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EngpasS 21 auf dem Marktplatz

1:1-Modell des Stuttgarter Tiefbahnhofs soll Sicherheitsmängel aufdecken

Bisher besteht der Stuttgarter Tiefbahnhof nur auf dem Papier – und lediglich ein Teil von ihm als Modell im Maßstab 1:1. Dieses allerdings stammt von den S 21-Gegnern, um zu zeigen, dass es auf den geplanten Bahnsteigen gefährlich eng zugeht.

09.07.2011
  • von Bernd Ulrich Steinhilber

Reutlingen. Von 10 Uhr bis 17.30 Uhr hatten das Reutlinger Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 und die Metzinger Aktionsgemeinschaft K 21 am Freitag auf den Marktplatz eingeladen und am Donnerstag, als der Sturm über Reutlingen brauste, das fünf mal zehn Meter große Bahnhofsmodell aufgebaut.

Gestern setzten die S 21-Gegner im Halbstundentakt eine Performance in Szene. Titel: „Engpass 21“. Und tatsächlich ging es eng her zwischen modellierter Rolltreppe und Bahnsteigkante, als sich dort Rollstuhlfahrer, rucksackbepackte und Koffer schleppende Reisende drängelten und, was ebenfalls zur Inszenierung gehörte, je nach Lautsprecherdurchsage, die Richtung wechselten: „Der ICE nach München von Gleis eins fährt heute von Gleis drei“ oder „Wegen eines technischen Problems werden die Reisenden gebeten sich von Abschnitt A zu Abschnitt B zu begeben.“ Und an die Passanten gewandt: „Kommen sie mit ihren Kinderwagen auf die Rampe, genießen sie die Enge des Bahnsteigs.“

Um zwei mit Informationsmaterial ausgestattete Stände herum scharten sich die Leute. Plakatwände informierten über die nach Meinung der S 21-Gegner falschen Angaben zur Finanzierung, über Sicherheitsmängel und die Alternative „Kopfbahnhof 21“. In einem zur Bühne umfunktionierten Anhänger sang Ina Z zum Akkordeon.

„Wir sind Teil einer Bewegung, die ihr unbequemes Haupt erhebt, wir wollen Beteiligung und Mitverantwortung“, eröffnete Katharina Bausch vom Reutlinger Aktionsbündnis gegen 14 Uhr die Kundgebung – ohne den ankündigten Stadtrat Hannes Rockenbauch allerdings, der gestern in Stuttgart gefordert war. Stattdessen sprach Eberhard Frasch vom Aktionsbündnis „wider die räuberische Rolle der Deutschen Bahn“. Diese habe sich von ihrer „Verpflichtung auf das Gemeinwohl verabschiedet“, sei auf Profit ausgerichtet und erschleiche sich „Vermögensvorteile zulasten der Bürger“.

Hans Heydemann von „Ingenieure gegen Stuttgart 21“ beanstandete Sicherheitsmängel des Tiefbahnhofs. Wenn es dort brenne, müssen die Leute die Treppe rauf durch den Rauch flüchten. „Sie können gar nicht anders.“ Dass Brände von Lokomotiven immer wieder vorkommen, bestätigte er im Gespräch mit dem TAGBLATT. Schon vier habe er allein in diesem Jahr dokumentiert. Für Diplom-Ingenieur Heydemann, der an der 6. Schlichtungsrunde teilgenommen hatte, sind vor allem behinderte Menschen gefährdet. Im Katastrophenfall müssten sie getragen werden, weil die Aufzüge dann gar nicht benützt werden könnten.

Cornelia Single von der „Initiative Barriere-Frei“ bemängelte den Zuschnitt der Bahnsteige. Nur dank Sondergenehmigungen dürften sie stellenweise mit 1,24 Metern Breite und einem sechsmal höheren Gefälle als normalerweise üblich, gebaut werden. „Es gibt Gesetze, aber die werden einfach ausgehebelt.“

Und Reinhard Beneken stellte im Gespräch mit unserer Zeitung fest, dass im Vorfeld viel Geld hin und her geflossen sei. „Was die Bahn am Ende bezahle, habe sie vorher schon von anderen Projektträgern – Flughafen, Land, Bund und Stuttgart – erhalten. Von den offiziell prognostizierten 4,088 Milliarden blieben 318 Millionen Euro an ihr hängen. Gerade mal acht Prozent.

1:1-Modell des Stuttgarter Tiefbahnhofs soll Sicherheitsmängel aufdecken
Rund 15000 Euro steckten die „Ingenieure22 – Ingenieure gegen Stuttgart21“ in diese Simulation, die kurz vor der Landtagswahl schon in Stuttgart, danach in Sindelfingen aufgebaut wurde. Auch auf seiner dritten Station in Reutlingen erregte das Modell Aufsehen. Bei der Performance gestern wurden die Teilnehmer immer wieder aus dem Sicherheitsbereich jenseits der Linie Richtung Gleis gedrängt (rechts). Sondergenehmigte Engstellen von 1,24 Meter Breite (statt wie üblich 1,50 Meter) über eine Länge von neun Metern: Da kommen Menschen mit Rollkoffern nicht mehr ungestreift aneinander vorbei. Im Halbstundentakt konnte das 1:1-Modell gestern getestet werden. Im Hintergrund ein auf Leinwand gemalter brennender ICE im engen Tunnel. Argument der S21-Gegner: „Da kommt keiner mehr raus.“Bild:Haas

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09.07.2011, 12:00 Uhr
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