Das macht Lust auf die Heim-WM! Maria Riesch, Felix Neureuther & Co. haben die WM-Generalprobe beim Weltcup-Finale bravourös bestanden und Hoffnungen auf eine medaillenreiche WM geweckt.
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Schreit seine Freude hinaus: Felix Neureuther gewann bei der WM-Generalprobe in Garmisch den Slalom. Foto: dpa
Garmisch-Partenkirchen Die alpine Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen in einem Jahr wirft ihre Schatten voraus. "Wenn man daran denkt, bekommt man schon jetzt Gänsehaut", sagte Felix Neureuther. Trotz seines großartigen Torlauf-Sieges am heimischen Gudiberg schämte er sich fast ein bisschen. Der zweite Weltcup-Erfolg der Karriere hatte ihn nämlich die Haarpracht gekostet - den von einem Kumpel verpassten Irokesen-Schnitt verbarg er.
"Das schaut nicht gut aus. Lieber lass" ich den Helm auf", sagte der 25-Jährige in Garmisch, wo Maria Riesch ihre beste Saison mit der kleinen Kristallkugel im Slalom krönte. Rang drei beim Sieg von Marlies Schild (Österreich) reichte - auch dank des Ausscheidens ihrer Schwester Susanne - für die vierte Kugel ihrer Karriere.
Nach den zwei WM-Siegen vor einem Jahr gab es in diesem Winter neben den drei Goldmedaillen von Vancouver auch im Weltcup Erfolge wie seit den goldenen 90ern nicht mehr. Sieben Siege durch Riesch, Neureuther und Kathrin Hölzl, die sich beim Weltcup-Finale die Kugel im Riesenslalom sicherte, und insgesamt 23 Podestplätze. "Es war eine sensationelle Saison", bilanzierte Alpin-Direktor Wolfgang Maier.
Aber nur Bilanz genügt in diesem Jahr nicht, denn jetzt geht es mit Riesenschritten zur WM vom 7. bis zum 20. Februar 2011 an selber Stätte. "Man muss den Aufwind in die richtige Richtung lenken. Ziel bleibt: Wir wollen zu den besten Sportarten Deutschlands gehören. Da sind wir auf einem guten Weg, aber noch nicht am Ziel."
Zuletzt 1998 waren die Alpinen des Deutschen Skiverbandes (DSV) so gut wie in diesem Winter. Diesmal freuten sich an den WM-Pisten auf Kandahar und Gudiberg auch die großen Vorgängerinnen Katja Seizinger, Hilde Gerg und Martina Ertl mit der neuen goldenen Generation. Und im Gegensatz zu damals, als es 17 Siege und 38 Podestplätze gab, konnte der DSV diesmal auch zwei Herren-Erfolge verbuchen. Wobei die Herren- Sparte in der Spitze nur aus Felix Neureuther besteht. "Unsere Mädels sind einfach eine Weltmacht, bei den Herren bin ich im Moment leider der einzige. Ich wünsche mir, dass es mehrere werden", erklärte Neureuther, der das Erstrunden-Aus beim vom Tschechien gewonnenen Team-Event schade fand. Mit dem Sieg vor rund 15 000 Zuschauern hatte er den Heimberg förmlich zum Beben gebracht - und sich ein Stück weit für den K.o. im olympischen Slalom entschädigt.
"Ich bin wie eine kleine Wundertüte. Entweder kommt was Großes dabei raus oder gar nichts, dazwischen gibt es kaum etwas. Abgesehen von Olympia hab ich eigentlich die zwei schönsten Rennen des Jahres gewonnen", meinte der 25-Jährige als Sieger der Weltcups in Kitzbühel und eben Garmisch. Zwei der Hänge auf denen auch sein Vater Christian Neureuther zu Siegen gewedelt war. "Es ist ja einmalig im Weltcup, dass Vater und Sohn am gleichen Ort gewinnen, das hats noch nie gegeben. Und wir haben das in Kitzbühel geschafft und jetzt zum zweiten Mal." Doch damit soll jetzt Schluss sein, wenn es nach dem bei Großereignissen leer ausgegangenen Papa geht.
Weltmeisterin und Olympiasiegerin Maria Riesch und Neureuther sind die beste Werbung für die WM in einem Jahr. "Da möchten wir als Team und speziell ich als Lokalmatadorin Medaillen gewinnen. Das ist wie dieses Jahr mit Olympia. Wenn es da gut läuft, ist alles andere eh wurscht", sagte Riesch, die im kommenden Winter auch einen neuen Angriff auf die Große Kristallkugel und ihre Freundin Lindsey Vonn (USA) unternimmt.
Die Große Kristallkugel bei den Herren holte sich der Schweizer Olympiasieger Carlo Janka.