02.08.2012 Drucken Empfehlen
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Achter-Gold und blökende Schafe

Deutsches Flaggschiff auf dem Dorney Lake vorne - Erster Olympia-Triumph seit 24 Jahren

Der Deutschland-Achter mit drei Baden-Württembergern an Bord hat wie erhofft Olympia- Gold gewonnen - erstmals wieder nach 24 Jahren. Souverän setzte sich das Boot gegen Kanadier und Briten durch.

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SWP

Kaum hatte IOC-Vize Thomas Bach den neun Mann aus dem Deutschland-Achter die Goldmedaillen umgehängt, kaum war die Nationalhymne verklungen, packen die acht Starken ihren Berliner Steuermann Martin Sauer an Armen und Beinen und wuchteten ihn schwungvoll in den Dorney Lake. So gehört sich das bei erfolgreichen Ruderern.

Artikelbild: Deutsches Flaggschiff auf dem Dorney Lake vorne - Erster Olympia-Triumph seit 24 Jahren Erschöpft, aber überglücklich: Der Deutschland-Achter unmittelbar nach dem Zieleinlauf. Foto: Getty Images

Der Erfolg wiegt schwer. Buchstäblich: "Mir zieht die Goldmedaille schon richtig am Nacken", flachste Maximilian Reinelt nach dem eindrucksvollen Sieg vor den Kanadiern und den enttäuschten Briten, die sich mindestens Silber ausgerechnet haben. Der Ulmer Reinelt ist neben Filip Adamski (Mannheim) und Kristof Wilke (Radolfzell) einer von drei Baden-Württembergern im größten, schnellsten und (neben dem Einer) prestigeträchtigsten Boot.

Artikelbild: Deutsches Flaggschiff auf dem Dorney Lake vorne - Erster Olympia-Triumph seit 24 Jahren Wolfgang Scheerer berichtet aus London

Seit vier Jahren schon rudern die Achter der anderen Nationen der technisch so starken Crew um Schlagmann Wilke hinterher. Mit dem Gold-Triumph gestern erhöhte sich die Erfolgsserie auf 36 Siege nacheinander auf der 2000-Meter-Distanz. Sie wurde jetzt zusätzlich durch das erste Olympische Gold seit 24 Jahren gekrönt. 1988 in Seoul hatte das deutsche Flaggschiff zum letzten Mal gewonnen - ebenfalls mit Ralf Holtmeyer als Trainer.

Als Schlagmann-Legende Roland Baar die nervenstarken, aber ausgepowerten Muskelmänner die Fäuste hochreißen sah, geriet er ins Schwärmen: "Das ist der beste Achter, den es jemals gab."

Die Deutschen legten gewohnt stark los. Bei der 500-Meter-Zwischenzeit hatten die Briten 0,3 Sekunden Rückstand, nach 1000 Metern 0,4. Bei starkem Gegenwind schoben sie sich immer mehr heran an den Deutschland-Achter und gingen nach etwa 1250 Metern leicht in Führung. "Martin hat uns gewarnt", sagte der 23 Jahre alte Reinelt kurz nach dem Triumph. "Dann haben wir ein Fass aufgemacht und geschaut, dass wir den Sack zubekommen. Wir haben es gemacht wie immer: Einfach draufbleiben und das Tempo hochhalten, bis die anderen nicht mehr können."

Die Briten hatten sich beim Versuch gegenzuhalten offenbar übernommen, die Kanadier schnappten ihnen Silber weg. Im Gold-Achter lief alles rund. Sehr ruhig und konzentriert seien alle schon beim Start gewesen, berichtete Reinelt: "Wir haben durch unsere Serie sehr viel Selbstvertrauen bekommen und wissen, wie man gewinnt."

Das war beim Deutschland-Achter nicht immer so. Doch nach dem Tiefpunkt 2008 in Peking, als ausgerechnet das Vorzeigeboot Schiffbruch erlitt und auf dem letzten Platz einkam, gelang Trainer Ralf Holtmeyer die Wende zum Bessern. In Vorbereitung auf die Spiele hatte es sogar noch einen Wechsel im Boot gegeben: Adamski ersetzte aufgrund besserer Ergometerleistung den Leverkusener Gregor Hauffe.

Ihr Gold haben die Deutschen mitten auf dem Lande gewonnen. Eton Dorney in Buckinghamshire mit dem künstlich angelegten langgezogenen Dorney Lake liegt fast 60 Kilometer außerhalb der Londoner City neben einer Einflugschneise des Heathrow Airports. Nur der Düsenlärm und die gewaltigen Stahlrohrtribünen für 30 000 Zuschauer stören etwas das Countryside-Feeling. Die blökenden Schafe auf den Wiesen entlang der Ruderstrecke, die aus der Luft wie eine zweite Landebahn aussieht, haben sich wohl längst daran gewöhnt. Sie bringt nichts aus der Ruhe, während die Begeisterung auf den Rängen immer dann noch lauter anschwillt, wenn die Boote in Zielnähe kommen. Das gilt insbesondere für die britischen Boote.

"So weit wollten wir das Duell mit den Briten nicht kommen lassen, dass die von den Fans ins Ziel getragen werden", sagte Reinelt über die Schlussphase. In 5:48,75 Minuten lagen die Deutschen letztlich aber doch eine halbe Länge vor den Kanadiern, die wiederum den Briten noch zwei Zehntelsekunden abnahmen. Der Mannheimer Adamski sagte ganz offen: "Es ist uns eine große Last von den Schultern gefallen, vor allem nach der schlechten Erfahrung von Peking. Wir konnten uns bis zum Zielstrich nicht sicher sein."

02.08.2012 - 08:30 Uhr

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