Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Soziales

Aufklärung als Weg aus der Gewaltspirale

Stuttgart geht präventiv gegen Auseinandersetzungen in Flüchtlingsfamilien vor.

29.11.2017
  • CAROLINE HOLOWIECKI

Stuttgart. Es ist ein besonders erschreckender Fall von häuslicher Gewalt unter Flüchtlingen. Im Oktober soll ein 33-jähriger Pakistani in Hamburg seiner zweijährigen Tochter die Kehle durchgeschnitten haben, nachdem seine Frau zur Polizei gegangen war, weil sie sich bedroht fühlte. Ein Extremfall, den es so in der Landeshauptstadt noch nicht gab. Doch auch die Stuttgarter Ordnungspartnerschaft gegen häusliche Gewalt (STOP) setzt sich seit einem Jahr intensiv mit dem Thema auseinander. Während es statistisch gesehen in jeder dritten deutschen Familie häusliche Gewalt gibt, kommen Bedrohungen, Schläge oder Vergewaltigungen in etwa jeder zweiten Migrantenfamilie vor, erklärt Prof. Jan Ilhan Kizilhan von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg.

Hohe Dunkelziffer

15 Mal musste die Polizei im vergangenen halben Jahr zu Stuttgarter Asylunterkünften ausrücken und Platzverweise gegen Männer aussprechen. Ursula Matschke, die kommunale Gleichstellungsbeauftragte, spricht von „Hardcore-Fällen“, „das ist die Spitze des Eisbergs“, die Dunkelziffer sei ungleich höher. Zumeist kämen die Asylbewerber aus patriarchalischen Kulturkreisen, wo sie schon als Kinder Gewalt als selbstverständlich kennenlernten. Die Züchtigung der Frau sei selten überhaupt ein Delikt. Auf ihrer Flucht und in Kriegen machten viele abermals Gewalterfahrungen, in Deutschland herrsche Frust. „Wir können nicht wegschauen und sagen, das sind kulturelle Probleme, die uns nicht interessieren“, mahnt Matschke, zumal die Kinder aus diesen Familien „Pulverfässer“ seien.

Daher widmen sich drei Gruppen bei STOP männlichen, weiblichen und minderjährigen Ausländern. Es gibt etwa 20 ausgebildete „MiMi-Frauen“ (Migranten für Migranten). Sie gehen auf Frauen zu, die 40 Prozent der knapp 7500 Flüchtlinge in Stuttgart ausmachen. Sie sprechen Arabisch, Farsi und Türkisch und klären über Rechte auf. Die Wissenslücken sind gewaltig, die Ängste ebenso. „Ich habe Frauen gesehen, die sind beim Anblick einer Polizeiuniform ohnmächtig geworden“, sagt Kizilhan. Auch bei den Männern wird angesetzt. 2018 sollen „MiMi-Männer“ ihre Arbeit aufnehmen.

Um alle Beteiligten wie Jugend- und Sozialamt, Beratungsstellen, Polizei und Flüchtlingshelfer zu informieren, fand am Dienstag im Stuttgarter Rathaus die STOP-Fachtagung „Häuslicher Gewalt im Flüchtlingskontext begegnen“ statt. Mehr als 200 Experten tauschten sich aus und bekamen Handlungsempfehlungen. Ursula Matschke: „Wir müssen die Menschen in den Unterkünften erreichen. Wenn sie in Wohnungen umziehen, sind sie weg.“ Caroline Holowiecki

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

29.11.2017, 06:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
 
Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular