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Fußball statt Leinwandhelden

Kinomitarbeiter schauen Fußball und nicht „Sex and the City II“

Christian Schulz vom Kino Waldhorn in Rottenburg und Klaus Romero vom Tübinger Kino Museum sorgen für ein Alternativprogramm, wenn Deutschland kickt.

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Diana Nägele
Kinofilm starten und dann ab an den Fernseher: Christian Schulz schaut heute Abend Fußball im ... Kinofilm starten und dann ab an den Fernseher: Christian Schulz schaut heute Abend Fußball im Kino. Bild: Mozer

Rottenburg/Tübingen. „Dumm gelaufen“, dachte sich wohl Christian Schulz, als er den Dienstplan für den Juli sah und realisierte, dass er heute Abend beim Spiel um Platz drei arbeiten muss.

Eintrittskarten verkaufen, Popcorn ausgeben und Film einlegen – mit diesen Dingen beschäftigt sich Christian Schulz heute Abend im Rottenburger Kino Waldhorn, wenn die Deutsche Nationalelf ihr letztes Spiel der WM 2010 in Südafrika bestreitet. Der Job im Kino ist für ihn eine Nebentätigkeit.

Die meiste Zeit ist er zu Hause und passt auf seine kleine Tochter auf, während seine Frau arbeitet. „Am Ende des Monats müssen wir unsere möglichen Arbeitszeiten angeben und dementsprechend werden wir eingeteilt“, sagt Schulz. „Dabei habe ich mir genau überlegt, wann die Spiele der deutschen Mannschaft sein werden, doch an das Spiel um Platz drei habe ich irgendwie nicht gedacht.“

Alle anderen Spiele der deutschen Elf hat der Fußballbegeisterte in der Gaststätte Ehgner Eck in Rottenburg verfolgt. Dort habe er beim Tippspiel immer mit getippt, „aber ich lag nie richtig“, gesteht Schulz. Das liege aber auch an seinen Tipps, die er selbst als unrealistisch einschätzen würde. „Alle gewöhnlichen Torverhältnisse waren schon vergeben, da wollte ich nicht die anderen nachahmen und habe etwas völlig anderes getippt“, erzählt Schulz. Deshalb schrieb er auch beim Vorrundenspiel gegen Ghana ein 5:0-Sieg für die Deutschen zu den anderen geschätzten Ergebnissen.

Dass er heute nun zum ersten mal in dieser WM nicht im Ehgner Eck sitzt, sondern im Kino, findet Schulz nicht so schlimm. „Die Euphorie ist irgendwie verflogen seit Deutschland den Einzug ins Finale verpasst hat.“

Heute Abend läuft „Sex and the City II“ im Kino. Die Vorstellung beginnt um 20.15 Uhr. „Theoretisch müssten alle Besucher bei Anpfiff im Kino sitzen und ich müsste den Film bereits gestartet haben“, so der Kino-Mitarbeiter. Da die neuen Filme alle digital von einer Festplatte abgespielt werden, müsse er während der Filmvorführung nicht einmal das Band wechseln. Deshalb geht er davon aus, dass er das Spiel auf dem kleinen Fernsehapparat in seinem Büro verfolgen kann.

In seiner Heimat Wuppertal macht er bei einer Tippgemeinschaft von Freunden mit. Das besondere dabei sind außergewöhnliche Tipp-Rubriken, wie zum Beispiel der „Deutsche Tourist“, ein Spieler, der während der gesamten WM nicht zum Einsatz kam, oder die „Kloppertruppe“. Dabei geht es um die Mannschaft mit den meisten Platzverweisen.

Schulz hat auf Uruguay getippt und liegt damit gut im Rennen. Uruguay hat immerhin schon zwei rote Karten während des Turniers kassiert. „Ich hätte auch nichts dagegen, wenn sie heute Abend nochmal welche einkassieren“, sagt er lachend. Trotz WM-Fieber rechnet das Rottenburger Kino auch heute Abend wieder mit Besuchern.

Klaus Romero sitzt heute Abend im Tübinger Kino Museum im Kassenhäuschen. Sein Dienst geht allerdings nur bis 21 Uhr. Dann werden die Türen abgeschlossen und er schaut sich das Spiel mit seinen Kollegen im Foyer des Kinos an, während im Saal „Sex and the City II“ läuft. Auf einem ein Meter zwanzig hohen Bildschirm werden normalerweise Filmtrailer gezeigt. Heute Abend läuft dort Fußball.

Romero ist sich sicher, das Deutschland das entscheidende Tor erzielen wird. Und das obwohl er Deutsch-Peruaner ist und seine Mutter in Uruguay zur Welt kam. „Die Deutschen spielen einfach besser“, sagt Romero. Für das Endspiel tippt Romero, dass Spanien den Pokal mit nach Hause nehmen wird. „Das beruhigt, wenn man gegen den Weltmeister verloren hat“, sagt er und lacht.

Nach dem Spiel kann er nach Hause gehen, sein Kollege Heinrich Bartuli, der auch Dienst hat, muss noch den Kinosaal aufräumen. „Wir sind alle fest angestellt und haben unsere festen Arbeitszeiten“, sagt Romero. „Aber es ist auch schön mit den Kollegen Fußball zu schauen.“

10.07.2010 - 08:30 Uhr

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