30.01.2012 Drucken Empfehlen
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Sport

KOMMENTAR · HANDBALL-EM: Hass in den Arenen

Jeder Gastgeber gibt sein Bestes, wenn Fremde kommen. Sollte man meinen.

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THOMAS GRUBER

Serbien, Ausrichter der Handball-EM hatte, so darf angenommen werden, auch gute Absichten, Gäste willkommen zu heißen. Was aber ein Teil der so genannten Fans der Serben aufführte, war alles andere als gastfreundlich.

Keifender Hass sprang Fremden in den Arenen entgegen - angefangen bei der Nationalhymne nahezu jeden gegnerischen Landes, die durch ein gellendes Pfeifkonzert missachtet wurde, bis hin zur ausgeübten Gewalt gegen ausländische Freunde des Sports. Abgefackelte Autos, Schlägereien, ein folgenschweres Wurfgeschoss nach dem Halbfinale, Randale beim mit Freude erwarteten Großereignis rund um die heruntergewirtschaftete Millionenstadt Belgrad.

Bei heilem Leibe, eine solche Veranstaltung wünscht sich keiner, gut, dass sie vorbei ist und deswegen auf Jahre gesehen in diesem Umfeld nicht mehr stattfinden wird.

Sportlich gesehen gab es bei dieser EM einige Veränderungen: Das an Dominanz kaum zu erschütternde Gesamtbild Frankreichs zerfiel in Bruchstücke, ja zerbröselte. Die einstige Wundermannschaft leistete sich einen Ausrutscher, der den Weg vorzeichnet: Die Equipe Tricolore hat den Zenit überschritten, konzentriert sich ein letztes Mal auf die Olympischen Spiele in London, danach werden die Superstars der Reihe nach wohl abtreten.

Apropos Olympia: Dieses Ziel hat Deutschland verfehlt. Allerdings war der Auftritt der Auswahl um Bundestrainer Martin Heuberger gezeichnet von Aufbruchsstimmung. Mutig ging der Badener, im Laufe des Turniers sich steigernd, bei mancher Entscheidungsfindung voran, grundsolider Aufbau erfordert eben Geduld. Nicht vergessen sollte man hierbei zweierlei: Zum einen ist die Anzahl der Spitzenmannschaften noch enger zusammengerückt, dies ist auch daran festzumachen, wie viele Spiele mit nur einem oder zwei Toren Differenz entschieden wurden. Zum anderen tauchte zum Beispiel mit Mazedonien eine Nation im Elitekreis auf, von der bekannt war, dass sieHandball zu spielen in der Lage ist, aber in der breiten Besetzung nicht im Konzert der Großen mitspielen kann. Angetrieben von einem heißen, leidenschaftlich mitgehenden Anhang, häufig auch unfair, gelang es, ein Ticket für die Olympia-Qualifikation zu erspielen. Ein grandioser Auftritt um Starspieler Kiril Lazarov.

Die Umsetzung dieser allerletzten Leidenschaft fehlte der deutschen Mannschaft, sonst hätte sie die zweimalige Chance zur Teilnahme an der Qualifikation für Olympia nicht derart leichtfertig aus der Hand gegeben.

Spieltaktisch hat sich bei dieser EM nicht viel Neues ergeben. Verbesserungswürdig ist die Ein-Nordung der Schiedsrichter auf eine gemeinsame Linie. Wer sich die Spiele auf Video noch einmal völlig ohne Ton und damit ohne Emotion zu Gemüte führt, der kommt ziemlich schnell zum Schluss, dass die Referees zwar entlang einer klaren Linie pfiffen - jedes Gespann aber für sich in seiner eigenen Welt.

Die Diskrepanz der unterschiedlichen Auslegungsmöglichkeiten zum Beispiel in punkto Stürmerfoul ist mittlerweile in einer Breite angelangt, die unerträglich geworden ist. Die Spanier Oscar Raluy Lopez und Angel Sabroso Ramirez pfeifen komplett eine andere Stilrichtung als beispielsweise die Slowenen Nenad Krstic und Peter Ljubic.

Eine solche Vielfalt an Auslegung darf es nicht geben, da ist der europäische Verband (EHF) gefordert. Denn hier sind den Spekulationen, ja gar Verdächtigungen Tür und Tor geöffnet, es könne nicht mit rechten Dingen zugehen. Das wäre das Allerletzte nach den unschönen Vorfällen in Serbien, was diese Sportart benötigt. Denn eines ist nach wie vor sicher: Sie wollen nur spielen, oder?.

30.01.2012 - 08:30 Uhr

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