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Nur der Briegel war schneller

50 Jahre Bundesliga (6): Heinz Stickel kickte beim VfB, in der Pfalz – und mit Michel Platini

Als Tübinger „Wunderstürmer“ bezeichnete ihn der frühere TAGBLATT-Sportchef Hartmut Bihlmayer. Der Unterjesinger Heinz Stickel schaffte es als Torjäger des SV 03 Tübingen über die Stationen Göppingen und Ludwigsburg in die Bundesliga, wo er von 1973 bis 1978 für den VfB Stuttgart und 1.FC Kaiserslautern spielte. Der 63-Jährige erzählt im TAGBLATT von Hausbesuchen bei Fritz Walter, „Kur Mark“-Einkäufen für Walter Frosch und Weltstar Michel Platini.

22.12.2012

Wie ich zum VfB Stuttgart gekommen bin, kann ich gar nicht beantworten. Ludwigsburg liegt nahe Stuttgart, die haben da wohl mal zugeschaut. Der damalige Präsident Mayer-Vorfelder kam auf mich zu. In Ludwigsburg hatte ich etliche Tore geschossen, aufgrund dessen – nehme ich an – haben die mich verpflichten wollen. Viele Vereine sind auf mich zugekommen wie Karlsruhe. Und zum Schluss auch Stuttgart. Und Stuttgart war halt der einzige Bundesligaverein, dann habe ich gedacht: Na gut, nimmst mal das! Ich wusste ja nicht, wie es gehen würde – aber es ging ja dann ganz gut…

Das erste Spiel war gegen Schalke. So genau weiß ich es nicht mehr, aber der Ohlicher und ich, wir waren die zwei Neulinge, die beide zum ersten Mal gespielt haben. Und er hat, glaube ich, zwei Tore geschossen, und ich habe eine Vorlage gegeben (Anm.d.Red.: Es waren sogar alle drei Tore, die Hermann Ohlicher zum 3:0-Sieg geschossen hat). In der Vorbereitung habe ich schon relativ viel gespielt, so dass es sich abzeichnete, dass ich von Anfang an spielen würde. Mit dem Ohlicher hatte ich damals einen ziemlich guten Kontakt. Wir waren die Neulinge, und mit ihm ware ich befreundet. Wir sind auch mal zusammen weggegangen und so. Gewohnt habe ich mit meiner Frau in Cannstatt in einem Haus, das dem VfB gehörte.

Stuttgart war damals wie heute eine Mannschaft: einmal oben, einmal unten – Stuttgart schwankt immer. Wir hatten den Buffy Ettmayer, der hatte einen Mordsschuss, seine Technik war berauschend – läuferisch würde er heute nicht mehr spielen. Da war er, na ja, sehr schwach. Aber technisch war er unwahrscheinlich stark.

Ich selbst war schon schnell. Die hundert Meter bin ich in 10,9 gelaufen. Später bin ich ja dann auch in die Leichtathletik. An das Training konnte ich mich schnell daran gewöhnen. Ich wollte ja unbedingt dort spielen, mein Ziel war dann auch, da mitzuhalten. Konditionell hatte ich keine Probleme. Mein erstes Tor? Oh je… das muss so im zweiten oder dritten Spiel gewesen sein, das ist so lange her (Anm.d.Red.: Am dritten Spieltag, zwei Tore beim 5:1 gegen Hannover 96). Es gibt auch kein Spiel, an das ich mich besonders erinnere.

Die drei Jahre in Kaiserslautern danach sind mir präsenter, denn die liegen zeitlich näher. Aber warum ich nach Kaiserslautern bin, das weiß ich nimmer – keine Ahnung, kann ich nicht mehr beantworten, ist so lange her. 1975 bin ich da hin, war dann auch Stammspieler. Der schwedische Nationaltorhüter Ronnie Hellström, dann der Schwede Sandberg – das waren die Starspieler. Das waren nette Kerle, sehr sympathische Menschen. Dann war da noch Walter Frosch, der aber nach einem Jahr zu St. Pauli ging. Mit ihm ging auch desöfteren weg. Er hat schon damals viel geraucht: „Kur Mark“ haben wir immer für ihn einkaufen müssen. Aber das war kein Problem, der Trainer, Erich Ribbeck, war ja nicht immer dabei. Er hat aber auch nichts gesagt, wenn da mal einer geraucht hat.

Auf dem Betzenberg zu spielen, das war schon Kult. Kaiserslautern hat 100 000 Einwohner, damals kamen 20 000 bis 25 000 Zuschauer ins Stadion. Die Leute haben mehr zum Verein gehalten als in Stuttgart. Das kommt noch von früheren Tagen, von Fritz Walters Zeiten. Fritz Walter war auch oft da bei den Spielen – ich war auch bei ihm daheim. Er hat ja außerhalb von Kaiserslautern, in Alsenborn, gewohnt, da war die Mannschaft ein paar Mal zu Besuch. Fritz Walter war eigentlich ein völlig normaler Mensch: Er kam mit dem Zug zum Spiel, hat jedem „Grüß Gott“ gesagt auf der Straße. Er war unwahrscheinlich ehrlich. Die fünf 54er-Weltmeister, der Eckel, der Liebrich und wie die alle heißen, die haben Kaiserslautern geprägt.

Anders als in Stuttgart war ich in Kaiserslautern mehr hängender Stürmer. Aber mit der Rolle habe ich mich nie groß beschäftigt. Ich habe dort auf verschiedenen Positionen gespielt, das weiß ich noch: Rechtsaußen, Mittelfeld. Mit Hans-Peter Briegel, der später Nationalspieler wurde, habe ich auch noch zusammen gespielt. Er kam aus der Leichtathletik. Briegel war auch der einzige Spieler, der schneller war als ich. Er ist 10,7 oder so was gelaufen. Aber sonst war keiner schneller! Im Training bist du oft gelaufen. Das Training in Kaiserslautern war härter als in Stuttgart. Im DFB-Pokal standen wir damals im Finale, in Frankfurt vor 50 000. Wir haben verloren, 0:2 glaube ich. Das war schon interessant, aber die Spiele waren eigentlich alle gleich. Ob Bundesliga oder andere Spiele – das hat keinen Unterschied gemacht. Ich habe auch kein Problem, dass ich nie einen Titel holte.

Nach den drei Jahren in Kaiserslautern war ich in Frankreich und habe mit dem Platini zusammen gespielt. In Nancy. Aber Kontakt habe ich keinen mehr zu ihm… Das war eigentlich der beste Spieler, mit dem ich gespielt habe unter den vielen. Weil der konnte wirklich alles! Er war Nationalspieler, war schon Spielführer von der Nationalmannschaft, ging dann später nach Italien. Der konnte mit dem Ball umgehen wie kein Anderer.

Das Protokoll führte Tobias Zug

50 Jahre Bundesliga (6): Heinz Stickel kickte beim VfB, in der Pfalz – und mit Michel Platini
Erzielte in 132 Bundesligaspielen 24 Tore für Stuttgart und Kaiserslautern: Heinz Stickel, heute in Göppingen lebender Rentner. Bild: Steffen Wolf

50 Jahre Bundesliga (6): Heinz Stickel kickte beim VfB, in der Pfalz – und mit Michel Platini
Tor für den VfB Stuttgart: Heinz Stickel feiert sein Kopfballtor zum 1:0 gegen Bayern München. Am 20. April 1974 war das, das Spiel endete 1:1. Archiv: Werek

50 Jahre alt ist die oft als des Deutschen liebstes Kind bezeichnete Fußball-Bundesliga dieses Jahr. In dieser Serie stellt das TAGBLATT in unregelmäßiger Reihenfolge Menschen aus der Region vor, die in Deutschlands höchster Liga mal gespielt haben – oder noch kicken. Egal, ob sie ein paar Sekunden nur eingewechselt wurden oder Stammspieler waren. Sie erzählen, wie sie die Bundesliga erlebt haben, das Umfeld, die Stadien, das Profileben.

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22.12.2012, 12:00 Uhr

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