Mit Generali Haching empfängt Erstligist EnBW TV Rottenburg am Samstag (20 Uhr) die überragende Mannschaft dieser Volleyball-Saison. Für den ungeschlagenen Spitzenreiter geht es längst um mehr, als nur die Meisterschaft – auch wenn das keiner so recht zugeben will.
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ibrahim naber
Im Heimspiel Anfang 2011 war der TV Rottenburg (im Bild Dirk Mehlberg) gegen Haching chancenlos. Archivbild: Metz
Tübingen. Sogar im Kino macht Generali Haching neuerdings auf sich aufmerksam. 30 Sekunden lang macht der Klub in bayrischen Kinosälen Werbung in eigener Sache, angriffslustig und selbstbewusst präsentiert er sich in dem Spot: Dramatisch-martialische Musik erklingt, man rühmt sich der Erfolge der vergangenen Jahre, abschließend dann die Botschaft an den Zuschauer: „Kommt in die Disko der Liga!“
Ausreichend Gründe zum Feiern bietet die laufende Saison ohnehin. Fast schon erschreckend leichtfüßig tänzeln die Oberbayern durch die Liga. Jedes seiner 14 Spiele hat Haching bisher gewonnen, dabei gerade einmal sechs Sätze abgegeben. Wer soll diese Mannschaft auf dem Weg zur Meisterschaft überhaupt noch stoppen? Natürlich, der derzeit Zweitplatzierte VfB Friedrichshafen hat diesen Anspruch. Wie in jedem Jahr. Doch der Serienmeister offenbarte im vergangenen Jahr Schwächen, die zumindest nachdenklich machen. Drei Spiele verlor der VfB, bei der 1:3-Auftaktniederlage gegen Haching war das Team von Trainer Stelian Moculescu chancenlos.
Es scheint so, als dass sich die Machtverhältnisse in Deutschlands höchster Volleyball-Spielklasse peu à peu verschieben: „Im Moment ist die Friedrichshafener Dominanz dahin. Die Voraussetzungen für die Meisterschaft sind so gut wie noch nie“, sagt Haching-Manager Josef Köck. Es ist eine dosierte Brise Optimismus, die da aus Köcks Worten klingt. Kampfansagen in Richtung Bodensee sucht man vergeblich: „Wir machen uns sicher nicht verrückt oder fallen durch flotte Sprüche auf. Wozu das führt, sieht man gerade in Berlin“, kommentiert Köck süffisant die bestenfalls durchschnittliche Saison für die Berlin Recycling Volleys, die vor der Saison noch großspurig ein Angriff auf Friedrichshafens Hegemonie angekündigt hatten.
Wenn man die letzten Volleyball-Jahre Revue passieren lässt, kommt man zwangsläufig zu dem Ergebnis, dass die derzeitige Hachinger Erfolgsserie das Resultat kontinuierlicher Arbeit ist. Drei Mal in Folge gewann Haching nun schon den Pokal, Anfang März kann das Team für den nächsten Triumph im Finale gegen Friedrichshafen sorgen. Trotzdem steht Haching noch immer im Schatten des großen Rivalen. Denn den Respekt und die Ehrfurcht der Gegner erarbeitet man sich nur durch Meisterschaften oder den Erfolg in der Champions League.
Zwar stand Haching in den vergangenen Jahren schon im Finale um die Meisterschaft, doch den Titel sicherte sich immer der VfB. Ohne nationalen Titel bleibt Haching das große Renommée verwehrt, weiß auch Rottenburgs Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger: „Entweder man wächst aus den Kinderschuhen heraus oder man bleibt der ewige Zweite. Haching muss sich etablieren, darauf kommt es an.“
Dass sie es in Haching ernst meinen, zeigen allein die vorhandenen Strukturen des Klubs. Coach Mihai Paduretu, der ausgerechnet unter Trainer Stelian Moculescu 1995 als Spieler Deutscher Meister wurde, stehen drei Co-Trainer, ein Konditionstrainer und zwei Scouts zur Seite – ein beeindruckendes Aufgebot. Nur finanzierbar, da viele Leute im Verein wie Manager Köck ehrenamtlich arbeiten.
Ob das Team nun wirklich bereit ist für den ganz großen Wurf, wird sich sowieso erst in den Playoffs zeigen: „Sportlich sehe ich Haching und den VfB auf Augenhöhe. Aber Friedrichshafen lebt noch immer von seiner Aura. Das kann in den Spielen um die Meisterschaft den Unterschied machen“, sagt Müller-Angstenberger. Soweit wollen sie auf Hachinger Seite noch überhaupt nicht denken. Understatement an Stelle von hauptstädtischer Hochstapelei – das scheint das bayrische Credo zu sein: „Wir greifen nicht nach den Sternen, sondern spielen einfach nur unser Spiel“, erklärt Köck.
Müller-Angstenberger: „Team muss sich neu orientieren.“
Nein, die Hachinger Superserie sei für Rottenburgs Coach Hans Peter Müller-Angstenberger keine große Überraschung: „Ich hatte Haching von Beginn an sehr stark eingeschätzt“, sagt der Gymnasiallehrer. Vor allem die beiden Neuzugänge Sebastian Prüsener und Christian Dünnes, Letzterer der beste Angreifer der Vorsaison, hätten das Team enorm verstärkt: „Dünnes ist ein überragender Spieler und Prüsener nicht nur ein herausragender Libero, sondern auch eine Persönlichkeit“, sagt Müller- Angstenberger, der von seinem Team einiges erwartet: „Wir müssen unsere Möglichkeiten endlich abrufen, das Team ist verunsichert, steht unter Druck und muss sich jetzt neu orientieren.“ Der Gegner sei im Moment sekundär, betont der Rottenburger Trainer und verweist auf die Heimstärke seines Teams: „Zu Hause haben wir immer gut gespielt.“ hip