Deutsche EM-Handballer reisen frustriert nach Hause
Ein einziges Törchen hat den deutschen EM-Handballern gefehlt, um wenigstens ein Entscheidungsspiel zur Olympia-Qualifikation machen zu können. Statt "Siegen" hieß es gestern "Fliegen" - nach Hause.
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THOMAS GRUBER
Abreise mit viel Frust im Gepäck: Trainer Martin Heuberger. Foto: dpa
Belgrad Enttäuschung, Frust, Depression, Niedergeschlagenheit - gleichgültig, der Leser kann sich jedwedes Wort herauspicken, es trifft in allen Fällen auf den Gemütszustand der deutschen Handball-Nationalspieler zu, die gestern nur noch eines wollten: Nach dem unglücklichen EM-K.o. ab nach Hause. Während die meisten Akteure ihre Ruhe haben wollten, nahm Bundestrainer Martin Heuberger kein Blatt vor den Mund: "Ich fühle mich richtig scheiße."
Die stressvollen EM-Tage, die er mit größtmöglicher Hingabe und Leidenschaft bestritten hatte, haben Spuren beim Schutterwälder hinterlassen. Der Nachfolger der Trainer-Ikone Heiner Brand kennt das Geschäft, daher weiß er auch, dass hinter seinem Rücken der eine und der andere bereits über seine Demission nachdenken. "Ich mache weiter, sofern man mich lässt", so der 47-Jährige, der "etwas aufbauen will, um in Zukunft wieder um Titel spielen zu können." Zunächst heißt es aber einmal, dass der EM-Siebte Deutschland Olympia in London vom Fernseher aus verfolgt. Im Juni steht dann die Qualifikation für die WM 2013 an, die in Spanien stattfinden wird.
Bei diesem Ausscheidungsturnier wird Spielmacher Michael Haaß fehlen, der Belgrad auf zwei Krücken verließ. Wie berichtet hatte sich der Göppinger, der eine starke EM gespielt hatte, gegen Polen (32:33) kurz vor Schluss das rechte Sprunggelenk gebrochen. Während Haaß nur vorübergehend ausfällt, könnte es sein, dass für manch anderen die Karriere in der Nationalmannschaft zu Ende ist.
Zwar hält Heuberger zu allen, die er mit nach Serbien genommen hatte ("ich schicke keinen weg, ich bin stolz auf diese Mannschaft"), aber nach der verpassten Olympia-Teilnahme könnte der eine oder andere abtreten. Kapitän Pascal Hens, der eine fürchterlich schwache EM gespielt hatte, wurde nachgesagt, dass er nach London ohnehin seine Karriere im DHB-Trikot hätte beenden wollen. Andererseits kann der 31-jährige Hamburger nach 199 Länderspielen eigentlich nicht mit einer solch desolaten Vorstellung die Bühne der Nationalmannschaft verlassen. Team-Senior Oliver Roggisch (33) ist zuzutrauen, dass er bei der nächsten WM noch einmal als Führungsspieler vorangeht, zumal es aktuell keinen gibt, der den wuchtigen Defensivpart annähernd gut ausfüllen könnte. Heuberger wird nach einem gewissen Abstand zur EM Gespräche mit den Spielern führen. DHB-Vize-Präsident Horst Bredemeier jedenfalls sprach dem angezählten Coach das Vertrauen aus: "Martin Heuberger hat einen Vertrag bis 2014, ich gehe davon aus, dass er diesen auch erfüllt."
Weltmeister Dominik Klein fand als einer der wenigen Spieler seine Sprache wieder und drückte das aus, was wohl alle inklusive Trainer dachten: "Ich muss jetzt erst einmal meinen Kopf sortieren."