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Islamisten werden mächtiger

Ägypter stimmen Verfassung zu - Starkes Nord-Süd-Gefälle

Das Referendum in Ägypten ist entschieden: Nach ersten Zahlen stimmte die Mehrheit der Bevölkerung für den Verfassungsentwurf, der Islamisten mehr Einfluss gibt. Die Opposition zweifelt das Ergebnis an.

24.12.2012
  • von MEY DUDIN, DPA

Kairo Zwei Jahre nach dem Sturz von Husni Mubarak wird Ägypten auf eine religiösere Basis gestellt. Nach ersten, von der Muslimbruderschaft und Staatsmedien verkündeten Ergebnissen hat eine klare Mehrheit von 64 Prozent der Wähler die von den Islamisten geschriebene Verfassung gebilligt. Damit werden künftig die Islamgelehrten an Macht gewinnen und in vielen Lebensbereichen mitbestimmen.

Das wichtigste Oppositionsbündnis, die Nationale Rettungsfront, will das Ergebnis der Volksabstimmung indes anfechten. Sie sprach von Regelverstößen und Betrügereien. Gleichzeitig kündigte das Bündnis an, bei der Parlamentswahl, die nun binnen zwei Monaten stattfinden soll, zu kandidieren.

Bauern und Beduinen in Ägypten stimmten mit "Ja zum Islam". Intellektuelle, Arbeiter und Anhänger des gestürzten Langzeitmachthabers Husni Mubarak votierten eher mit Nein. So in etwa könnte man die ersten Ergebnisse deuten. Der Verfassungsprozess hat in dem Land einen erbitterten Machtkampf ausgelöst zwischen Muslimbruderschaft und Salafisten auf der einen Seite und Liberalen, Linken, Christen und ehemaligen Regierungsbeamten auf der anderen.

Auch wenn es offizielle Zahlen erst am Montag geben sollte, zeigt sich ein klares Nord-Süd-Gefälle. Je weiter man sich von den Protestzentren Kairo und Alexandria in Richtung Süden entfernt, umso deutlicher ist das Votum: In Oberägypten, wo die ärmsten Menschen leben, befanden vier von fünf Wähler die neue Verfassung für gut. Nahe der Hauptstadt hingegen ist die Bevölkerung gespalten. Der Einfluss der Opposition, die den Verlust von Freiheitsrechten befürchtet, wird stärker. Das gilt auch für das fruchtbare und bevölkerungsreiche Nildelta, das nördlich von Kairo beginnt. Bei der Abstimmung wollten dort nicht alle der Linie des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi folgen. So stimmte nach der Provinz Gharbija nun in der zweiten Runde auch die Deltaregion Menufija mit rund 51 Prozent gegen den Entwurf. Mit Kairo zusammen sind es also drei Provinzen, die ausscheren.

Menufija hatte in Ägypten schon immer einen Sonderstatus. Gleich zwei Staatsoberhäupter wurden dort geboren: Anwar al-Sadat (1918-1981) und Mubarak. Trotzdem oder gerade deswegen sind die Bewohner der Provinz eher unbeliebt. Sie gelten als die Nutznießer des alten Systems, das im Arabischen Frühling sein Ende fand.

Einen anderen Ruf hat Gharbija, wo die traditionell revolutionär geprägte Arbeiterstadt Mahalla al-Kubra liegt. Die Bewohner haben sich schon unter Mubarak aufgelehnt und machten in den vergangenen Wochen auch gegen die Muslimbruderschaft mobil.

Doch die Mehrheit der 27 Provinzen geht mit den Islamisten konform, wünscht sich mehr Scharia und weniger Unruhen. Und so verkündete die staatliche Zeitung "Al-Akhbar" nach der Abstimmung das, was in dem Land viele hoffen: eine Wiederkehr der Stabilität.

Ägypter stimmen Verfassung zu - Starkes Nord-Süd-Gefälle
Ging bei der Auszählung des Referendums alles mit rechten Dingen zu? Die Opposition zweifelt. Foto: dpa

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24.12.2012, 12:00 Uhr

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