschlag für die Abgas-Grenzwerte vorgelegt. Hinter den strengen Auflagen steckt das Kalkül, in Europa binnen weniger Jahre dem Elektroauto zum Durchbruch zu verhelfen. Der Plan: Der Flottengrenzwert von 95 Gramm CO2 pro Kilometer, der bereits verbindlich ab 2021 vorgeschrieben ist, soll bis 2030 um zusätzliche 30 Prozent unterschritten werden. Für 2025 soll ein Zwischenziel von minus 15 Prozent gelten.

Die Bundesregierung äußerte sich zu den Plänen zurückhaltend. Berlin sei für eine „wirksame Regelung“ zum CO2-Ausstoß von Autos, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. „Es gibt große Übereinstimmung in der Bundesregierung, dass Ziele ehrgeizig sein sollen und erreichbar“, so Seibert.

Differenzen gibt es in Berlin allerdings zwischen Außenminister Sigmar Gabriel und Umweltministerin Barbara Hendricks (beide SPD). Gabriel hatte Anfang der Woche an die EU-Kommission appelliert, der Autoindustrie nicht durch zu strenge Grenzwerte zu schaden. Eine Sprecherin des Umweltministeriums sagte dazu: „Wir haben da eine grundsätzlich andere Auffassung.“ Das Umweltministerium habe in dieser Frage innerhalb der Bundesregierung die Federführung. (mit dpa)


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09.11.2017 - 06:00 Uhr