Randale statt Punkte: Hertha geschockt 25 Festnahmen in Berlin - Hannover hofft
Schwarzer Tag für Hertha BSC. Nach dem 1:2 gegen Nürnberg kam es zu Krawallen, der Abstieg ist kaum mehr zu verhindern. Neben dem Club darf auch Hannover 96 im Bundesliga-Tabellenkeller aufatmen.
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Zum Teil mit Eisenstangen bewaffnet drangen Chaoten in den Innenraum des Berliner Olympiastadions. Foto: AP
Berlin/Hannover Der Schock sitzt tief, Konsequenzen sind überfällig: Mit den Jagdszenen im Berliner Olympiastadion ist die Gewalt in einer neuen Dimension in die modernen Bundesliga-Stadien zurückgekehrt. "Wir müssen entschieden dagegen vorgehen. Ich hoffe, dass sich da endlich welche finden, die Arsch in der Hose haben und dem Einhalt gebieten. Ich möchte nicht erleben, was passiert, wenn es den ersten Toten gibt", fand Nürnbergs Coach Dieter Hecking nach den Jagdszenen im Olympiastadion die deutlichsten Worte.
Etwa 150 gewalttätige Zuschauer waren nach Herthas 1:2-Heimniederlage gegen den 1. FC Nürnberg in den Innenraum des Stadions gestürmt und hatten dort mit Stangen und Latten Werbebanden, Plastik- und Glaswände zerschlagen. Sie trieben die Sicherheitskräfte vor sich her. Spieler, Trainer und Betreuer flüchteten in die Katakomben. "Da nimmst du nur noch deine Beine in die Hand. Die hauen dir sonst die Birne ein", schilderte Nürnbergs Abwehrspieler Andreas Wolf seine Eindrücke. "Die Türen zu", schrie Hecking, als die Randalierer Kurs auf den Kabinengang nahmen. Detonierende Feuerwerkskörper verstärkten die bedrohliche Kulisse.
Die Polizei hat 25 Personen festgenommen und 26 Strafverfahren wegen Körperverletzung, Widerstand, Hausfriedensbruch, Landfriedensbruch und Sachbeschädigung eingeleitet. Sie wies Vorwürfe zurück, sie habe zu spät eingegriffen. Im Stadion hatte die Polizei die Lage erst nach fünf bis acht Minuten in den Griff bekommen.
Die Deutsche Fußball Liga (DFL) will auf die Vorfälle der vergangenen Monate reagieren. "Angesichts der jüngsten Häufung gewalttätiger Vorkommnisse wird sich der Ligavorstand auf seiner nächsten Sitzung mit dem Thema intensiv befassen, um eine Liga-weite Strategie zu beraten", kündigte DFL-Präsident Reinhard Rauball an. Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sieht Handlungsbedarf. "Nach solchen Vorfällen wird vieles, wenn nicht alles auf den Prüfstand gestellt", erklärte der DFB-Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn.
Dazu kommt bei Hertha die nun fast aussichtslose sportliche Situation hinzu. "Das war nicht Herthas Abstieg, aber meine bitterste Stunde im Verein", gestand Hertha-Manager Michael Preetz. Als der Nürnberger Angreifer Angelos Charisteas in der Nachspielzeit den Treffer zum 2:1-Endstand erzielt hatte, starrte Preetz mit Tränen in den Augen in den Berliner Abendhimmel. "Wir forcieren nun die Planungen für die zweite Liga", gab er zu. Keine erneute Trainer-Diskussion gibt es um Friedhelm Funkel, der einen Rücktritt ausschließt - trotz der schwachen Bilanz von nur 11 Punkten in 19 Partien unter seiner Regie.
Beim 1. FC Nürnberg hingegen geht der Blick nach oben. "Schön, dass Köln und Bochum verloren haben. Diese Mannschaften sind für uns jetzt wieder erreichbar", freute sich Hecking.
Zweiter großer Sieger im Tabellenkeller war Hannover 96. Das 2:1 gegen Eintracht Frankfurt brachte das Team von Trainer Mirko Slomka zwar nicht weg vom Relegationsplatz 16. Aber der zweite Erfolg binnen einer Woche und der erste Heimsieg seit 140 Tagen machen Mut. "Die Mannschaft glaubt wieder an sich. Das ist im Abstiegskampf elementar. Sonst kann man gleich nach Hause gehen", sagte Abwehrspieler Steven Cherundolo. Allerdings ist das Restprogramm der Niedersachsen happig. dpa/sid