Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Widerstand auf der Leinwand

Ausverkaufte Lichtspiele bei der Premiere des Dokumentarfilms zum Generalstreik-Stück

Bis auf den letzten Platz belegt war das Mössinger Kino am Samstagabend: „Widerstand ist Pflicht“, Katharina Thoms´ Dokumentarfilm über das Generalstreik-Theaterprojekt, hatte Premiere.

01.02.2015
  • Amancay Kappeller

Mössingen. Das Interesse war groß: Kurz vor dem Filmstart um 18 Uhr herrschte mächtiges Gedränge am Eingang der „Lichtspiele“. Schlechte Karten hatten die, die keine vorbestellt hatten: Die Vorstellung war restlos ausverkauft, alle 260 Kinosessel belegt. Katharina Thoms, Regisseurin des Dokumentarfilms, begrüßte die Gäste: „Vor zwei Jahren hätte ich mir das nie träumen lassen“, freute sich die SWR-Journalistin. Im November 2012 stellte das Lindenhof-Theater sein Projekt vor, bei dem auch 100 Laiendarsteller mitwirken sollten. Thoms war sofort begeistert – ein halbes Jahr begleitete sie die Proben zum von Franz Xaver Ott geschriebenen Stück.

Auf der Mössinger Leinwand lief die Dokumentation bereits: Mitte November, bei der Vorpremiere mit ausgewählten Gästen. Am Samstag, dem 82. Jahrestag des Mössinger Generalstreiks vom 31. Januar 1933, war der Film nun für alle zu sehen. Viele Mitwirkende des Mammutprojekts, das mit dem BKM-Preis „Kulturelle Bildung“ ausgezeichnet wurde, kamen. Außerdem Angehörige und alle, die sich für das Generalstreik-Thema interessierten. Während der Präsentation konnte man zumeist eine Stecknadel fallen hören – so gespannt verfolgte das Publikum die Geschehnisse auf der Leinwand. Zaghafte Lacher waren während von der Kamera hinter den Kulissen eingefangenen humorvollen Szenen zu hören.

Protagonistin in dem Film ist Andrea Ayen – Tochter des 1975 verstorbenen Paul Ayen. Er war einer der Anführer des Mössinger Generalstreiks. Gemeinsam mit Martin Rottach, der im Theaterstück Paul Ayen spielt, wandelt Andrea Ayen auf den Spuren der Ereignisse. Ayen zeigt Rottach streikhistorisch bedeutsame Orte, etwa die Langgaßturnhalle, den Standort des alten Pausa-Gebäudes in der Falltorstraße oder das Merz-Areal. In der Fabrik von Otto Merz versuchten die Streikführer einst, Arbeiter zu mobilisieren.

Stadtspaziergang und Szenen aus den Theaterproben sind im Film zu einem kunstvollen Ganzen verwoben. Zu Wort kommt auch immer wieder Philipp Becker, Regisseur des Theaterstücks und unermüdlicher Motivator. Begeistert ist Becker vom „unfassbaren Engagement“ der Mitwirkenden. Das Thema, „was für Dynamiken entstehen, wenn Massen in Bewegung kommen“, hält er unabhängig vom bis heute kontrovers diskutierten Generalstreik für wichtig. Im Film erzählt Ayen, dass es sie wütend macht, wenn Generalstreik-Widersacher „die Streikteilnehmer aufs übelste diffamieren“.

Im Anschluss an die Vorführung, für die es viel Applaus gab, konnten Fragen gestellt werden. Sandra Müller, Kollegin von Thoms, moderierte. Den Film habe sie gedreht, um die „wahnsinnige Leistung“ der damaligen Mössinger bekannter zu machen, so Thoms. „Das ist nicht nur ein lokales Thema, sondern ein nationales, wenn nicht gar internationales.“ Kornelia Kuschel meldete sich zu Wort und lobte den „großartigen Film“: Von Kameramann Fabian Hennig wollte die Mössingerin wissen, wie viel Rohmaterial für den 80-minütigen Streifen zusammenkam – 50 bis 60 Stunden.

Michael Schulz fragte, wie Laienschauspieler Martin Rottach zu „Ein Dorf im Widerstand“ kam. Von dessen Leistung zeigte sich Schulz beeindruckt. Becker habe ihn in einer Bar angesprochen, erzählte der Rhetorik-Student. Wolfgang Schulz erkundigte sich, ob die Beteiligten keine Angst gehabt hätten vor Bedrohungen durch Neonazis. So etwas habe es nicht gegeben, antwortete Andrea Ayen. „Hätten Sie sich auch am Streik beteiligt?“, wollte Schulz zudem wissen. „Das ist eine schwierige Frage. In gewisser Weise ist man wohl systemtreu, auch wenn man bestimmte Prinzipien hat“, so Rottach. „Es war eine Ausnahmesituation, man kann nie 100 Prozent sicher sein, wie man reagiert“, sagte Ayen.

Ein älterer Mössinger sagte, der Film habe ihn sehr bewegt, die Familie Ayen kannte der Rentner persönlich: „Ich schätze den Mut, den Sie aufgebracht haben, um das Thema aufzuführen.“ Die Lebensleistung der vor über 80 Jahren am Streik Beteiligten werde dadurch gewürdigt: „Wenn es alle so gemacht hätten, dann hätte es den Faschismus in der Form nicht gegeben.“

Ausverkaufte Lichtspiele bei der Premiere des Dokumentarfilms zum Generalstreik-Stück
Nicht jeder kam zur Premiere herein: Vor 18 Uhr drängten sich die Zuschauer vor dem Lichtspiele-Kino im Schneetreiben.Bilder: Rippmann

Ausverkaufte Lichtspiele bei der Premiere des Dokumentarfilms zum Generalstreik-Stück
Protagonistin Andrea Ayen (links) und Regisseurin Katharina Thoms im überfüllten Foyer.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

01.02.2015, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Die Kommentarfunktionalität wurde für diesen Artikel deaktiviert.
 

Wunschfilm wählen
und Tickets gewinnen

Am Donnerstag, 20. Juli, eröffnet Veranstalter Carsten Schuffert im alten Tübinger Schlachthof das Sommernachtskino 2017. Tagblatt-Leser können den einen von fünf Filmen wählen, der am Donnerstag, 27. Juli, laufen soll. Die Abstimmung läuft bis 10. Juli. Unter allen Teilnehmern werden zehn Eintrittskarten (für je zwei Personen) verlost – natürlich für den TAGBLATT-Wunschfilm am 27. Juli.






Die Teilnahme ist kostenlos. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Aus technischen Gründen sind Mehrfachabstimmungen nicht auszuschließen. Tagblatt-Mitarbeiter dürfen nicht teilnehmen.


Aus der Filmregion
Neueste Artikel
Filmreihe im Kino Kamino Kultur vom Rande geht ins Kino
Film mit Gästen über Social Media Ein Lehrer ist von sehr vielen Seiten Zielfigur
Der Arsenal-Verleih hat sich der Liebeskomödie angenommen Comeback der Schwimmbad-Romanze
Zuletzt kommentiert
Schröder hat recht. Comic-Verfilmungen sind offenbar auch durch 1000 Wonder Women nicht mehr zu retten, höchstens vielleicht noch durch eine Ant Woman. Gilt aber nicht für das ganze SF- und Fantasy-Genre. Das bringt immer noch starke und berückende Frauenfiguren hervor. Bei Robin Wright würde ich allerdings eher zu "House of Cards" raten: keine Spur von unfreiwilliger Komik.
Klex über Wonder Woman
Aus der Filmwelt
Neueste Artikel
Neue Trailer
Neueste

Kino Suche im Bereich
nach Begriff