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In der Halle abheben

650 Besucher bei Indoor-Flugshow des Modellflugclubs

Was macht der Pilot, wenn der Schneesturm die Sicht nimmt und der Flieger schier vereist? Er dreht seine Runden in der Halle. Zumindest, wenn er Modellflieger ist. Wie in Kirchentellinsfurt. Rund 650 Zuschauer guckten dabei zu.

25.02.2013
  • von WOLFGANG ALBERS

Kirchentellinsfurt. Limbo ist gemein. Da liegt eine Stange wie beim Hochsprung auf, bloß wird sie immer weiter abgesenkt. Limbotänzer winden sich normalerweise darunter, nur die Füße haben dann Bodenkontakt. Am Wochenende flogen in der Sporthalle Modellflugzeuge den Raum unter der Stange an – zum Schluss war der Durchschlupf gerade 40 Zentimeter hoch.

Sieht einfach aus. Anfliegen in hohem Bogen, absenken, durch und dahinter gleich wieder hoch und in die Kurve. Es wirkt auch ganz lässig, wie Markus Auer am Hallenrand steht, eine Fernbedienung in der Hand. Aber die Finger zucken hin und her, bedienen am Flugzeug Hoch-, Quer- und Seitenruder, geben noch Gas. Ein falsches Zucken – und die Maschine klatscht auf den Boden oder an die Wand.

Hallenfliegen ist in beim Modellflugclub Kirchentellinsfurt. Sagt Jürgen Auer, Vater von Markus und Zweiter Vorsitzender: „Die Modellflugszene ist draußen eher geprägt von den Älteren, aber in der Halle von jungen Leuten.“ Die lassen Musik laufen, ihre Maschinen Loopings oder andere Flugfiguren machen und basteln an ihren Modellen rum. Das tut dem Club gut – Bernd Armbruster, der Erste Vorsitzende, freut sich, dass unter den 80 Mitgliedern 13 Jugendliche sind.

Und weil Hallenfliegen auch etwas Spektakuläres hat, hat der Club zur diesjährigen Modellausstellung wieder eine Indoor-Flugshow beigesellt: Zwei Tage lang Vorführungen rund um die Uhr. Ein Lockmittel, das zog: Gut tausend Besucher kamen über das Wochenende.

Markus Auer hatte das Modell einer Yak 54 dabei. Ein Propellerflugzeug und eine russische Kunstflugmaschine. Aus Depron hat er sie konstruiert, einem Leichtstyropor, und mit Kohlefaserstäben verspannt. „Das sieht alles so aus wie mal geschwind zusammengepappt“, sagt sein Vater, „aber da ist viel High-Tec-Material verbaut“. Und winzige Motoren, elektrisch, was das Indoor-Fliegen erst möglich macht. Verbrennungsmotoren knattern da keine durch die Luft.

Überhaupt hat das Elektrisch-Elektronische Einzug gehalten. Der Steuerung in Markus Auers Händen sieht man an, dass man dafür 200 Euro aufwärts hinlegen muss. Sogar ein Computer-Display hat sie, mit dem Auer die Flugzeuge programmieren kann. Die Domäne der Jungen. „Die Kids lernen das deutlich schneller als wir“, gibt Bernd Armbruster zu. Und lassen sich mit der Technik locken. Roman Litvinov etwa hat sich eine Art Hubschrauber mit sechs Rotoren gebaut. Daran hat er noch eine Kamera samt Übertragung montiert. Wenn er sich noch eine Videobrille aufsetzt, hat er das Gefühl, selbst zu fliegen.

Fliegen ist die Domäne der Jungen, die Älteren sind eher die Modellbauer. Im Hallenteil nebenan waren selbstgefertigte Maschinen aufgereiht, in denen Hunderte von Arbeitsstunden stecken. Das Basteln nimmt ab, sagt Ralf Schweigert, selber noch einer, der Niete für Niete mit Spezialkleber auftupft: „Der Trend geht zu Fertigbaukästen, heute hat jeder nur noch wenig Zeit.“

650 Besucher bei Indoor-Flugshow des Modellflugclubs
Sie leicht aus: Markus Auer mit einem Hauch von Flugzeug in der Kirchentellinsfurter Halle.

Modellflugzeuge können sehr schnell werden. 250 km/h fliegt ein Funjet Ultra aus hochverdichtetem Styropor. Wie misst man das? Früher haben die Modellflieger eine Radarpistole draufgehalten, heute setzt man ein GPS in die Maschine und verbindet es mit einer Computer-Fernsteuerung. Eines der größten Flugzeuge auf der Ausstellung hatte eine Spannweite von 3,20 Meter. Toni Rottweiler aus Deislingen hat es gebaut. Als Bausatz wiegt es 14 Kilo, seine Eigen-Leichtbauweise hat das Gewicht auf 1,6 Kilo gedrückt. Es ist eine Indoor-Maschine: Da sie nur 15 km/h fliegt, würde schon der leichteste Wind das Kommando über sie übernehmen.

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25.02.2013, 12:00 Uhr
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