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Trotz miserablem CDU-Ergebnis strebt Guido Wolf das Amt des Ministerpräsidenten an

Auf einem steinigen Weg

Was kommt nach der Schockstarre? Nach dem desaströsen CDU-Ergebnis will Spitzenkandidat Guido Wolf dennoch eine Koalition mit FDP und SPD schmieden. Andere in der Partei halten das für "illusorisch".

14.03.2016
  • BETTINA WIESELMANN

"Das ist ja ein Andrang wie beim Wahlsieger!" Als Heinrich Haasis sich in den für die CDU reservierten Saal im Neuen Schloss kämpft, sind die niederschmetternden 18-Uhr Prognosen noch nicht über die Bildschirme geflimmert. Doch der einstige Landtagsabgeordnete und spätere Banker weiß, was seiner Partei droht: "Schlimmes." Jede Menge Kameraleute zwängen sich durchs Gedränge. Viele haben den CDU-Wahlkampfschal mit dem eingewebten "Lust auf Zukunft" umgelegt. Wie düster die aussieht, zeigen die ersten Zahlen. Fassungslos starren die CDU-Anhänger, wie der schwarze Balken bei 27,5 Prozent stehen bleibt. "Ich hab mir doch ganz was anderes gewünscht", sagt traurig eine Christdemokratin aus Schwäbisch Hall. Der dortige Abgeordnete Helmut Rüeck wischt sich nicht nur den Schweiß weg, sondern auch die feuchten Augen. "Das war s."

Das schlechteste CDU-Ergebnis in Baden-Württemberg aller Zeiten wird vielen der bisher 60 Abgeordneten das Direktmandat kosten. Ex-Finanzminister Gerhard Stratthaus entfährt ein "da kann man nur noch saufen". Der Balinger Noch-Abgeordnete, Landrat Günther-Martin Pauli, konstatiert einen "Schlag in die Magengrube." Und warnt gleichzeitig: "Jetzt bloß keine vorschnelle Panikreaktion."

Dass Grün-Rot ganz offensichtlich nicht weiterregieren kann, löst zwar einen Beifallssturm aus, doch wie weiter, wird gefragt. Während auf den Spitzenkandidaten Guido Wolf gewartet wird, hat Ex-MdB Wolfgang Freiherr von Stetten schon eine Überschrift: "Klatsche mit Aussicht auf Sieg!"

Was so paradox klingt, wird an diesem Abend das Seil, an das sich viele, nicht alle, klammern: die schwarz-rot-gelbe Deutschland-Koalition. Eine "Kretschmann-Entzauberungskoalition" nennt sie Haasis. Die will auch Wolf, der um 18.50 kommt und erstaunlich frenetisch begrüßt wird, während gerade die dritte Hochrechnung der CDU noch ganze 26,9 Prozent gibt.

In historisch schwierigster Zeit habe man Wahlkampf führen müssen, "zeitweise war das ein Stahlbad für mich", sagt Wolf. Aus dem gewonnenen Mitgliederentscheid zieht er die Legitimation, "jetzt Verantwortung zu übernehmen". Er sei bereit "den steinigen Weg zu gehen". An Rücktritt habe er nicht gedacht, "und das werde ich auch nicht tun". Kretschmann und den Grünen gratuliert er, mit allen demokratischen Parteien werde man sprechen, "in Demut und realistischer Bewertung der Ergebnisse". Aber umsetzen wolle man den "ideologiefreien" Politikwechsel. Jubel brandet auf, als Wolf verspricht: "Es bleibt dabei, die CDU hat die Absicht, Regierungsverantwortung zu übernehmen. Lust auf Zukunft bleibt unser Motto."

"Völlig illusorisch" nennt nicht nur der frühere Kunststaatssekretär Dietrich Birk die Vorstellung, die am Boden liegende SPD könnte sich auf ein Bündnis mit CDU und FDP einlassen. Die CDU habe auch nicht nur wegen der Flüchtlingspolitik von Angela Merkel verloren, "wir müssen viel, viel tiefer einsteigen in die Analyse".

Das Lavieren Wolfs in der Flüchtlingsfrage sei auch nicht gerade hilfreich gewesen. Eine Ampel oder Grün-Schwarz werde die Folge dieses "sehr, sehr schmerzhaften" Ergebnisses sein. Letztere Koalition will Landesvorstandsmitglied von Stetten "in jeden Fall verhindern. Grün hat die SPD halbiert, das passiert uns dann auch."

Für Landesparteichef Thomas Strobl ist die Deutschland-Koalition "absolut denkbar". Dass das Ministerpräsidentenamt wegen des prozentualen Vorsprungs an Grün fallen müsse, weist er zurück: 2011 habe die CDU um 15 Punkte vorn gelegen, "und wir haben die Spielregeln nicht geändert."

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14.03.2016, 08:30 Uhr
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