So sehen Schlüsselspiele aus: Eine VfB-Niederlage bei Bruno Labbadias Ex-Klub Leverkusen, und die Stuttgarter sind wohl mitten drin im Abstiegskampf. Ein Wiedersehen gibt es mit Torhüter Bernd Leno.
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WOLFGANG SCHEERER
Nur Erfolg hilft jetzt weiter: Bruno Labbadia (vorne) und Fredi Bobic. Foto: Eibner
Stuttgart/Leverkusen Vielleicht ist auch der Kälteschock schuld. Fürs Pokal-Viertelfinale am Mittwoch gegen den FC Bayern gibts ungewöhnlicherweise noch VfB-Karten. Stark abgekühlt war die Stimmung schon vorher. Dass sich die Starre nach dem 0:3 gegen Gladbach nur auf eine Art lösen lässt, ist kein Geheimnis in Stuttgart: "Wir brauchen jetzt Erfolgserlebnisse", sagt der Trainer. Als Bruno Labbadia das von Abstiegsangst gelähmte Team Ende 2010 übernommen hatte, kamen sie nach und nach. Nun der Umkehrschub: In den letzten zehn Spielen hat der VfB nur sechs Punkte geholt, 20 Tore kassiert, zuletzt gleich viermal in Serie verloren. Nach seiner Verletzungspause kehrt nun immerhin Khalid Boulahrouz auf die Rechtsverteidiger-Position zurück.
Mit einer weiteren Niederlage heute, 15.30 Uhr, beim Bundesliga-Sechsten Bayer Leverkusen wären die Stuttgarter vollends zurück im Kampf um den Klassenerhalt. Schon das nächste Punktspiel in einer Woche gegen Hertha BSC könnte zur Schicksalspartie für Labbadia werden. Er und Sportdirektor Fredi Bobic, die zwei Ex-Stürmer, bilden zwar ein Gespann. Wenn es allerdings um Erfolg geht, versteht Bobic bedingungslos zu handeln. Wenige Wochen nach Amtsantritt trennte sich der VfB zunächst vom Schweizer Christian Gross, dann auch von Jens Keller. Dass Bobic eine Trainerdiskussion weit von sich weist, verhindert nicht Gerüchte: Könnte Ralf Rangnick in doppelter Hinsicht beim VfB zum Comeback kommen? Ist ein Einstieg von Bobic-Kumpel Krassimir Balakow, aktuell beim kroatischen Klub Hajduk Split, ausgeschlossen? Just heute Abend ist das einstige "Magische Dreieck" mit Bobic, Balakow und Giovane Elber übrigens im ZDF-Sportstudio zu Gast. Das Trio stand für Kreativität und Torgefahr. Daran mangelt es dem VfB (24 Treffer) noch mehr als Leverkusen (26).
Während sich Robin Dutt und Co. an der Personalie Michael Ballack abarbeiten, wird auch beim Gegner anschaulich, wie einfach und komplex zugleich das Psychogramm einer Profi-Mannschaft ist. VfB-Aufsichtsratsboss Dieter Hundt bemängelte öffentlich, das Team schöpfe seit Monaten sein Potenzial nicht aus (auch für einen Trainer nicht unbedingt ein Kompliment). Pavel Pogrebnyak ist mit unguten Nebengeräuschen verkauft, Cacau als Vize-Kapitän entmachtet und offensichtlich zunehmend frustriert. Julian Schieber kommt nicht recht in Schwung. Martin Harnik, mit sechs Toren bester Schütze, hat seit fünf Spielen nicht getroffen. Ob das Sturm-Problem sich löst, liegt nun vor allem am Ex-Hoffenheimer Bosnier Vedad Ibisevic, 27. Beim Debüt gegen Gladbach blieb er blass. "Vedo ist kein alleiniger Heilsbringer", sagt Labbadia. "Aber ein Stürmertyp, der uns gefehlt hat. Er bindet Gegner, ist immer anspielbar."
Das Umsetzen der VfB-Vorgabe, junge Spieler nach oben zu bringen, stockt jedoch. Ausnahme: Bernd Leno. Der 19-Jährige aus Bietigheim-Bissingen hütet Leverkusens Tor und will heute mit dafür sorgen, dass die Stuttgarter der "Lieblingsgegner" bleiben. Kein Klub hat so oft gegen Leverkusen verloren - 27 Mal. In der Hinrunde schoss Stefan Kießling den 1:0-Siegtreffer nach einem Fehler Sven Ulreichs.
"Der Druck wird größer." So knapp kann Fredi Bobic die Situation zusammenfassen. Positiv betrachtet: Unter großem Druck bricht manchmal auch dickes Eis.