Tabellenspitze spannend wie selten - Dortmunder 5:1-Coup in Hamburg
Furioser Rückrundenauftakt der Fußball-Bundesliga. Borussia Dortmund landete einen 5:1-Coup beim Hamburger SV. Die ersten Vier der Tabelle liegen so dicht beieinander wie selten zuvor.
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MARKUS SCHNIERTSHAUER
Souverän mit 5:1 überwand Borussia Dortmund mit dem zweifachen Torschützen Lewandowski die Hürde HSV. Foto: dpa
Hamburg Rekordmeister FC Bayern München (37 Punkte) vor dem amtierenden Meister Borussia Dortmund (37 Punkte), dessen Revierrivale FC Schalke 04 (37 Punkte) und der ewig jungen Borussia Mönchengladbach (36 Punkte) - die Fußball-Bundesliga elektrisiert ihre Fans genauso wie ein Griff in die Steckdose. Mehr Spannung an der Tabellenspitze als nach dem ersten Spieltag der Rückrunde ist kaum vorstellbar. Die Bundesliga ist die Liga der 100 000 Volt. Und so manchen Anhänger des Spitzenquartetts dürfte am Wochenende fast der Schlag getroffen haben.
So etwa am gestrigen Nachmittag beim furiosen 5:1-Sieg der Borussia Dortmund beim Hamburger SV. Wie schon zum Saisonstart (3:1) zeigte das Team von Trainer Jürgen Klopp eine meisterliche Gala. "Wir spielen unseren Fußball, und den haben die Jungs gnadenlos durchgezogen", nannte der BVB-Coach den Grund für die Demonstration vor 57 000 Zuschauern in der Hamburger Arena. "So in die Rückrunde zu starten, ist sehr, sehr gut. Das hat sich gut angefühlt", freute sich Kapitän Sebastian Kehl.
Jeweils zwei Treffer von Robert Lewandowski und seines polnischen Landsmanns Jakub Blaszczykowski sowie ein Tor von Kevin Großkreutz unterstrichen die Ambitionen des amtierenden Meisters. "Es hat alles gepasst, aber es war nur ein Spiel. Jetzt geht es weiter", sagte Klopp der Konkurrenz den Kampf an.
Beim Dortmunder Nachbarn Schalke 04 war der erfahrene Trainer Huub Stevens (58) indessen bemüht, die Erwartungen nicht ins Kraut schießen zu lassen. "Ich weiß, dass wir genauso viele Punkte wie Bayern haben", sprach er ungefragt die obsolete Meisterfrage an, um sie gleich selbst zu beantworten: "Bayern-Jäger? Das machen die Medien. Wir sind realistisch: Wir werden auch wieder Spiele verlieren." Doch die Fans der Knappen lassen sich ihre Träume nicht verbieten - und sollen es auch nicht. "Es ist normal, dass uns der eine oder andere jetzt ganz oben sieht", sagte Julian Draxler, beim 3:1 gegen den VfB Stuttgart Flankengeber zum 2:0 und Torschütze zum 3:0 "Ich denke, einen Champions-League-Platz können wir anvisieren", so Draxler.
Von der Champions League träumen dürfen auch die Anhänger von Borussia Mönchengladbach nach dem hochverdienten 3:1-Coup am Freitag Abend gegen den FC Bayern. Als der Münchner Trainer Jupp Heynckes seinen Heimatverein Borussia und die europäische Königsklasse in einem Atemzug nannte, blieb seinem Gladbacher Kollegen Lucien Favre kurz die Luft weg. Vielleicht lag es auch an der erstaunlichen Wandlung seines Teams. Die Gladbacher haben jetzt schon so viele Punkte wie nach der gesamten letzten Saison. Mit nur zwölf Gegentoren stellt die einstige Schießbude der Liga zudem die beste Abwehr.
Außer der unglaublichen Spannung brachte der 18. Spieltag einen weiteren Trend: den zu jungen Torschützen. Der Schalker Draxler ist gerade mal 18 Jahre alt, seine ebenfalls zielsicheren Teamkollegen Kyriakos Papadopoulos (19 ) und Joel Matip (20) kaum viel älter. Für Borussia Mönchengladbach trafen beim 3:1-Erfolg gegen den FC Bayern München zweimal Patrick Herrmann (20) und Marco Reus (21).
Doch nicht nur die Spitzenteams haben junge Torjäger in ihren Reihen. Für den 1. FC Nürnberg (2:0 gegen Hertha BSC) traf Alexander Esswein (21) für den SC Freiburg (siehe Extrabericht) der gerade erst 18 gewordene Bundesliga-Debütant Matthias Ginter. Für eine spezielle Pointe jedoch sorgte der VfL Wolfsburg. Dort erzielte nicht etwa einer der acht Leute, die Felix Magath für annähernd 30 Millionen Euro in der Winterpause verpflichtet hatte, den Treffer zum 1:0-Sieg gegen den 1. FC Köln, sondern das 20 Jahre alte Eigengewächs Sebastian Polter .
Bundestrainer Joachim Löw dürfte dieser Trend gefallen. Vielleicht kommt aus dem Kreis der aufgeführten Torschützen eines Tages der Nachfolger für Miroslav Klose (33) oder Mario Gomez (26), der an diesem turbulenten Wochenende mit den Bayern leer ausging.