03.08.2012 Drucken Empfehlen
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Bronze fühlt sich an wie Gold

Dimitrij Ovtcharov belohnt sich für entbehrungsreiches Tischtennis-Leben

Mit Bronze hat Dimitrij Ovtcharov, 23, erreicht, was Timo Boll verwehrt blieb: Als erster Deutscher nach Jörg Roßkopf, der ihn als Bundestrainer betreut, gewann er eine Olympia-Medaille im Tischtennis-Einzel.

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WOLFGANG SCHEERER

Wer weiß, wie gut Prinz Philip Tischtennis spielt? Mit seinen 91 Jahren nahm er jedenfalls beneidenswert geschmeidig die Stufen zur Ehrentribüne, um das rein chinesische Endspiel zu verfolgen.

Artikelbild: Dimitrij Ovtcharov belohnt sich für entbehrungsreiches Tischtennis-Leben Nicht zu fassen: Der Moment, in dem Dimitrij Ovtcharov Bronze gewinnt. Foto: dpa

Dimitrij Ovtcharov, 23, war da gerade hinter dem schwarzen Hallenvorhang verschwunden und noch ganz im Taumel seiner sportlichen Krönung. "Diese Bronzemedaille ist für mich wie Gold. Unglaublich, ich kann es noch gar nicht fassen. Das ist der absolut größte Erfolg meiner Karriere", sagte er ganz überwältigt.

Artikelbild: Dimitrij Ovtcharov belohnt sich für entbehrungsreiches Tischtennis-Leben

Der Sechs-Satz-Erfolg (12:10, 9:11, 8:11, 13:11, 11:5, 14:12) gegen den 31 Jahre alten Taiwan-Chinesen Chih-Yuan Chuang, der künftig bei Werder Bremen in der TischtennisBundesliga spielt, war ein packendes Duell, auch ohne spektakuläre Szenen in Hülle und Fülle. Dafür stand zu viel auf dem Spiel. Letztlich ist Dimitrij Ovtcharov gestern gelungen, was Deutschlands Tischtennis-Superstar Timo Boll, der im Achtelfinale ausgeschieden war, auch bei seinem vierten Olympia-Start nicht geschafft: "Dima" und nicht Timo hat ersehnte olympische Einzelmedaille gewonnen.

Ovtcharov musste gegen Chuang wieder und wieder Rückstände aufholen. Mit 0:5 lag der Angriffsspieler nach wenigen Ballwechseln im ersten Satz gegen den Spanish-Open-Sieger hinten. Das ließ Nervosität erahnen. Trotzdem ging Ovtcharov 1:0 in Führung. Dann wurde es wieder eng. Trainer Jörg Roßkopf sprach später von "vielen Ups und Downs" und lobte: "Ich bin sehr stolz auf ihn, sein Kampfgeist war ausschlaggebend."

13 Satzbälle wehrte Dimitrij Ovtcharov insgesamt innerhalb einer knappen Stunde Spielzeit ab, drei im Schlusssatz. Als 16-Jähriger, so Ovtcharov, habe er zum ersten Mal gegen Chuang gespielt und gewonnen, die letzten drei Vergleiche aber verloren. Der Taiwanese, der von seiner Mutter trainiert wird, ist mit drei Olympia-Teilnahmen sehr routiniert. Nach dem 14:12 riss der Deutsche die Hände hoch, fasste sich an den Kopf, lief zu Roßkopf, der 1996 in Atlanta als Erster Bronze gewonnen hatte. "Am Ende konnte ich gar nicht glauben, dass es jetzt vorbei ist", sprudelte Ovtcharov los.

Als Profi verdient er sein Geld aktuell in der russischen Liga bei Fakel Orenburg. Seit zwei Monaten hatte er sich nur noch auf Olympia konzentriert, kein Turnier mehr gespielt. "Ich habe viel abgegeben für dieses Leben. Es gibt mir aber auch so viel zurück", beschrieb er seinen harten Weg mit zahlreichen Rückschlägen. Im Alter von fünf Jahren stand der in Kiew geborene Dimitrij zum ersten Mal an einer Tischtennisplatte in Tündern bei Hameln, wohin die Familie ein Jahr zuvor gezogen war. Sein Vater Mikhail, ehemaliger Nationalspieler der Sowjetunion, war sein erster Coach und ist immer noch der Heimtrainer.

Für Timo Boll, der selbst gerne so weit gekommen wäre, muss es ein doppelt bewegender Moment gewesen sein: "Ich freue mich unwahrscheinlich für Dima. Er ist vielleicht nicht das allergrößte Talent, aber er hat in seinem Sportlerleben ganz hart gearbeitet", sagte der 31 Jahre alte WM-Dritte, der es schwer haben dürfte, seine Extraklasse bis zu den Sommerspielen in Rio 2016 zu halten. Jetzt hat er vielleicht seine letzte Chance verpasst.

Fürs Mannschaftsspiel gilt das nicht. Da gewannen die Deutschen 2008 in Peking, als sie nur den Chinesen unterlagen, Silber. Heute beginnt in London der Team-Wettbewerb mit dem Achtelfinale gegen Schweden. "Da bleibt zum Feiern keine Zeit, aber vielleicht gönne ich mir ein Stück Pizza", sagte Dimitrij Ovtcharov glücklich. Seine Freundin und die Eltern kommen ohnehin auch erst heute in London an.

Olympiasieger vor den Augen von Prinzgemahl Philip wurde Zhang Jike. Der 24 Jahre alte Weltmeister schlug Landsmann Wang Hao (wie zuvor Ovtcharov im Halbfinale) klar mit 4:1.

03.08.2012 - 08:30 Uhr

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