Stabhochspringer Alexander Straub, 26, ist startklar für seine Hallen-WM-Premiere. Im riesigen Aspire Dome von Doha wäre schon das Überstehen der Qualifikation der erste große Erfolg für den Bad Überkinger.
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WOLFGANG SCHEERER
Ein Bad Überkinger katapultiert sich hoch hinaus: Alexander Straub (LG Filstal) hebt am Freitag bei der Hallen-Weltmeisterschaft in Doha/Katar ab. Foto: dpa
Bad Überkingen/Doha Am Freitag um 9.15 Uhr Ortszeit beginnt in Doha bei der Hallen-WM die Final-Qualifikation im Stabhochsprung. Alexander Straub ("Ich bin kein Frühaufsteher") hat nachgerechnet: Im Emirat Katar ist es zwei Stunden früher als in Mitteleuropa, umgerechnet beginnt der Wettkampf für den Bronze-Gewinner der Hallen-EM 2009 also um 7.15 Uhr. "Das heißt, dass ich um 3.30 Uhr Bad Überkinger Zeit aufstehen muss. Das ist schon krass", sagt der Leichtathlet von der LG Filstal.
Obwohl er gestern Nachmittag von Frankfurt abgeflogen ist in den Nordosten der Arabischen Halbinsel, ist sich Straub bewusst: "Es wird sehr schwierig mit der Anpassung und sowieso eine knüppelharte Qualifikation." Nicht nur alle Stars der "Stabi"-Szene wie Berlin-Weltmeister Steven Hooker aus Australien oder der französische Weltjahresbeste Renaud Lavillenie (5,85 Meter) sind am Start, es qualifizieren sich auch nur acht von mehr als 30 Teilnehmern fürs Finale um die Medaillen am Samstag. "Das ist wirklich extrem", sagt Straub. "Ich rechne mit einer bis zu vierstündigen Quali." Da muss jeder Kopf und Körper bei Kräften halten. Der 26-Jährige schwört auf Äpfel: "Die spenden Energie und schmecken."
Als er vor Jahren ein Mountainbike-Staffelrennen mit Freunden fuhr und irgendwann völlig saftlos war, warf ihm seine Mutter Sigrid einen Apfel zu - "danach liefs plötzlich wieder". Seitdem hat Alexander Straub im Wettkampf immer mindestens einen in der Sporttasche.
Nur als er Mitte Februar mit Darmproblemen fürs Leipziger Meeting absagen musste, half kurzfristig auch ein Apfel nicht weiter.
In Leipzig sorgte Malte Mohr, der zum Tim-Lobinger-Klub LG München gewechselt ist, mit 5,83 Metern für Furore. Der 23-Jährige hat sich das zweite WM-Ticket für Doha gesichert. Anders als Mohr hat Straub nicht den Verein gewechselt, seinen Lebensmittelpunkt aber komplett verlagert. Während Malte Mohr aus Leverkusen wegging, kam Straub dorthin. Er arbeitet seit Oktober mit Bundestrainer Jörn Elberding zusammen, seit Januar hat er im Rheinland eine eigene Wohnung. "Der Stützpunkt ist erstklassig, das Beste, was es für Stabhochspringer in Deutschland gibt", sagt Straub und flachst: "Ich fühle mich wohl. Aber ich sehe mich auch weiterhin als Schwabe und komme immer wieder gern nach Hause zurück." In Leverkusen sind sie allerdings ein großes Team: Straub, der Deutsche (Freiluft-)Meister von Ulm, trainiert zusammen mit den DM-Teilnehmern Danny Ecker, Richard Spiegelburg, Hendrik Gruber und Michael Frauen. "Konkurrenz belebt das Geschäft. Dieser Schritt hat mir gut getan. Ich arbeite jetzt noch zielgerichteter", sagt Straub. Auch wenn er Sprünge über 5,85 oder 5,90 Meter "nicht erzwingen" könne, betont er: "Man versucht als Sportler immer, neue Wege zu gehen und sich zu verbessern."
Kürzlich bei der Hallen-DM in Karlsruhe wurde er mit 5,70 Metern Zweiter hinter dem höhengleichen Malte Mohr, der weniger Versuche benötigte. Nach oben geht es für den neuen deutschen Top-Springer mit Hallen-Bestleistung 5,80 in diesem Jahr eher schleppend. In der Stuttgarter Schleyerhalle gelangen immerhin 5,75. Ein Zentimeter mehr reichte Straub bei der EM 2009 in Turin zu Platz drei. In Doha braucht es sicher einiges mehr zur Medaille. "Konditionell bin ich absolut fit", sagt Alexander Straub. "Aber die Leipzig-Geschichte hat springerisch einige Unsicherheit reingebracht." Deshalb gilt für ihn vor allem: "Ich will die Qualifikation überstehen, dann sehen wir weiter. Aber diese Devise muss auch für einen Steven Hooker gelten."
Der 27 Jahre alte Australier, der noch nie Hallen-Weltmeister war, ist in diesem Jahr mit 5,91 zwar schon höher geflogen als Renaud Lavillenie - allerdings im Freien auf der Südhalbkugel im aktuell sommerlichen Sydney. Wer ihn schlagen will, muss hellwach sein. Vielleicht sollte diesmal schon beim Frühstück der Apfel nicht fehlen.