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Die legendären Kinderfeste in Nehren auf alten Bildern

Auch die Alten wurden wieder jung

Die Kinderfeste in Nehren sind bis heute im Gedächtnis des Dorfs tief verankert. Roland Schneider, der Sammler historischer Fotografien aus seiner Heimatgemeinde, zeigt am Sonntag, den 27. Januar, rund hundert Fotos von allen zehn Festen.

24.01.2013
  • Jürgen Jonas

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Nehren. Anfang September 1953: Der Nehrener Gemeinderat beschließt unter Leitung von Bürgermeister Franz Fecht die Anschaffung einer erklecklichen Anzahl von Fahnen in den Ortsfarben Rot und Weiß. Nein, Bundespräsident Heuss fährt nicht im Sonderzug Richtung Sigmaringen am Dorf vorbei, auch kommt der Landrat nicht zu Besuch. Es ist in Nehren einfach wieder einmal ein Kinderfest ausgerufen. Für die Kinderfeste wird viel getan im Ort. Doch, auf ihre Kinderfeste tun sich die Nehrener viel zugute. Bis heute.

Wer bewusst dabei war, kommt immer noch ins Schwärmen. Wer davon erzählt bekommen hat, kann neidisch werden. Die Nehrener Kinderfeste, deren erstes bereits im Jahr 1928 ausgerufen wurde, sind legendär. 1949 wurde wieder eingeladen, nachdem die Nazis ihre eigenen Jungvolkmärsche zur Verpflichtung gemacht hatten. Alle zwei Jahre fanden sie statt.

Im Vorfeld des Kinderfestes 1953 richteten sich zahllose Blicke gen Himmel, tagelang hatte der Wetterbericht nichts Gutes verheißen, am Tag zuvor noch schoben sich drohend schwarze Wolken über den Himmel, ein kalter Nordost pfiff. Glücklicherweise hatte Fecht den Termin nicht verschoben.

Denn es galt: „Und sieht der Himmel noch so trübe aus, wenn in Nehren was los ist, dann hat traditionsgemäß die Sonne zu scheinen.“ So gab der damalige Berichterstatter des Steinlachboten dem Nehrener Optimismus Ausdruck. Alles war ja auch bis in alle Einzelheiten vorbereitet und festgelegt, der Festausschuss, gebildet aus der Lehrerschaft und den Vorständen aller Vereine einschließlich der Feuerwehr hatte sich mehrfach getroffen.

Siehe da: Die Sonne machte mit. Viertel nach neun begann der Jugendgottesdienst, danach strebte alles in Richtung Schule. Pünktlich um halb eins setzte sich der Festzug, von Reitern begleitet, in Bewegung. Mit viel Mühe und großer Zuneigung waren die einzelnen Gruppen, zwanzig insgesamt, hergerichtet und ausgestattet. Inder traten auf, Indianer, Märchen mit samt Königen und Prinzessinnen.

Reine Freude, schrieb der Berichterstatter des Steinlachboten, hätten die Augen der Zuschauer widergespiegelt, denn „alle gaben ihr Bestes, angefangen von der fleißigen Kapelle des Musikvereins bis zum jüngsten Feuerwehrnachwuchs, der in vollem Wichs noch im Kinderwagen hockte.“

Insgesamt folgten 3000 Menschen dem Zug, entweder mitlaufend oder zuschauend. Alle Bürgermeister der Umgebung, viele Lehrer aus Nachbarorten. Die Zahl der Festabzeichen reichte bei weitem nicht aus, um die Nachfrage zu decken. Vom Schulhof aus ging es durch die Wilhelmstraße in die Bahnhofstraße, von der Luppachstraße über die Wette bis, am Rathaus vorbei, zum Bund, wo man kehrtmachte, wieder zurücklief, durch die Kappelstraße zog, um in die Schulstraße einzubiegen und auf dem Festplatz neben der Schule einzumünden.

Fecht begrüßte die verkleidete Versammlung, dann gab es Wettkämpfe und Bändertanzreigen, Kletterbaum und Wurstkiste waren in einem „Vergnügungspark“ aufgestellt. Zahlreiche Preise konnten dank der „Gebefreudigkeit der einheimischen Geschäftsleute“ ausgeteilt werden.

Am Abend gab es für die Kleinen einen Lichterzug durchs Dorf, die Gemeinde hatte einen Lampion für jedes Kind spendiert. Die Mütter hätten, heißt es, Mühe gehabt, „die ausgelassene kleine Ware ins Bett zu bringen“, auf dem Festplatz ging der Betrieb weiter. Ein Sommernachtsfest mit Tanz bis um Mitternacht.

Roland Schneider, „seit 1943 niemals etwas anderes gewesen als ein Nehrener“, hat für seinen Vortrag genau 100 Bilder von zehn Kinderfesten im Kasten. Veranstaltet wird die Foto-Schau vom Kulturforum, Margret Schott wird, als Vorsitzende vom Schmalzbrotausschuss des Kulturforums, mit einigen anderen Mitgliedern für die Bewirtung sorgen. Sie war selbst Kinderfest-Akteurin.

Immer wieder haben natürlich auch die Kirschen im Dorfleben eine Rolle gespielt, so beim Kinderfest 1961. Da marschierte eine Gruppe von Schulmädchen in traditioneller Tracht und mit Kirschen-Körbchen auf dem Kopf im Festzug mit. Schott deklamierte mit lauter Stimme: „Kaufet au Kirsche, Kirsche von Naihre, siaß, saftig ond rond. Halbe gscheekt send se, zeh Pfennig ’s Pfond …“

Bürgermeister Egon Betz wird am Sonntag um 17 Uhr im Feuerwehrhaus in der Franz-Fecht-Straße Begrüßungsworte sprechen, eine historische Einführung folgt. Schneider und Kulturforum hoffen auf zahlreiche Besucher. Denn auf den älteren Fotos sind viele der Teilnehmer noch nicht identifiziert.

Auch die Alten wurden wieder jung
Ein kleines Rätsel ist bis heute dieses Kinderfest-Foto aus dem Jahr 1928. Von den darauf Abgebildeten ist bisher nur ein Name bekannt. Am kommenden Sonntag könnte sich das ändern.Privatbild

Alte Bilder in Hülle und Fülle: Aber wer erkennt sich, seine Freunde oder seine Verwandten noch auf den antiken Fotografien? Am kommenden Sonntag, 27. Januar, zeigt der Nehrener Heimatfotograf und Sammler Roland Schneider die schwarz-weißen Perlen ab 17 Uhr im Feuerwehrhaus. Rund hundert Bilder der alten Kinderfeste werden projiziert. Es gibt eine Einführung. Mitveranstalter ist das Nehrener Kulturforum.

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24.01.2013, 12:00 Uhr
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