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Kommentar

80 Jahre hat es gebraucht

Ein bisschen viel Generalstreik in den letzten Tagen, mag sich mancher denken. In der Tat. Es gab zum 80. Jahrestag, um den 31. Januar herum, eine ungewöhnliche Fülle von Veranstaltungen – so, als wollte man nachholen, was früher eher versäumt worden war: Festakt in der Langgass-Turnhalle, an jenem Ort, von wo aus 1933 eine beachtliche Zahl von Dörflern, kommunistische Handwerksmeister an der Spitze, gegen die neue Hitler-Regierung zu Felde gezogen war. Dies wird auch von den Kritikern, die es stört, dass es Kommunisten waren, immerhin als „respektabel“ bezeichnet.

04.02.2013
  • Ernst Bauer

Zwei fundierte, differenzierte Vorträge von Wissenschaftlern, die diesen Widerstand der „kleinen Leute“ in Mössingen als singulär in der deutschen Geschichte würdigten – und einmal mehr an die erstaunlichen Gerichtsurteile aus den 1950er-Jahren erinnerten: Es war eine Notstandssituation und daher eine legitime Aktion, ja, „ein Verdienst um das Wohl des deutschen Volkes“. Eine bemerkenswerte Rede hielt Mössingens Oberbürgermeister Michael Bulander, der einen „Ort der Erinnerung“ möchte, auch als „Ort der Diskussion“, die weiterhin notwendig sei.

Und nun am Samstag die große Demonstration auf den Spuren des Generalstreikzugs von 1933 – in umgekehrter Richtung; sie fiel kleiner aus als die Manifestation zum 50. Jahrestag, aber es entsprach eher dem historischen Vorbild vor 80 Jahren. Eine große Zahl von „Streikteilnehmern“ kam allerdings nicht aus den umliegenden Dörfern, sondern aus Tübingen und Reutlingen, sehr viele Gewerkschafter darunter.

Was haben die ganzen Veranstaltungen bisher gebracht? Das Problem beim Mössinger Generalstreik ist nicht die Heroisierung, die angeblich betrieben wird, sondern vielmehr seine jahrzehntelange Tabuisierung. Darüber spricht man nicht. Das war nach dem Krieg unausgesprochener Konsens im Dorf. Man wollte die alten Gräben, die oft mitten durch Familien gingen, nicht wieder aufreißen.

Deshalb flammt selbst nach 80 Jahren noch ein Streit um die Bewertung des Generalstreiks auf. Die unbewältigte, nie ausdiskutierte Vergangenheit. Das Mössinger „Historikerstreitle“, das einige begannen, hat viele klare, aufklärerische Worte hervorgerufen. „Endlich wird der Widerstand hier gewürdigt!“, freute sich die Tochter eines Generalstreikteilnehmers am Samstag.

Aus der Distanz und Unbefangenheit auch eines jungen Oberbürgermeisters heraus scheint jetzt, nach 80 Jahren, eine historisch angemessene, adäquate Würdigung des Widerstands der kleinen Leute von Mössingen 1933 möglich zu sein.

80 Jahre hat es gebraucht
Das an den Fabrikanten Otto Merz erinnernde Straßenschild wurde am Samstag kurzerhand mit dem Namen eines der Mössinger Generalstreikenden überklebt. Bild: Franke

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04.02.2013, 12:00 Uhr
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