Jan-Hendrik Jagla steht für den Reifeprozess der Basketball-Nationalmannschaft bei der WM. Lange stand sich der 2,12-Meter-Riese selber im Weg.
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JENS MÖLLER
Unter dem Bart von Jan-Hendrik Jagla verbirgt sich ein Milchbubi-Gesicht.
Kayseri Vielleicht haben die Gegner die deutsche Basketball-Nationalmannschaft nach der Absage von NBA-Star Dirk Nowitzki unterschätzt. Vize-Europameister Serbien erlebte gegen die jüngste DBB-Auswahl aller Zeiten eine böse Überraschung und unterlag nach zweifacher Verlängerung. Auch gegen den Weltranglisten-Ersten Argentinien stand die deutsche Mannschaft kurz vor der Sensation, ehe die NBA-Haudegen der Südamerikaner das Spiel drehten.
Dass mit einer deutlichen Niederlage gegen Australien ein Dämpfer folgte, macht Co-Kapitän Jan-Hendrik Jagla vor den letzten Vorrundenspielen nicht nervös. "Das ist kein psychologischer Knacks. Im Gegenteil, jetzt haben wir wieder etwas zu beweisen", sagt der Flügelspieler vor dem Spiel gegen den Afrikameister Angola. "Wir sind mehr als zufrieden mit den ersten drei Spielen", sagt Bundestrainer Dirk Bauermann.
Dass sich die deutsche Auswahl eine gute Ausgangsposition erspielt hat, liegt nicht zuletzt an Jagla. Er verkörpert den Reifeprozess einer der jüngsten Mannschaften bei der WM. Mit 29 Jahre zählt der Profi vom Euroleague-Teilnehmer Asseco Prokom Gdynia (Polen) zu den Ältesten im Kader, aber erst seitdem er sich vor der WM einen struppigen Vollbart wachsen ließ, sieht man ihm das auch an. Vorher passte der 2,12 Meter große Spieler mit den weichen Gesichtszügen eher in die Kategorie Milchbubi. Im Schatten von Superstar Nowitzki absolvierte Jagla einen Großteil seiner 100 Länderspiele in der zweiten Reihe. Bald drohte das Etikett "ewiges Talent". Oft stand er sich selbst im Weg, war im Spiel aufbrausend und schnell frustriert. "Das hat Jan nicht nur in seiner Entwicklung behindert. Er hat auch der Mannschaft mit diesen Ausbrüchen geschadet", sagt Bundestrainer Bauermann. "Aber er hat es jetzt begriffen. Er ist menschlich gereift und hat seine Emotionen im Griff."
Als Nowitzki und Chris Kaman für die WM absagten machte der Bundestrainer Jagla zum Co-Kapitän neben Steffen Hamann. "Ich wollte Jan mehr in die Verantwortung nehmen", sagt Bauermann. Mit Erfolg: Bei der 74:78-Auftaktniederlage gegen Argentinien war Jagla mit zehn Rebounds bester Spieler in jener Kategorie. Gegen Serbien erzielte der Profi 22 Punkte, darunter den wichtigsten Korb des Spiels, einen schwierigen Dreipunktewurf, der den Serben in der zweiten Verlängerung den Zahn zog.
Gegen Australien fehlten Jagla aber sichtlich die Kräfte, wie der gesamten Mannschaft. "Die doppelte Verlängerung gegen Serbien tat weh", sagt Bauermann, der seine Mannschaft nach dem 43:78 nicht kritisieren wollte. "Wenn ein Auto kein Benzin mehr hat, hilft es nicht, dagegen zu treten. Dann fährt es auch nicht weiter." Bauermann beorderte Jagla und die beiden Routiniers Hamann und Greene früh auf die Bank. Die Kräfte sollten geschont werden für das Spiel gegen Angola. "Ein unorthodoxer und darum unangenehmer Gegner", sagt Bauermann über den Afrikameister.