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Von Kopp und Sproll

Albert Bodenmiller provozierte einen Eklat

Schon Monate ist es her, dass der Gemeinderat beschloss, knapp zwei Drittel des Gewerbegebiets an den bereits in Rottenburg ansässigen Kopp-Verlag zu verkaufen. Des letzteren Sortiment ist gewiss keine Musterkollektion aufklärerischer Literatur, bedient es doch überwiegend eine Kundschaft, die sich an Verschwörungstheorien, Ufos und ähnlich Obskurem delektiert.

20.05.2011
  • von Willibald ruscheinski

Rottenburg. Auch den extrem rechten Rand des politischen Spektrums streift Kopp gern; doch dass er justiziabel Verfassungsfeindliches verkaufe, ließ sich dem Verlag bislang nicht nachweisen. Weshalb eine große Mehrheit im Gemeinderat damals kein Hindernis sah, das Grundstück zu veräußern.

Albert Bodenmiller (BfH/Linke) ist der durchaus ehrenwerten Meinung, dass dies ein politischer Skandal sei. „Das passt nicht in eine Bischofsstadt! Dieses Geschäft ist eine Beleidigung des Märtyrers Eugen Bolz und des Bekennerbischofs Baptista Sproll“, sagte er bei der Bekanntgabe des Deals vor eineinhalb Monaten. Dass er nahezu dasselbe in der Sitzung vom Dienstag nun noch einmal als öffentliche Erklärung verlas, provozierte allerdings einen Eklat.

Denn diesmal beließ Bodenmiller es nicht beim Hinweis auf das „klare politische Profil“ Rottenburgs, das sich „gegen den Nationalsozialismus richtet.“ Er kommentierte auch das Abstimmungsverhalten der anderen Fraktionen und sprach den Grünen „hohe Anerkennung“ für ihr Nein aus. Die SPD indessen habe durch ihre Zustimmung das „Vermächtnis“ von NS-Opfern wie dem Sozialdemokraten Julius Leber, der wie Bolz als Mann des Widerstandes starb, „nicht erfüllt“. Der CDU schließlich schrieb Bodenmiller ins Stammbuch, sie behaupte zwar, „christliche Werte zu verteidigen“, habe sich aber „leuchtende Glaubenszeugen“ wie Sproll und Bolz bei ihrem Ja zum Kopp-Geschäft nicht zum Vorbild genommen. Fazit: „Bischof Sproll würde sich im Grabe herumdrehen.“

Nicht erst an dieser Stelle wurde es sehr laut im Saal. „Sie erzählen jedes Mal denselben Quatsch!“, fiel Oberbürgermeister Stephan Neher seinem Kontrahenten ins Wort, der historisch betrachtet nicht nur ständig Äpfel mit Birnen verwechsle: „Sie unterscheiden nicht einmal zwischen Mirabellen und Ananas.“ Es sei nicht richtig, die Gemeinderäte von heute „in eine Reihe zu stellen mit den Nationalsozialisten. Das sind Verbrecher gewesen, die haben keine Grundstücke verkauft.“ Bodenmillers Äußerungen seien eine „Beleidigung der Märtyrer.“

„Das muss ich mir nicht mehr anhören!“, fand auch Hermann Sambeth und stand auf. Ehe er den Saal unter Protest verließ, gab der CDU-Stadtrat allerdings noch zu Protokoll, warum er Bodenmillers Äußerungen unerträglich fand. Sambeths Vater Ludwig, damals Oberfinanzinspektor im Bischöflichen Ordinariat, war nach den organisierten Anti-Sproll-Demonstrationen der Nazis vom 23. April 1938 zuhause abgeholt und von der Gestapo zur zehntägigen „Schutzhaft“ nach Tübingen gebracht worden.

Bodenmiller spiele „immer wieder mit diesen Namen herum“, erläutert Sambeth im Nachhinein und verbittet sich, Menschen, die wegen ihrer Überzeugung immerhin um Leib und Leben fürchten mussten, fürs politische Tagesgeschäft zu instrumentalisieren. Ganz anders Hermann-Josef Steur, der sich in seiner Replik auf historische Vergleiche gar nicht erst einließ. „Sie suchen schon lange und haben immer noch keinen Beweis erbringen können, dass dieser Verlag wirklich Rechtsextremes vertreibt“, rieb der SPD-Stadtrat Bodenmiller unter die Nase, und: „Sie hocken sonst so gern auf demokratische Grundsätze hinauf, können aber keine Mehrheitsentscheidungen akzeptieren.“

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