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Frische faire Fichten

600 Ökobäume im Ofterdinger Wald gefällt

„Immer der Masse hinterher“, rief ein junger Feuerwehrmann. Unzählige Besucher drängten am Samstagmorgen in den Ofterdinger Wald als wäre Familienwandertag. Doch sie verließen die Wege, stiegen über Wurzeln, zwängten sich durch Gestrüpp, um den schönsten Weihnachtsbaum zu finden und zu fällen.

24.12.2012
  • susanne wiedmann

Ofterdingen. Abgesägt ist abgesägt. Es gibt kein Zurück. Deshalb muss der Traumbaum sorgfältig ausgesucht werden. „Das ist wie beim Heiraten“, sagte Förster Reinhold Gerster. Wer den schönsten haben wolle, müsse sich ein bisschen bemühen.

Jedenfalls war die Auswahl riesig, weil die Sturmflächen im Ofterdinger Wald so groß sind wie 50 Fußballfelder. Und die Fichten entwickeln sich so reichlich und prächtig, dass es den Wald nicht stört, wenn einige verschwinden. Im Gegenteil: Das helfe dem Wald, stabil zu wachsen. So durften auch Weißtannen und Kiefern gefällt werden. „Es ist toll, wie sie wachsen, ohne dass wir einen Baum gepflanzt haben“, sagte Gerster erfreut. Die Natur wisse sich immer zu helfen.

Während die meisten Familien noch suchten, trugen schnell Entschlossene bereits ihre Christbäume davon. „Das ist doch eine feine Sache“, fand Wolfgang Rosenfelder aus Dettingen. Erstmals hat er einen Weihnachtsbaum selbst geschlagen. Und das nicht ohne Stolz.

Von überall rief es aus dem Wald hinaus. „Mama, ich seh’ einen Baum!“, freute sich ein kleines Mädchen. „Immer gut auf den Boden gucken“, forderte ein Vater seine Kinder auf. Eine ältere Frau weigerte sich, den Auserwählten anzunehmen. „Nö, der sieht so ärmlich aus!“ Eine junge Mutter fragte: „Was sagt ihr dazu?“

Ofterdinger Jugendliche bereiteten warme Getränke zu, ließen Rote Würste brutzeln, reichten kostenlos Teig, damit die Waldbesucher sich Stockbrot am Lagerfeuer braten konnten. Bereits zum vierten Mal luden das Forstrevier Steinlach-Wiesaz, das Jugendhaus und die Jugendfeuerwehr Ofterdingen zum Christbaum schlagen ein. Und jedes Jahr durchkämmen mehr Besucher den Ofterdinger Wald. Deshalb wurden die Autos im Einbahnverkehr von den Feuerwehrleuten durch den Wald geleitet. Bäume wachsen jedoch nach wie vor genug. „Wir könnten noch ein paar Wochen verkaufen“, sagte der Förster gelassen. Jugendhaus und Jugendfeuerwehr kommt der Erlös zu. Rund 600 Bäume wurden verkauft, fünf Euro kostete eine Fichte, zwanzig eine Weißtanne. Etwa 3000 Euro wurden eingenommen.

Bis zu vier Meter hoch waren die Bäume, die auf manchen Schultern lasteten. „Die meisten merken erst Zuhause, dass das Wohnzimmer nur 2.50 Meter hoch ist“, witzelte ein Mann. Fiona und Freia zogen einen großen Christbaum fürs Wohnzimmer hinter sich her. Aber gleich würden sich die Sechsjährigen zwei Mini-Fichten für ihre Zimmer aussuchen. Denn jedes Kind bekam einen kleinen Baum von der Gemeinde geschenkt.

„Frischer kriegen sie keinen Baum“, sagte der Förster. Noch dazu seien die Ofterdinger Waldbäume „garantiert öko und fair gehandelt“. Und zu Unrecht hätten die Fichten einen schlechten Ruf. Im warmen Wohnzimmer würden sie zwar ihre Nadeln schneller verlieren als eine Nordmanntanne. „Das ist wie bei mir. Ich verliere auch Haare“, sagte Gerster und hob seinen Hut. „Aber ich stehe morgen früh auch nicht mit einer Vollglatze auf.“

600 Ökobäume im Ofterdinger Wald gefällt

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24.12.2012, 12:00 Uhr
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