Abgang mit Stil

Abgang mit Stil

Von Klaus-Peter Eichele

Krimikomödie mit den Altstars Morgan Freeman, Michael Caine und Alan Arkin als Rentner, die einen Banküberfall planen.

Abgang mit Stil

Senioren wie der „Hundert(ein)jährige“ sind die großen Kino-Sympathen unserer Zeit, während der Banker spätestens in der Finanzkrise jeden Kredit verspielt hat. Wenn ein Trupp Senioren Bankern Saures gibt, müsste demnach der ultimative Konsensfilm herausspringen. So mag sich das Zach Braff gedacht haben, dem nach seinem Regie-Debüt „Garden State“ vor 13 Jahren viele eine große Karriere vorhergesagt haben, dem seitdem aber nichts Erwähnenswertes mehr gelungen ist.

Damit auch wirklich nichts schief geht, hat Braff drei Altstars verpflichtet, deren Popularität der Zahl ihrer Lebensjahre – zusammen 251 – in nichts nachsteht. Michael Caine, Morgan Freeman und Alan Arkin spielen eng befreundete Rentner, die ihr Leben lang hart in einem Stahlwerk malocht haben und sich jetzt einen Ruhestand in bescheidenen Verhältnissen gönnen. Damit scheint es vorbei, als ihre alte Firma dicht macht und der Rentenfonds gleich mit in die Tonne getreten wird.

Um dem Absturz in die Armut zu entgehen, sehen die drei schließlich nur einen Ausweg: Sie wollen ihre Hausbank, die bei dem Deal ihre Finger im Spiel hatte, um genau jene Summe erleichtern, die sie für einen halbwegs geruhsamen Lebensabend brauchen; eventuelle Überschüsse sollen in Robin-Hood-Manier an andere Bedürftige verteilt werden. Zu verlieren hat das Trio nichts: Im schlimmsten Fall droht das Gefängnis, wo es drei Mahlzeiten am Tag und kostenlose medizinische Versorgung gibt.

Man muss zugeben: So ungeniert hat noch selten ein Film den Bankraub als Problemlöser propagiert, und natürlich wünscht man als Zuschauer dem Raubzug der Senioren das allerbeste Gelingen. Über diese Grundbefriedigung hinaus hat „Abgang mit Stil“ jedoch wenig zu bieten.

Als Gegengewicht zu ihrer kriminellen Energie müssen sich die Rentner in allen anderen Lebensbereichen nämlich dermaßen tugendhaft verhalten, dass von glaubhaften Charakteren nicht mehr viel übrig bleibt. Entsprechend frühzeitig schalten die massiv unterforderten Hauptdarsteller auf Autopilot. Und die Komik, mit der Regisseur Braff das Vakuum zu füllen trachtet (etwa einem in die Binsen gehenden Probe-Überfall auf einen Supermarkt), zündet nur in wenigen Fällen.

Gut gelungen ist allerdings der Schluss, der auf sehr charmante Art zeigt, wie sich das einmal entzündete Feuer der Unbotmäßigkeit fortpflanzt.

Drei gutherzige Rentner wollen eine Bank ausrauben. Chapeau. Aber für einen guten Film braucht’s etwas mehr.


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03.07.2017 - 08:23 Uhr