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Keine Maschinen

Mit 0:3 verliert Bundesligist TV Rottenburg beim TV Bühl

Die Württemberg-Fahne im Rottenburger Fanblock wehte nur zu Beginn. 0:3 (22:25, 24:26, 15:25) hat der TV Rottenburg am Samstag vor 1500 Zuschauern in der neuen Bühler Großsporthalle das Bundesliga-Derby beim TV Bühl verloren. Auch weil die Fehlerquote diesmal ungewohnt hoch war.

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Tobias Zug

Bühl. Nach dem zweiten Satz saß Rottenburgs Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger erst mal alleine auf seinem Stuhl, nur eine Mappe mit Spieldaten zur Analyse leistete ihm Gesellschaft. Sein Co-Trainer Oliver Heiming sprach mit den Spielern, während Müller-Angstenberger sichtlich wütend war, vor sich hin brütete, was noch zu machen sei und laut nach „Tibor“ rief.

Enttäuscht: Rottenburgs Spieler und Co-Trainer Oliver Heiming (vorne) nach der Partie in Bühl. ... Enttäuscht: Rottenburgs Spieler und Co-Trainer Oliver Heiming (vorne) nach der Partie in Bühl. Bilder: Meissner

Mittelblocker Tibor Filo, der herbei gerufene 28-jährige Routinier des TV Rottenburg, durfte im dritten Satz beginnen. „Wir versuchten eben einfach noch mal alles“, sagte Müller-Angstenberger. Doch in jenem dritten Satz blieben alle Versuche erfolglos. Da verschätzte der 20-jährige Sven Metzger einen Aufschlag von Paul Lohrisch – und musste danach raus. Da kam der 18-jährige Diagonalspieler Nico Zager rein – und dem verrutscht gleich der Ball beim Schmetterschlag und landet im Netz. Zager musste wieder raus. Zum Abschluss pritschte Dirk Mehlberg bei der Annahme den Ball ins Leere, und Bühl hatte somit den Matchball zum 25:15 verwandelt. „Ich war überrascht, dass Rottenburg im letzten Satz nicht mal gekämpft hat“, sagte Bühls Trainer Ruben Wolochin, „dabei zeichnet das diese Mannschaft so aus.“

Doch der Frust nach den ersten beiden Sätzen saß wohl zu tief bei den Rottenburgern. „Da hatten wir alle Chancen der Welt, die wir einfach so liegen ließen“, sagte Müller-Angstenberger. 4:0 führte Rottenburg gleich im ersten Satz. Auch weil bei Aufschlägen von Hans Cipowicz Bühls US-Amerikaner Cory Riecks erst der Ball durch die Finger flutschte, danach so verkorkst annahm, dass Ruben Wolochin eine Auszeit nahm und Riecks von einem Bühler nach dem anderen Trost spendiert bekam. „Wir hatten Probleme mit den Float-Aufschlägen der Rottenburger, obwohl wir wussten, dass diese gut sind“, sagte Ruben Wolochin. Der TVB-Trainer brachte Paul Lohrisch anstelle von Riecks, „und von da an waren wir zwar nicht absolut konstant, aber gut genug, um zu gewinnen.“

Bühl kämpfte sich zurück, schaffte beim 10:10 erstmals den Ausgleich. Doch der TVR legte wieder vor, ein starker Block von Dirk Mehlberg bescherte ihm das 14:11. Bühls Trainer nahm wieder eine Auszeit. Vor allem dank des starken Adam White, der insgesamt drei Aufschlag-Asse schlug, ging Bühl beim 19:18 zum zweiten Mal in diesem Satz in Führung – die es bis zum Ende verteidigte. „Der White hat richtig gut aufgeschlagen“, sagte Rottenburgs Libero Willy Belizer, „Bühl hat es generell richtig gut gemacht.“

Lange Zeit ausgeglichen war auch der zweite Satz. TVR-Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger sagte: „Wir haben zwei Sätze dominiert, waren da strategisch und von der Ausrichtung die bessere Mannschaft.“ Nach 12:15- und 16:19-Rückstand holte Rottenburg auf. Federico Cipollone kam rein, blockte gleich mal zum 17:19; auf 19:20 und 21:22 kam der TVR heran. Dann machte Zuspieler Michael Neumeister einen technischen Fehler – nicht sein einziger an diesem Tag (siehe „Angebaggert“). Markus Pielmeier gelang der Punkt zum 22:23, und nach zwei starken Aktionen von Felix Isaak hatte Rottenburg Satzball. Doch Bühls Paul Lohrisch konterte, ein weiterer technischer Fehler, ein erneuter Schlag von Lohrisch – und auf der Haupttribüne wehte die gelb-rote Badner-Fahne, denn die Bühler hatten auch diesen zweiten Satz gewonnen.

„Wir haben deutlich mehr Fehler gemacht als Bühl“, sagte Willy Belizer, „wir haben es nicht ganz geschafft, uns wie sonst zu pushen. Bühl war heiß, deren Fans waren heiß – sogar die Musik wurde bis zum Anschlag hochgefahren.“ Und unter dem Gejohle der feiernden Bühler und brummenden Bässen konstatierte Rottenburgs Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger: „Ein, zwei Führungsspieler haben heute nicht ihre gewohnte Leistung gebracht. Aber wir sind eben keine Maschinen!“ Sein Rat: „Abhaken – auf das nächste Spiel schauen!“

Disput zwischen den beiden Trainern
Nach der Bühler 14:8-Führung im dritten Satz lieferten sich Rottenburgs Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger und TVB-Coach Ruben Wolochin ein Wortgefecht, Schiedsrichter Volker Schiemenz musste nach kurzer Spielunterbrechung schlichten. Wolochin tippte während des Disputs mit einem Zeigefinger an seine Stirn. „Das muss ich mir nicht bieten lassen, dass mir ein Trainerkollege zwei Mal den Vogel zeigt“, sagte Müller-Angstenberger später. Um generell zu kritisieren: „Die anderen dürfen immer alles – und die Aggressionen, die bringe dann immer der TV Rottenburg. Das ist unsportlich!“ Wie gewohnt klatschte Müller-Angstenberger während des Spiels, feuerte seine Mannschaft und die mitgereisten TVR-Fans mit „Punkte“-Rufen an, coachte lautstark und gebärdete sich mitsamt des Teams nach erfolgreichen Punkten. Beleidigt habe Müller-Angstenberger ihn nicht, sagte der Argentinier Wolochin. „Ich will dazu auch nichts sagen. Aber ich behaupte, ich bin weder arrogant noch schreie ich rum, wenn wir verlieren. Und ich finde, wir Trainer sind dazu da, den Spielern zu helfen – wir sind nicht die Attraktion des Spiels, die den Clown spielen müssen.“ TVR-Coach Müller-Angstenberger: „Ich bin nun mal ein emotionaler Trainer. Damit müssen die Anderen eben leben.“


16.12.2012 - 21:00 Uhr | geändert: 17.12.2012 - 16:30 Uhr

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