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Zimmermädchen erhält 2000 Euro Abfindung

20 Minuten pro Hotelzimmer

Ein dunkelhäutiges Zimmermädchen aus Pfäffingen klagte vor dem Reutlinger Arbeitsgericht gegen ihre Kündigung beim Hotel Stadt Tübingen. Sie wollte sich gegen die Arbeitsbedingungen wehren – und kriegt jetzt 2000 Euro Abfindung.

19.06.2012
  • Matthias Reichert

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Tübingen / Reutlingen. Die 41-Jährige wurde Anfang April wegen „Arbeitsverweigerung“ gekündigt und hat vor dem Reutlinger Arbeitsgericht dagegen geklagt, vertreten vom DGB-Rechtsschutz. Seit Mitte April 2010 arbeitete die 41-Jährige aus Pfäffingen beim Hotel Stadt Tübingen. Sie war als Zimmermädchen und laut Arbeitgeber auch als Vorarbeiterin angestellt. Das Hotel hat die Leistungen outgesourct. Ihr Dienstherr war die Hotelservice GmbH von Karl Zingsheim aus Blankenheim. Die hat ihr bis Anfang April 2012 insgesamt sechs Abmahnungen geschickt. Sie habe ihre Arbeitsleistung nicht erfüllt, lautete der Vorwurf.

Die Reinigungszeiten für Hotelzimmer schwanken je nach Hotelkategorie, sagte Zingsheim gestern vor dem Arbeitsgericht. Bei einem Vier-Sterne-Hotel wie dem Tübinger seien es 20 Minuten. Das sei nicht zu schaffen, sagte die Hotelfachfrau, die aus Jamaika stammt und seit 16 Jahren in Deutschland lebt, hier schon als Hausdame im Hotelgewerbe gearbeitet hatte.

Kein neues Foul nach „gelber Karte“

Deshalb habe sie immer wieder Überstunden gemacht – unbezahlt. Die Überstunden habe sie gar nicht abgerechnet, argumentierte Zingsheim. Offenbar wurden die Vordrucke für die Zimmerreinigung mit pauschalen Zeiten abgerechnet. Es gab auch Stundenzettel mit den täglichen Arbeitszeiten. Doch Überstunden wurden dabei nicht berücksichtigt. Einer Abmahnung zufolge, war die 41-Jährige einmal früher heimgegangen.

Zusätzlich zu den Zimmerreinigungen musste sie auch die Stundenabrechnungen ihrer Kolleginnen erfassen und neue Mitarbeiterinnen einlernen – offenbar alles für 650 Euro netto im Monat. Sie habe die Abrechnungen der Mitarbeiterinnen zuletzt nicht vorgelegt, sagte indes Zingsheim. „Sie hatte einen hohen Verschleiß. In den zwei Jahren sind 40 Mitarbeiterinnen durchgegangen.“

Das alles interessierte Arbeitsrichter Wolfram Haid wenig, auch Mobbingvorwürfe des Zimmermädchens gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber waren gestern beim Gütetermin kein Thema. Haid sah ein formales Problem bei der Kündigung: Am 3. April hatte die Zingsheim GmbH drei Abmahnungen verfasst und am selben Tag die Kündigung ausgesprochen. Doch vor der Kündigung hätte ein neuerlicher Verstoß stehen müssen, argumentierte der Arbeitsrichter. Er zog den Vergleich mit einem Fußballspiel: „Die Abmahnung ist die gelbe Karte. Es muss ein erneutes Foul vorliegen, ehe die gelb-rote Karte gezeigt wird.“ Zudem wurde die Kündigungsfrist nicht richtig eingehalten, kritisierte Haid.

Weil sie für die Zukunft nach dem Rechtsstreit ein schlechtes Arbeitsklima erwarten würde, zeigte sich die 41-Jährige zu einer Abfindung bereit. „Wenn sich nichts an dem Zustand ändert, sitzen wir in einem halben Jahr wieder hier“, sagte der Arbeitsrichter. Auch Zingsheim zeigte sich zu einer Abfindung bereit.

Haid ging bei seinem Vorschlag über die übliche Abfindungshöhe deutlich hinaus. Der Vergleich, auf den sich die Parteien einigten, sieht nun 2000 Euro Abfindung vor. Zudem bekommt die 41-Jährige noch für zwei Wochen Gehalt ausbezahlt. Sie erhält ein qualifiziertes Zeugnis mit guten Bewertungen. Also ein Erfolg auf der ganzen Linie für die 41-Jährige? „Meine Überstunden bekomme ich nicht bezahlt“, ärgerte sie sich hinterher gleichwohl.

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19.06.2012, 12:00 Uhr

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