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Filmfestival in Venedig

Ai Weiwei zeigt die Menschen hinter der Zahl

In Venedig plädiert der chinesische Künstler mit der Doku „Human Flow“ für Empathie mit Flüchtlingen.

02.09.2017
  • EPD

Venedig. Einer der berühmtesten Künstler der Gegenwart hat mit deutschen Produktionsgeldern einen Dokumentarfilm über eines der am heißesten debattierten Themen der Zeit gedreht: Der Chinese Ai Weiwei (60), der in seiner Heimat Haft und Verfolgung erdulden musste, hat in 23 Ländern die globale Flüchtlingskrise in Augenschein genommen. Aus den dabei entstandenen Aufnahmen schnitt er die Doku „Human Flow“ zusammen. Die ragt heraus aus der Flut an Problemfilmen, die es schon zum Thema gibt. Begeisterte Reaktionen auf die Premiere beim 74. Internationalen Filmfestival von Venedig machen ihn zu einem Favoriten auf den Goldenen Löwen.

Was „Human Flow“ so besonders macht, ist nicht leicht zu beschreiben. Man kennt die Bilder der Zelt- und Containerstädte, der überquellenden Boote, der vor Kälte zitternden Ankömmlinge in ihren glitzernden Wärmefolien. Die Aufnahmen, die Ai Weiwei und sein 200-köpfiges Team in Griechenland, Frankreich, Deutschland, Bangladesch, der Türkei und weiteren 18 Ländern machten, besitzen diesbezüglich keinen Nachrichtenwert.

Anders ist der Akzent, den der chinesische Künstler bei der Auswahl und Montage setzt: Über 140 Minuten Laufzeit wird deutlich, dass es ihm darum geht, das Phänomen der globalen Flüchtlingskrise in ihrer Totalität zu erfassen – ohne hinter all den Zahlen und Statistiken vergessen zu machen, dass es um menschliche Schicksale geht. Der Film wechselt zwischen beeindruckenden Drohnenaufnahmen, die aus Luftperspektive die Größe und Monumentalität des Geschehens unterstreichen, und Interviewpassagen sowie Beobachtungen vor Ort. Manchmal ist Ai Weiwei selbst im Bild, mit seinem Handy filmend, ein Gespräch beginnend.

Den erschlagenden Fakten setzt er Details entgegen: die Tasse Tee für ankommende Bootsflüchtlinge auf Lesbos; die Langeweile eines jungen Mädchens im Tempelhofer Hangar. „Human Flow“ ist kein Film, der Lösungen anbietet oder für ein Ziel agitiert – es sei denn dafür, auf der Humanität der Einzelnen zu bestehen und Empathie zu bewahren. So verändert sich mit Ais Doku auch die Perspektive auf andere Filme des Festivals. Plötzlich fällt etwa auf, dass auch dem anderen enthusiastisch aufgenommenen Film des Tages, Guillermo Del Toros „The Shape of Water“, das Thema Empathie eingeschrieben ist. epd

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02.09.2017, 06:00 Uhr

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