Umweltsauerei oder Sabotage-Akt?

Amtsgericht sucht Aufklärung der Vorgänge auf dem Queck-Gelände

Von Gert Fleischer

Wegen vorsätzlichen unerlaubten Umgangs mit Abfällen muss sich seit Donnerstag Helmut Queck, 73, vor dem Amtsgericht Rottenburg verantworten. Von Baumaschinen und -fahrzeugen sowie aus einem aufgeschnittenen Ölfass soll Öl ins Erdreich getropft sein. Queck behauptet, es handle sich um Sabotage: Jemand anders habe absichtlich Öl dort ausgegossen.

Amtsgericht sucht Aufklärung der Vorgänge auf dem Queck-Gelände

Das Queck-Gelände bei Kiebingen: Die Betonrohre sind noch aus sehr alten Zeiten. Die angeblich öltropfenden Maschinen und Fahrzeuge sind jetzt weg.Bild: Fleischer

Rottenburg. Mehrfach berichteten wir über angeblich mit Schadstoffen durchsetzten, recycelten Bauschutt sowie über leichtfertigen Umgang mit ölverschmierten Maschinen. In Verdacht stand dabei das Nehrener Baustoffrecycling-Unternehmen Hipp + Strassenburg GmbH. Es führt in seiner Referenzliste beispielsweise Abbruch und Rückbau, Altlasten- und Asbestsanierung eines Tübinger Kasernenareals sowie die Entsorgung des kontaminierten Materials. Auch eine alte Kunststofffabrik in Nehren und eine ehemalige Möbelfabrik in Talheim seien von Asbest befreit und abgebrochen worden, das Abbruchmaterial recycelt worden.

Weil Hipp + Strassenburg Ende 2014 Insolvenz beantragte, die vor wenigen Wochen auch festgestellt wurde, ist bei dem gescheiterten Unternehmen nichts zu holen. Wo sich der ehemalige Geschäftsführer Sascha Hipp aufhält, ist unklar. Wenn aber Mieter oder Pächter nicht haftbar zu machen sind, ist der Grundstückseigentümer an der Reihe.

Der Angeklagte, Helmut Queck, hatte nur eine Teilfläche seines Grundstücks, dessen Gesamtgröße er auf etwa einen Hektar schätzte, an Hipp + Strassenburg verpachtet. Andere Teile hat er in eigener Verfügung und wiederum zum Teil an andere Firmen vermietet. Die alten Werksgebäude stammen vom Kiebinger Beton- und Kieswerk Queck, das 2004 Insolvenz angemeldet hatte. 2005 wurden die Gebäude an die Firma Kleinwächter Transportbeton verpachtet, die war dann 2011 zahlungsunfähig. Ihr folgte Hipp + Strassenburg.

Hätte Queck die Umweltschäden verursachenden Dinge zügig, spätestens innerhalb der vom Landratsamt bis zum 24. März 2014 gesetzten Frist beseitigen lassen, wäre es wohl nicht zur Anklage gekommen. Doch Queck sagte erstens, das leckende Fass gehöre gar nicht ihm. Zweitens verlören die Fahrzeuge und Maschinen kein Öl, weil die Betriebsmittel abgelassen worden seien: „Da konnte nix rauslaufen, weil nix drin war.“ Drittens seien die Maschinen und Fahrzeuge zwar zehn, fünfzehn Jahre alt, aber trotzdem noch „Wertgegenstände“ und deshalb zu schade zum verschrotten.

Queck erhielt einen Strafbefehl, sollte also zahlen. Dem widersprachen er und sein Anwalt Bernhard Hilland, folglich ist die Angelegenheit nun vor Gericht.

Die beiden OBs gingen vereint gegen Queck vor

Sein Mandant, sagte Hilland, habe nach Abzug der Krankenversicherung lediglich 459 Euro Rente. Weitere Einkünfte habe er nicht, sagte Queck auf Nachfrage der Richterin. Sein VW Passat habe 400 000 Kilometer auf dem Tacho. Mit der Verpachtung an Hipp + Strassenburg habe er unterm Strich nur Verlust gemacht. Schulden habe er, aber die Höhe könne er nicht beziffern.

Die vom Landratsamt als Umweltbehörde Ende November 2013 angeordnete Beseitigung der angeblich öltropfenden Geräte gab Queck zunächst an Hipp + Strassenburg weiter. Als diese Firma nicht mehr existierte, machte er sich selbst ans Aufräumen, allerdings wie schon Hipp + Strassenburg „nicht in dem Tempo, wie wir es uns gewünscht hätten“, sagte eine Zeugin, die beim Landratsamt für unerlaubte Abfallablagerungen zuständig ist. Verteidiger Hilland hielt dagegen, Queck habe sogar das aufgeschnittene Ölfass entsorgt, obwohl es ihm nicht gehört habe.

Dass sein Mandant zum Sündenbock gemacht werden sollte, führte Hilland immer wieder an. Sogar die Oberbürgermeister Tübingens und Rottenburgs hätten sich abgesprochen, „der Queck muss weg“. Mit dem Versuch, durch Tonnagebeschränkung die Queck-Zufahrt weitgehend nutzlos zu machen, seien die Verwaltungen vor dem Verwaltungsgericht „jämmerlich gescheitert“, sagte Hilland.

Auch andere Leute hätten die Nutzung des Queck-Geländes loshaben wollen, etwa die Menschen, die in der Nähe wohnen. Mehr als 100 anonyme Anzeigen seien gestreut worden beim Landratsamt, bei der Polizei, bei der Staatsanwaltschaft. Besonders hervorgetan habe sich ein „Umweltaktivist“ aus Hirrlingen, wie der Anwalt sagte.

Das Landratsamt ließ Öl nicht analysieren

Immer wieder sei Müll auf Quecks Grundstück abgelagert worden, sagte der Verteidiger. Das Landratsamt habe sich nicht bemüht, die Verursacher ausfindig zu machen, nicht mal, als einige Bahncards mit Namen im Abfall waren. Hipp + Strassenburg habe, als der Betrieb noch lief, Kameras installiert. Angeblich habe Sascha Hipp Aufzeichnungen, auf denen nachts Leute übers Betriebsgelände gehen.

Ausführlich hörte die Richterin die Zeugen vom Landratsamt an, die verschiedentlich vor Ort waren. Umso mehr, als Queck und Hilland darauf bestanden, dass die gefundenen Öllachen nicht von den Maschinen gekommen, sondern in Sabotage-Absicht dort ausgekippt worden seien. Dummerweise habe der Unbekannte nicht berücksichtigt, dass Öl nicht bergauf läuft. Ein weiterer Beleg für die Sabotage-These sei, dass es sich bei allen vorgefundenen Lachen um frisches, in Geruch und Farbe gleiches Öl handele.

Übereinstimmend sagten die vier Zeugen – alle fachlich vorgebildet, darunter drei vom Landratsamt –, dass es sich dem Anschein nach um relativ frische Öl-Antragungen gehandelt habe. Keiner der Zeugen konnte sagen, dass die Maschinen getropft hätten. Sie seien ölverschmiert gewesen und die Öllachen seien darunter gewesen. Keiner der Behördenvertreter hatte geprüft, ob die Betriebsstoffbehälter gefüllt oder überhaupt vorhanden waren. Keiner hatte einen Unterschied festgestellt, etwa ob es sich um Hydrauliköl, Motoröl oder Heizöl handelte. Keiner hatte das Öl auf dem Erdreich verglichen mit dem Öl, was den Maschinen und Fahrzeugen anhaftete. Keiner hatte Proben entnommen, um sie von Sachverständigen prüfen zu lassen. Das hätte einer entsprechenden Anordnung bedurft, doch die habe es nicht gegeben. Da die Geräte inzwischen verschrottet sind, dürfte sich ein analytischer Vergleich nun nicht mehr machen lassen.

Zur nächsten Verhandlung will Richterin Schneck Sascha Hipp von Hipp + Strassenburg vorladen, wenn er aufzufinden ist. Staatsanwältin Grgic will auch Zeugen von Polizei und Feuerwehr.

Info Amtsrichterin: Angelika Schneck; Staatsanwältin: Tatjana Grgic; Verteidiger: Bernhard Hilland


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05.11.2015 - 12:00 Uhr