Betrugsmasche · Kochtopf-Verkauf aus dem Auto

Angeblicher Messe-Mitarbeiter wollte Kilchbergerin angeblich übergebliebene Ware verkaufen

Von Philipp Koebnik

Nicht übers Ohr hauen ließ sich eine Kilchbergerin, die am Montagmorgen in der Ortsmitte auf einen angeblichen Messe-Mitarbeiter traf.

Angeblicher Messe-Mitarbeiter wollte Kilchbergerin angeblich übergebliebene Ware verkaufen

Symbolbild: © Ssogras - Fotolia.com

Der junge Mann, so berichtete sie unserer Zeitung, habe sie durchs Beifahrerfenster angesprochen: Er komme von einer Messe in Leinfelden und sei auf dem Weg zum Flughafen, jedoch könne er nicht so viel Ware im Flieger mitnehmen. Ob sie nicht ein paar hochwertige Kochtöpfe kaufen wolle, die er noch übrig habe?

Der Mann, der um die 30 Jahre alt sei, habe mit leichtem holländischen Akzent gesprochen. Sein weißes Auto hatte ein niederländisches Kennzeichen. Indes behauptete er, aus der Schweiz zu sein. Sein Vater sei der Chef – er habe ihm geraten, die Ware irgendwie großzügig abzugeben. Deshalb würde er jetzt herumfahren.

Minderwertige Ware

Er fragte sie, ob sie die Marke WMF kenne. Als sie dies bejahte, fuhr er recht flott auf den Gehweg und kam ums Auto. Er öffnete eine von vier bis fünf größeren, gleichartigen Schachteln, die er auf dem Rücksitz gestapelt hatte, und holte die Beschreibung und eine Garantiekarte heraus. Dabei pries er die Ware an – die Kochtöpfe blieben jedoch mit Plastikhülle in der Schachtel. Er gab ihr nur ein professionell gemachtes Faltblatt mit.

Der Inhalt sei 1475 Euro wert. Eine andere Anwohnerin habe ihm gerade voller Begeisterung eine solche Kiste für 300 Euro abgekauft, er könne den Preis aber auch noch etwas senken, vielleicht auf 200 Euro. Die Angesprochene sagte dem Mann, dass er die Ware gerne dalassen dürfe, sie aber nichts dafür bezahlen wolle. Die Frau, die auch Ortschaftsrätin ist, bot ihm an, sich in Kilchberg umzuhören, ob jemand so etwas gebrauchen könne.

Auf die Frage nach dem Messe-Ausweis reagierte der Mann beleidigt

Geld wolle sie ihm dafür nicht geben, denn sie könne ja nicht sicher sein, woher er seine Ware tatsächlich habe. Außerdem fragte sie ihn, ob er einen Messe-Ausweis dabeihabe. Daraufhin habe der Mann recht beleidigt reagiert und gesagt, dass er ihr gerne seine Visitenkarte dalassen würde. Das tat er jedoch nicht, sondern packte rasch alles zusammen und fuhr davon.

Der Mann habe „sehr professionell“ gewirkt, sagte die Ortschaftsrätin, die selbst Messe-Erfahrung hat: „Da konnte man nur schwer Verdacht schöpfen.“ Der vermeintliche Messe-Mitarbeiter trug ein weißes Hemd und eine dunkle Hose und sei „rhetorisch sehr gut“ gewesen, berichtete die Frau, die anonym bleiben möchte.

Erster Fall seit längerer Zeit

„Das ist eine gängige Betrugsmasche“, sagte Polizei-Pressesprecher Michael Schaal dem TAGBLATT. Die Betrüger geben sich als Messe-Verkäufer aus, die es eilig haben und übriggebliebene Produkte günstig abgeben wollen. In Wirklichkeit handle es sich um „minderwertige Ware“, die viel weniger wert sei als der vermeintliche Sonderpreis. Allerdings: Das sei der erste Fall in der Region seit Längerem. Andere Betrugsmaschen kämen zurzeit häufiger vor.


Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

(c) Alle Artikel und sonstigen Inhalte der Website sind urheberrechtlich geschützt. Eine Weiterverbreitung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags Schwäbisches Tagblatt gestattet.


17.08.2017 - 01:00 Uhr