Ducato-Banden-Prozess in Stammheim fortgesetzt

Angeklagter berichtet von Bedrohung: „Ich habe Angst vor der Familie“

Von Madeleine Wegner

Drei Männer gestanden in Stammheim den bandenmäßigen Rad-Klau. Ein 26-Jähriger gab zu, die Lagerhalle angezündet zu haben.

Angeklagter berichtet von Bedrohung: „Ich habe Angst vor der Familie“

Der Prozess des Tübinger Landgerichts gegen die sogenannte Ducato-Bande wurde aus Platz- und Sicherheitsgründen ins Mehrzweckgebäude des Oberlandesgerichts in Stuttgart-Stammheim verlegt. Archivbild: Wegner

Am zweiten Verhandlungstag im Prozess gegen die Ducato-Bande waren am Donnerstag nur acht der neun Angeklagten erschienen. Ein 21-Jähriger, der derzeit in Ravensburg einsitzt, sei ins Krankenhaus eingeliefert worden. Seine Verteidigerin beantrage deshalb eine Aussetzung des Prozesses für zwei Verhandlungstage. Das Gericht lehnte ab und entschied entsprechend dem Antrag der Staatsanwaltschaft, das Verfahren des 21-Jährigen abzutrennen. Der junge Mann soll die gestohlenen Fahrräder in seinem Heimatort in Bosnien weiterverkauft haben.

Die Vorschläge der Kammer, das Verfahren durch Geständnisse mit Ausblick auf mildere Strafen abzukürzen, lehnten die fünf Mitglieder der Familien-Bande ab. Ihnen hatte der Vorsitzende Gesamtstrafen zwischen vier bis sechseinhalb Jahre Haft in Aussicht gestellt. Drei Männer, die für diese Bande Räder gestohlen haben sollen, legten hingegen umfassende Geständnisse ab.

Zur Verhandlung am Donnerstag wurden die Sicherheitsmaßnahmen erneut verstärkt. Es waren mehrere Dutzend Sicherheitsbeamte im Einsatz. Im Saal saßen rund 30 Angehörige. „Ich habe Angst vor der Familie“, sagte der 23-jährige Angeklagte. Er habe Angst um seine Frau und sein Baby. Ihnen sei bereits von einem Mann, der im Publikum sitze, gedroht worden, damit er keine Aussage mache. Der 23-Jährige gab zu, Räder, Werkzeuge und Buntmetalle für die Familien-Bande gestohlen zu haben. Die Familien-Bande soll ihn und drei andere Männer aus Bosnien und Serbien in Asylbewerberheimen angeworben haben, um die Räder zu stehlen.

„Alles, was mir vorgeworfen wird, gebe ich zu“, sagte auch der 26-Jährige, dem Bandendiebstahl in dreißig Fällen und Brandstiftung vorgeworfen wird. Von November 2015 bis Sommer 2016 habe er zusammen mit den beiden anderen angeklagten Männern Räder gestohlen. Innerhalb von zwei Wochen hätten sie im vergangenen Jahr rund 30 Räder im Kreis Tübingen, aber auch im Zollernalbkreis und im Kreis Böblingen geklaut. „Wir haben uns immer abgewechselt, mal war der eine nicht dabei, dann der andere“, sagte der Angeklagte.

Die Räder hätten sie dann in einen Schiffscontainer nach Dußlingen gebracht, den die Diebesbande angemietet hatte. War eine Fuhre von 30 Rädern voll, legten sie ein paar Wochen Pause ein. So soll es laut Anklage zu elf Fuhren gekommen sein. Pro Rad hätten sie 70 Euro von der Familie erhalten, sagte der 26-Jährige. „Wir wussten nicht, wohin die Räder gehen, wir wussten nur, wohin wir sie bringen mussten“, sagte der Angeklagte.

Ein Teil der Familien-Bande flog im September 2016 auf, als die Polizei einen Fiat Ducato im bayerischen Traunstein kontrollierte - er war vollgepackt mit gestohlenen Fahrrädern auf dem Weg Richtung Bosnien. Daraufhin hätten sie sich auf Werkzeuge, Buntmetalle und Kraftstoffe verlegt, die sie von Wertstoffhöfen und aus privaten Schuppen in der Region stahlen und an den 50-jährigen Hehler der Familien-Bande verkauften, dies sagte der 26-Jährige aus. Dabei habe er oft unter Alkohol gestanden: „Ich denke, wenn ich nicht getrunken hätte, hätte ich mich das nicht getraut“, erklärte er. Vor allem bereue er, das Feuer in der Hagellocher Lagerhalle gelegt zu haben. Damit habe er vertuschen wollen, dass sie zuvor dort Diesel stahlen. Als sie die Feuerwehrsirenen hörten, seien sie noch einmal zurück zum Tatort gefahren. Beim Anblick der Flammen habe er sich gefragt: „Warum haben wir sowas gemacht? Das tut mir wirklich wahnsinnig leid.“ Unter Tränen sagte auch der dritte Mann der Diebesbande am Donnerstag aus, der in 26 Fällen dabei gewesen sein soll. „Ich gestehe alles, was ich gemacht habe“, sagte der 51-Jährige, „ich habe einen Fehler gemacht“.

Zur Verhandlung am Freitag ist unter anderem der Leiter der Ermittlungen als Zeuge geladen.


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05.10.2017 - 21:29 Uhr