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Wenn’s in der Ausbildung kracht

Arbeitnehmer setzen bei IHK Schlichtungsstelle durch

Auf Druck der Arbeitnehmer im Berufsbildungsausschuss hat die IHK eine Schlichtungsstelle für Konflikte in der Ausbildung eingerichtet. Das Gremium tagt erstmals am 4. Dezember.

21.11.2012
  • von Bernd Ulrich Steinhilber

Reutlingen. Es war ein langer Weg, bis sich die Arbeitnehmerbank im paritätisch besetzten Berufsbildungsausschuss durchgesetzt hat. Seit mehreren Jahren fordert sie einen Schlichtungsausschuss, im Mai 2012 hat sie ihn endlich bekommen. Er ist ebenfalls paritätisch besetzt und mit dem Auftrag versehen, „Ausbildungsverhältnisse zu retten, bevor es zu spät ist“ – am besten durch eine gütliche Einigung der Parteien.

Nicht selten führen Unstimmigkeiten zwischen Azubis und Unternehmen zur vorzeitigen Auflösung eines Lehrvertrags. Häufig wissen Lehrlinge nicht über ihre Rechte Bescheid, sagte der Reutlinger IG-Metall-Sekretär Michael Bidmon gestern bei einem Pressegespräch. Und viel zu früh finde man sich vor dem Arbeitsgericht wieder.

Dem ist nunmehr der Schlichtungsausschuss vorgeschaltet. Die Arbeitnehmer werden darin von Gerald Müller, dem IG-Metall-Jugend-Sekretär der Verwaltungsstellen Reutlingen/Tübingen und Albstadt, vertreten, die Arbeitgeber vom Reutlinger Stadtwerke-Personalleiter Eberhard Geiger. Beide sind Mitglieder des Berufsbildungsausschusses. Die Schlichtungsstelle trete nur auf Antrag einer der Parteien zusammen, erklärte Müller das Prozedere, wobei sich der Arbeitgeber auf Fehlzeiten des Azubi und schlechte Leitungen berufen dürfte, der Lehrling darauf, dass er als billige Arbeitskraft eingesetzt und nicht ausgebildet werde. Erst wenn im Ausschuss keine Einigung zustande komme, sei der Weg zum Arbeitsgericht frei.

Bidmon kritisierte gestern die Haltung der IHK, die mit dem Argument, es gebe keine Konfliktfälle, und wenn, dann könne sie die Kammer moderieren, den Ausschuss jahrelang verhindert habe. Selbstverständlich gebe es Konflikte. So sei die Gastronomie mit einer Ausbildungs-Abbrecherquote von nahezu 50 Prozent ein Problembereich. Im Übrigen freut sich Bidmon darüber, „dass wir jetzt Einfluss auf die Ausbildungsqualität nehmen können.“

Dem Berufsbildungsausschuss gehören je sechs Beauftragte der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer und sechs Lehrer an berufsbildenden Schulen an, wobei Lehrer eine beratende Stimme haben. Er ist in allen wichtigen Angelegenheiten der beruflichen Bildung zu unterrichten und zu hören. Erst auf Drängen der Arbeitnehmerbank wurde die Schlichtungsstelle eingerichtet.

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21.11.2012, 12:00 Uhr
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