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Ärger in Londons Unterwelt
50 Meter Fettpampe in einem Abwasserschacht in London. Foto: dpa
Abwasser

Ärger in Londons Unterwelt

Riesige Fettberge verstopfen Teile des Kanalsystems. Schuld daran sind auch die Ernährungsgewohnheiten der Briten.

27.10.2017
  • DPA

London. Während sich am frühen Vormittag ein süßlicher Geruch aus den Küchen der vielen Restaurants in Londons Chinatown ausbreitet, steckt Vincent Minney (57) bis zur Hüfte in breiiger, bestialisch stinkender Fäkalmasse. In vier Metern Tiefe zwängt er sich durch einen Abwasserschacht und inspiziert den über 150 Jahre alten Tunnel, der sich unter dem belebten, kulinarisch vielfältigen Viertel erstreckt.

Minney, der seit 27 Jahren für den privaten Wasserversorger Thames Water die Kanalisation Londons prüft, ist am Ziel: Hier, in einer Nebenstraße des unter Touristen so beliebten Leicester Square, blockiert ein „Fatberg“ die Abwasserrohre. „Dieser hier ist zum Glück nur 50 Meter lang.“

Fettberge wie der in Chinatown sind zu einem großen Problem in der britischen Hauptstadt geworden. Es sind große Klumpen aus gehärtetem Kochfett, Damenbinden, Feuchttüchern und ähnlichen Gegenständen, die nicht wie Toilettenpapier zerfallen können. Sie vermengen sich in den Rohren unter der Stadt zu betonharten Gebilden. „Verstopfte Rohre kosten die Stadt monatlich rund eine Million Pfund“, sagt Alex Saunders (27), der dafür zuständige Manager von Thames Waters.

Vincents Team hat Anfang September den Fund eines wahrhaften Monstrums im Stadtteil Whitechapel publik gemacht. Mit rund 250 Metern Länge und einem Gewicht von 130 Tonnen stellte dieser „Fatberg“ alles bisher zutage geförderte in den Schatten.

Twitter-Nutzer tauften den Koloss in einer Online-Umfrage „Fatty McFatberg“. Und das British Museum verkündete kurzerhand, es wolle einen Teil des Berges kaufen und ausstellen.

Das Abwassernetz ist mehr als 150 Jahre alt. Der Tiefbauingenieur Sir Joseph Bazalgette hatte es installieren lassen, weil sich immer mehr Haushalte Toiletten mit Wasserspülung zulegten – und das in die Themse leiteten. Was folgte war der „Große Gestank 1858“, eine Geruchswelle, die Berichten nach sogar die Arbeit im Parlament zeitweilig lahmlegte.

Nicht das Alter der Kanäle sei an den Fettbergen schuld, sagt Saunders. Das Problem sei eher das stetige Bevölkerungswachstum und die immer „fettigeren Essensgewohnheiten“ der Großstädter. dpa

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27.10.2017, 06:00 Uhr
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