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Abseits des sozialistischen Tugendpfads
Trak Wendischs „Seiltänzer“ wirbt am Museum Barberini für „Hinter der Maske“. Foto: Bernd Settnik/dpa
Ausstellung

Abseits des sozialistischen Tugendpfads

„Hinter der Maske“ im Potsdamer Barberini-Museum gibt widersprüchliche Einblicke in DDR-Kunst.

06.11.2017
  • CHRISTOPH MÜLLER

Potsdam. Nach französischem Impressionismus und Amerikas Weg in die Moderne spürt das vom Start weg sensationell vom Publikum angenommene (Privat-)Museum Barberini in Potsdam mit seiner dritten Großausstellung der eigenen Umgebung nach: „Hinter der Maske – Künstler in der DDR“ soll ein umfassender und, vor allem, objektiver Rückblick darauf sein, was in der DDR von 1945 bis 1989 an Gemälden, Grafiken, Fotos, Collagen, Körperaktionen und Skulpturen entstanden ist. Genauer gesagt: erwünscht oder zumindest gerade noch erlaubt war.

Seiltänzer, oft absturzgefährdet über dem Abgrund balancierend – oder resigniert in den 80er Jahren ausgereist wie A.R. Penck, Cornelia Schleime, Peter Herrmann und Volker Stelzmann. Aber unter den zwischen Anpassung und unterschwelligem Widerstand abseits der vorgeschriebenen Partei-Linie eine künstlerische Individualität Riskierenden gab es mehr Künstler, die ihren Eigensinn nischenbildend zu behaupten wussten und damit belegen können, dass sie in der Qualität durchaus zumindest den figurativ-realistischen westlichen Kollegen vergleichbar sind.

100 Werke von 80 Künstlern. Das bildet eine verwirrende Vielfalt der Stile und Richtungen. Berlin, Leipzig, das in der Ausstellung deutlich unterrepräsentierte Dresden, aber auch Halle, Frankfurt/Oder und Chemnitz – überall in der DDR malte man markenzeichenhaft unterscheidbar anders. Diese regionalen Besonderheiten machen es spannend. Doch die Ausstellung „Kunst in der DDR“ vor 14 Jahren in der Berliner Neuen Nationalgalerie hat diese Vielfalt authentischer und gültiger bezeugt. Wen die jetzige Potsdamer Querbeet-Leistungsschau für wert befunden hat und wen nicht, lässt auf den Einfluss von Kuratoren und Galeristen schließen, denen es mit viel halsbrecherischem Mut zur Lücke nicht ums große Ganze ging.

So fehlen etwa Manfred Böttcher, Manfred Butzmann, Carlfriedrich Claus (neben Altenbourg der bedeutendste und intellektuellste Zeichner), Albert Ebert, Achim Freyer, Dieter Goltzsche, Waldemar Grzimek, Josef Hegenbarth (ein Klassiker des Grotesk-Komischen!), Horst Hussel, Edmund Kesting , Konrad Knebel , Wilhelm Lachnit, Otto Niemeyer-Holstein , Ronald Paris, Curt Querner (der neusachliche Arbeitermaler par excellence), Wilhelm Rudolph, Horst Sagert, Ernst Schroeder und Hans Vent – alles Maler, die künstlerisch zurecht ihr Heimatland DDR überlebt haben .

Am besten vertreten ist Harald Metzkes mit vier Bildern , je dreifach gibt es den populären doppelgesichtigen Wolfgang Mattheuer und den feinmalerischen Altmeister-Manieristen Werner Tübke. Zum Symbolbild schlechthin ist ein ängstlicher roter Seiltänzer von Trak Wendisch und Hans-Hendrik Grimmlings Triptychon von der allegorischen Umerziehung der Vögel geworden.

Keine Freude jedoch hat man an 16 Großformaten, die als Überbleibsel aus der im Staatsauftrag 1975 entstandenen Galerie im Palast der Republik bestenfalls dem abschreckenden Dokumentationszweck dienen. Ihre höhnische Themenvorgabe hieß: „Dürfen Kommunisten träumen?“

Christoph Müller

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06.11.2017, 06:00 Uhr
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