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Tierrechte vor Wissenschaft

200 Tierschützer demonstrierten gegen Affenversuche

Am besten sollten alle Tierversuche abgeschafft werden, forderten zahlreiche Tierschützer bei einer Demo am Samstag. Als erster Schritt wenigstens die Experimente mit Affen.

06.05.2013
  • Mario Beisswenger

Tübingen. „Tierversuch ist Folter, Tierversuch ist Mord, Tierversuche verbieten, jetzt sofort.“ An die 200 Tierversuchsgegner liefen am Samstagmittag etwa anderthalb Stunden durch die Altstadt und skandierten mit Slogans wie diesem lautstark ihren Protest. Sie wandten sich insbesondere gegen die Versuche mit Rhesusaffen (siehe Infobox).

Für die Kundgebung am Samstag schlossen sich drei Gruppierungen zusammen zum Bündnis „Stoppt Affenversuche in Tübingen“. Dazu gehört der Verein Tübingen für Tiere, die Tierrechtsinitiative Region Stuttgart und die Antispeziesistische Aktion Tübingen. Dazu kamen zwischen 11 und 16 Uhr noch Reden auf dem Marktplatz und Infostände von Tierschutz-Organisationen wie Peta oder der Partei Mensch, Umwelt, Naturschutz.

Die Redner vor dem Tübinger Rathaus griffen die Forschung in Tübingen frontal an, die ein Grund für die Zuerkennung des Exzellenzstatus der Universität ist. „Abstruser Forschungszweck“, „irrelevant für den Menschen“, „wissenschaftlich vollkommen unsinnig“ nannte Silke Bitz die hiesigen Ansätze.

Die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Vereins „Ärzte gegen Tierversuche“ sah in den etwa 80 in Tübingen zu Versuchszwecken gehaltenen Rhesusaffen „ein Symbol für eine kranke Wissenschaft“. Eine Übertragung der Erkenntnisse auf Menschen sei nicht möglich. „Damit wird man keinen kranken Menschen heilen können.“ Die Versuche dienten nur der Aufrechterhaltung einmal eingeschlagener Forschungspfade.

Auch Roman Kolar, der stellvertretende Leiter der Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes, kritisierte vehement die Versuche. Das Leid der Tiere beginne schon bei den immer wieder notwendigen Tierfängen in der Wildnis. Es setze sich mit der Haltung der Tiere in den Labors fort und gipfle in den Versuchen. Grundlage der Kooperation der Tiere sei, dass sie niemals genug trinken können. Das als Training zu bezeichnen, sei verharmlosend. „Niemand würde seinem Hund nichts zum Trinken geben“, wenn er ihm etwas beibringen wolle. Das Problem dieser Art von Versuchen sei: „Mit positiver Konditionierung hat das noch nie geklappt.“

Landesregierung soll den Tieren Leid ersparen

Kolar argumentierte nicht nur mit dem Tierwohl gegen die Versuche, er führte auch die Würde des Menschen an. Die gründet sich seiner Ansicht nach auch darin, auf mögliche segensreiche Erkenntnisse aus Tierversuchen zu verzichten. Die rot-grüne Landesregierung forderte er auf, zumindest ein Versuchsverbot an Affen durchzusetzen. Tierversuchsgegner repräsentierten die deutliche Mehrheit der Bevölkerung, nahm er für sich in Anspruch. Den Tieren Leid und Schmerzen zu ersparen, „das ist die Landesregierung den Wählern schuldig und auch den Tieren“.

Die Proteste gegen Affenversuche verstand Bitz als Teil des Protestes gegen jede Art von Tierversuchen. „Kein einziger Tierversuch ist zu rechtfertigen, kein einziger ist notwendig.“ Andrea Wehre von der Antispeziesistischen Aktion weitete den Blick dann nochmals. Der Kampf gegen Tierversuche reihe sich ein in alle Emanzipationsbewegungen: „Die Befreiung hört nicht beim Menschen auf.“

200 Tierschützer demonstrierten gegen Affenversuche
Für ein sofortiges Verbot traten Tierversuchsgegner/innen verschiedener Organisationen bei einer Demonstration am Samstag in der Tübinger Altstadt ein. Vor dem Rathaus gingen Redner/innen mit der wissenschaftlichen Forschung hart ins Gericht.

Tübingen wurde zum Ziel des Protestes, weil hier Grundlagenforschung durch Experimente mit Rhesusaffen betrieben wird – eine Ausnahmestellung im Land und einer der wenigen Standorte bundesweit. Beteiligt sind das Institut für Neurobiologie der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät, die Abteilung Kognitive Neurologie am zur Klink gehörenden Hertie-Institut und das Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik. Festgeschnallte, am Kopf unbeweglich fixierte Affen müssen Aufgaben lösen und bekommen bei richtigem Verhalten zu trinken. Gleichzeitig wird über implantierte Elektroden die Aktivität von Nervenzellen oder Zellgruppen im Gehirn erfasst.

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06.05.2013, 12:00 Uhr
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