Der Altmeister und sein grandioser Schüler: Rennsport-Legende Jochen Mass war Michael Schumachers Fahrlehrer in jungen Mercedes-Jahren. Zur Schumi-Rückkehr ist Mass zurückhaltend.
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THOMAS GRUBER
Gute alte Bekannte: Jochen Mass und Michael Schumacher schätzen sich seit der Zeit in der Sportwagen-Weltmeisterschaft. Foto: Imago
Palma "Das Risiko, dass er als Verlierer aus dieser Geschichte hervorgeht, war relativ groß." Das sagte Jochen Mass im Früh-Herbst des vergangenen Jahres, als feststand, dass Michael Schumacher sein Formel-1-Comeback bei Ferrari wegen eines Nackenproblems absagen würde.
Formel 1 steht für Tempo und im Takt dieser Zeit hatte es sich der 41-Jährige noch einmal anders überlegt: Schumi wird Gas geben und Mass will Maß halten: Heute äußert sich der 105-fache Grand-Prix-Pilot, dem beim legendären Skandalrennen von Barcelona 1975 der einzige Sieg gelungen war, zur anstehenden Schumi-Rückkehr eher zurückhaltend. Der 63-Jährige hatte früher einen sehr engen Kontakt zum Kerpener, war er doch zu Sportwagen-WM-Zeiten 1989/ 1990 der Fahrlehrer Schumis. In der Sauber-Mercedes-Mannschaft bildete Mass mit Jean-Louis Schlesser und Mauro Baldi die A-Besetzung, im Junior-Team durften Michael Schumacher, Heinz-Harald Frentzen und Karl Wendlinger ran.
Der Kreis scheint sich zu schließen, ist man geneigt zu denken. Doch Mass befindet sich nicht auf dem Weg nach Bahrain, wo sein einstiger Fahrschüler am Sonntag (13 Uhr/MEZ) in der Formel 1 sein Comeback gibt, just in der Mercedes-Familie, zu welcher Mass eigentlich dazugehört. Der ehemalige Formel-2-Vize-Europameister weilt derzeit auf Mallorca, wo die Untertürkheimer ihren jüngsten Spross im Zeichen des Sterns präsentieren: Das E-Klasse-Cabrio. "Ich bin Mercedes-Botschafter", erklärt Mass seine Insel-Mission.
Irgendwie könnte sich der in Dorfen bei München geborene 63-Jährige auf Mallorca schon wohl fühlen. Er lernte bei der Handelsmarine und kam quasi als Spätberufener zum Motorsport. Bergrennen, wie sie heute noch auf "Malle" stattfinden, hatte er in jungen Jahren häufig besucht und war fasziniert. "Du hast sie gehört, gesehen, gerochen - das war genial", erzählt Mass mit einer kräftigen Portion an Hingabe, warum er unbedingt selbst in ein Rennauto sitzen wollte. Erst mit 22 Jahren wars dann so weit. "Ich wusste immer: Das kann ich", war er überzeugt.
Im Rekord-Tempo schaffte der gelernte Schiffer über die Ford-Tourenwagen und die Deutsche Rennsport-Meisterschaft 1973 den Sprung in die Formel 1. Dort stand Mass freilich häufig im Schatten seiner Teamkollegen - wie bei McLaren 1975 hinter Emerson Fittipaldi oder in den beiden Folgejahren, als James Hunt die klare Nummer 1 im Team war. So gesehen war Mass damals der heutige Massa (die "ewige" Ferrari-Nummer 2).
1989 errang der renn-verrückte Jochen an der Seite von Manuel Reuter und Stanley Dickens mit dem Sieg bei den "24 Stunden von Le Mans" einen herausragenden Erfolg im Herbst seiner Motorsport-Karriere. Den jüngeren Lesern dürfte Mass noch als Co-Kommentator bei Formel-1-Übertragungen bekannt sein - die jungen Schumi-Erfolge begleitete er am RTL-Mikro von 1993 an, ehe Mass 1997 durch Christian Danner ersetzt wurde.
Während sich nun der gesamte Formel-1-Tross auf den Weg ins Königreich Bahrain macht, um am Sonntag den mit Hochspannung erwarteten Auftakt der Saison 2010 zu zelebrieren, dreht Mass im neuen E-Klasse-Cabrio noch einige Runden um La Palma, ehe er nach Stuttgart fliegt. Dort wird er sich im Retro, der Oldtimer-Messe, das Rennen anschauen.
"Je länger du den Rennsport betreibst, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es dich auch mal erwischt", sagt Mass mit ernstem Unterton und erinnert sich an seinen eigenen schweren Unfall 1978 in Silverstone, als er "links alles gebrochen" hatte und "die Lunge kaputt" war. Aber speziell auf Schumacher und dessen Möglichkeiten mehrmals hinterfragt, antwortet Mass nach langem Zögern: "Das Fahren hat Schumi jedenfalls sicher nicht verlernt."