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Leitartikel · Landtagswahl

Alles Kretschmann?

Grün wählen. Für Kretschmann". Das Motiv, das die Grünen im Endspurt des Wahlkampfes plakatieren und in Anzeigen verbreiten, fasst die Botschaft des vergangenen halben Jahres wie unter einem Brennglas zusammen: Pur, ohne jede politische Nachricht, lächelt der Landesvater den Betrachter huldvoll an. Einer der Gründungsgedanken der Grünen, Politik vom Inhalt her zu definieren, tritt hinter die Person zurück. Kaum anders als in den von der grünen Klientel so oft verlachten und kritisierten US-amerikanischen Wahlkämpfen.

12.03.2016
  • Ulrich Becker

Verwundert es also, dass das Land - wenn sich die Umfragen der Meinungsforscher bestätigen - vor einem politischen Erdbeben steht? Ein Erdbeben, das die Grünen zum ersten Mal zur stärksten Kraft in einem Landesparlament machen könnte. In Baden-Württemberg, der ewigen CDU-Hochburg.

Nein, es verwundert nicht, denn die Rolle des über allem schwebenden Landesvaters hat Winfried Kretschmann nicht nur perfekt ausgefüllt. Er hat zugleich dem in weiten Teilen noch immer konservativ geprägten Baden-Württemberg den Glauben an eine Vorbildfigur in der Rolle des Regierungschefs zurückgegeben. Die Zustimmung der Bevölkerung - immerhin würden bei einer Direktwahl über 60 Prozent Kretschmann wählen - speist sich aus der Enttäuschung über seine Vorgänger. Sowohl Stefan Mappus als auch Günther Oettinger erreichten nie die Rolle, die einst Erwin Teufel innehatte. Winfried Kretschmann schon. Danach hat sich ein Großteil der Bevölkerung offensichtlich gesehnt. Kretschmann beförderte dies im Wahlkampf in einer Mischung aus Taktik und Instinkt, in dem er zum Ärger der CDU in seinen Reden von Konrad Adenauer bis hin zu Kanzlerin Angela Merkel Konservative als Kronzeugen seiner Überzeugungen bemühte.

Der Ministerpräsident erscheint aber vor allem deshalb so stark und dominant, weil seine politischen Gegner weiter hinter den Erwartungen zurückblieben. Der Herausforderer, CDU-Chef Guido Wolf, agierte glücklos, bisweilen sogar planlos. Der Versuch, auf Augenhöhe die Person Kretschmanns anzugreifen, scheiterte. Der Person Wolf gelang es nicht, den Nimbus des Gegners zu zerstören. Ganz im Gegenteil: Oft wirkte er verkrampft, eine klare Taktik war nicht zu erkennen. Besonders deutlich wurde dies im Verhältnis zur Kanzlerin: Auf dem CDU-Parteitag im Dezember in Karlsruhe überreichte er Merkel noch einen Stoffwolf, im Februar attackierte er gemeinsam mit Julia Klöckner die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin. Inhaltlich folgte er damit dem Unmut der CDU-Basis, den Wählern aber bot er das Bild einer zerstrittenen Partei - die Quittung erhielt er in den Umfragen. Damit steht auch Wolfs politisches Überleben auf dem Spiel: Sollte die CDU unter 30 Prozent bleiben und es nicht zu einer Regierungskoalition reichen, wird Angela Merkel kaum an dem ehemaligen Landrat festhalten wollen.

Doch die erdrückende Übermacht des Amtsinhabers könnte am Ende das grün-rote Projekt beenden. Je erfolgreicher Kretschmann ist, desto schwächer wird die SPD. Obwohl der blasse Spitzenkandidat Nils Schmid zahlreiche Positionen in der Koalition durchsetzen konnte, steht die Partei vor dem größten Debakel ihrer Geschichte. Ein Abrutschen unter 15 Prozent, vielleicht sogar hinter die AfD, scheint möglich.

So heißt am Ende der stärkste Trumpf der Regierung Kretschmann - Kretschmann. Ob das allein zum Wahlsieg reicht, wissen wir erst am Sonntagabend.

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12.03.2016, 07:00 Uhr
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