Auch mit Neuzugang Vedad Ibisevic und Bundesliga-Debütant Antonio Rüdiger gelang dem VfB Stuttgart die Wende zum Besseren nicht. Im Gegenteil, gegen Mönchengladbach setzte es eine 0:3-Heimpleite.
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GEROLD KNEHR
Typische Handbewegung: Sechs Mal mussten VfB-Spieler - hier William Kvist - in den ersten beiden Rückrundenspielen den Ball aus dem Netz holen. Foto: dpa
Stut -
tgart - Oh weh, VfB Stuttgart. Gegen den bisherigen Lieblingsgegner Borussia Mönchengladbach, der 17 Jahre lang in der baden-württembergischen Landeshauptstadt nicht mehr hatte gewinnen können, kassierte das Team von Trainer Bruno Labbadia die vierte Bundesliga-Niederlage in Serie. 0:3 hieß es am Ende der ernüchternden 90 Minuten. Der VfB ist damit im sechsten Spiel in Folge ohne Sieg in der deutschen Eliteliga.
Während die Gäste, die in der vergangenen Saison noch eine 0:7-Pleite in Stuttgart kassiert hatten, weiter Anschluss an das Spitzentrio halten, geht der Blick beim Tabellen-Zehnten VfB klar in Richtung Tabellenkeller. Nur noch vier Punkte beträgt der Vorsprung auf Relegations-Rang 16, den zur Zeit der 1. FC Kaiserslautern belegt. Angesichts des derzeitigen Negativtrends ist dies alles andere als ein beruhigendes Polster.
Mike Hanke (31.), Marco Reus (81.) und Igor de Camargo (84.) machten mit ihren Treffern für die Borussen die Stuttgarter Hoffnung auf eine Wende zum Besseren zunichte. Die hatte sich in erster Linie auf Neuzugang Vedad Ibisevic begründet. Doch der Stürmer-Neuzugang aus Hoffenheim konnte in seiner ersten Begegnung für den VfB keine Akzente setzen. Das Zusammenspiel mit den neuen Kollegen klappte - fast erwartungsgemäß - nicht auf Anhieb.
Außer Ibisevic hatte Trainer Bruno Labbadia noch überraschend einen weiteren Debütanten parat. Auf der rechten Abwehrseite, der Stuttgarter Problemzone, hatte er den 18-jährigen Antonio Rüdiger aufgeboten. Der gebürtige Berliner, dessen Vorfahren aus Sierra Leone stammen, war vor zwölf Monaten von Borussia Dortmund zur Stuttgarter Jugend gekommen, musste wegen der fehlenden Freigabe des Meisters ein halbes Jahr lang pausieren und bestritt in dieser Saison acht Spiele mit der zweiten VfB-Mannschaft in der Dritten Liga.
Im Trainingslager hatte Rüdiger einen guten Eindruck auf Labbadia hinterlassen. Gestern war dies anders. Der junge Mann hatte einige Schwierigkeiten in der Defensive, und im Spiel nach vorn gelang ihm kaum einmal eine sinnvolle Flanke. In der 79. Minute wurde Rüdiger erlöst - als der VfB "nur" mit 0:1 im Hintertreffen lag.
An Rüdiger lag die neunte VfB-Saisonniederlage nicht allein. Viele seiner erfahreneren Mitspieler waren keinen Deut besser. Und auch das 4-4-2-System, auf das Labbadia umgestellt hatte, funktionierte nicht wie gewünscht. Zwischen Abwehr/defensivem Mittelfeld und der Offensive (Martin Harnik, Tamas Hajnal, Ibisevic und Cacau) waren zu große Lücken vorhanden. Dies verhinderte auf Stuttgarter Seite einen geordneten Spielaufbau. Die Gladbacher wiederum konnten immer wieder in diese Lücke stoßen.
Nicht zum ersten Mal in dieser Saison leitete eine Standardsituation die Stuttgarter Niederlage ein. Rüdiger hatte mit einem taktischen Foul einen Freistoß verursacht. Der segelte in den Strafraum, wo Mike Hanke nicht ernsthaft genug gestört wurde. Per Kopf beförderte Hanke den Ball zum 1:0 ins Netz. "Gegnerische Standardsituationen, das ist bei uns der größte Knackpunkt", musste Labbadia einmal mehr zerknirscht konstatieren.
Damit hatten die konterstarken Gäste eine ideale Ausgangsposition für die zweite Halbzeit, zumal Hajnal kurz vor der Pause die größte Chance zum Ausgleich vergeben hatte (45./Außenpfosten). Mit Hajnals Versetzung von der linken Außenbahn in die Mitte und der Hereinnahme von Shinji Okazaki wurde die Raumaufteilung beim VfB im zweiten Durchgang besser. Doch der Ausgleich wollte nicht fallen. Ibisevic hatte in der 56. Minute eine gute Chance, aber Martin Stranzl spitzelte ihm im letzten Moment noch den Ball vom Fuß.
"Uns fehlt im Moment die Leichtigkeit im Spiel, die notwendig ist", meinte VfB-Manager Fredi Bobic. Besagte Leichtigkeit hatten die Gladbacher, die in der Schlussphase die Angelegenheit eindeutig machten. Nachdem auf VfB-Seite der eingewechselte Julian Schieber vergab, nutzte Marco Reus den anschließenden Konter zum 2:0. Und Igor de Camargo setzte den Gladbacher Schlusspunkt zum ersten Auswärtssieg in Stuttgart seit 17 Jahren.