09.03.2010 Drucken Empfehlen
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"Chip im Ball funktioniert"

Der badische Hersteller kann Kritik an seinem System nicht verstehen

Die Aufregung nach der Entscheidung der Fußball-Regelhüter gegen technische Hilfsmittel für Schiedsrichter wie den Chip im Ball wächst. Das System sei voll einsatzfähig, so die badische Herstellerfirma.

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WOLFGANG SCHEERER

Karlsbad Im Hinspiel der Champions League das Abseitstor von Miroslav Klose gegen den AC Florenz, in der WM-Qualifikation das Handspiel Thierry Henrys, das zum Ausscheiden der Iren geführt hat. Nicht nur in der Fußball-Bundesliga sorgen Fehlentscheidungen für Wirbel, im internationalen Fußball wirken sie sich oft noch gravierender aus.

Trotzdem haben sich die Regelhüter des International Football Association Board (IFAB) am Wochenende wie berichtet erneut dagegen entschieden, technische Hilfsmittel wie Kameras oder den Chip im Ball zuzulassen, die dem Schiedsrichter die Entscheidung erleichtern, ihn gegebenenfalls korrigieren könnten. Von offener Empörung bis zu Ernüchterung reichen die Reaktionen bei Klubs und Trainern, weil selbst dem seit Jahren getesteten und technisch schnell realisierbaren Chip im Ball keine Chance gegeben wird. Dieser fast logischen Neuerung standen auch die Schiedsrichter nicht ablehnend gegenüber.

"Es ist Wahnsinn, dass wir das nicht nutzen", ereiferte sich nun auch Bayern-Trainer Louis van Gaal. "Wir müssen das menschliche Urteil ausschalten, weil es subjektiv ist." Die in der Europa League getesteten Torrichter lehnt er ab: "Das kann man per Chip lösen." Im Fall von Henry und Klose wären jedoch weitere Hilfsmittel nötig gewesen.

Der Entwickler und Hersteller des Chip-Balls hat seinen Sitz im Land der Tüftler. Es handelt sich um die Firma Cairos in Karlsbad bei Karlsruhe, die seit 2000 daran arbeitet und investiert hat, oftmals animiert von Fußball-Funktionären. Bei der Klub-WM Ende 2007 in Japan wurde ihr neues System getestet, das mittels Sensor im Ball dem Schiedsrichter piepst, ob die Kugel hinter der Linie war oder nicht.

Nun ist die Enttäuschung groß in Karlsbad. So groß, dass keiner offiziell Stellung nimmt, als Antwort aber eine gemeinsame Erklärung mit Co-Produzent Adidas angekündigt wurde. Ein Entwicklungsingenieur, der nicht genannt werden will, sagt gegenüber der SÜDWEST PRESSE: "Nachdem das erste, mit dem Fraunhofer-Institut entwickelte Projekt 2005 bei der Junioren-WM in Peru gefloppt hat, war unser neues System 2007 in drei japanischen Stadien installiert und wurde in sieben Spielen unter Wettkampfbedingungen getestet. Mit vollem Erfolg. Das System ist ausgereift und könnte innerhalb eines Tages überall aufgebaut werden." Nur 0,3 Sekunden dauert es, dann ist der Schiedsrichter im Bilde. "Kritiker, die auch hier eine Spielverzögerung anmahnen, liegen also völlig falsch", sagt der Cairos-Entwickler.

Der mit Mikrochip ausgestattete Ball sendet bei Überquerung eines Magnetfelds - in diesem Fall die mit hauchdünnem Kabel unterlegten Linien auf dem Fußballplatz - via mehrerer Antennen Signale an den Auswertungscomputer. Bis zu 2000 Signale pro Sekunde werden verarbeitet zur exakten Ortung des Balles. Damit Computer-Hacker die Ergebnisse nicht beeinflussen können, sind alle versendeten Informationen des Chips verschlüsselt.

Auch den "Crashtest" habe der Chip-Ball überstanden, versichert der Hersteller. Tausende Male wurde die Kugel dabei mit mehr als 140 Stundenkilometern gegen eine Wand gespielt. Krafteinwirkungen, die selbst "Hammer"-Spieler wie Roberto Carlos oder Thomas Hitzlsperger beim Schuss nicht erreichen.

Wäre der Chip im Ball schon bei der WM 2006 in Deutschland zum Einsatz gekommen (ursprünglich ins Auge gefasst, durch die technischen Probleme des Vorläufersystems aber verhindert), hätten die konservativen Kräfte im Weltverband Fifa vielleicht keine Chance mehr gehabt. Anders als jetzt: Auch eine Entscheidung über zwei zusätzliche Schiedsrichter-Assistenten an der Torlinie wurde auf die nächste IFAB-Sitzung am 17./18. Mai vertagt. Die Regel-Macher wollen das Pilot-Projekt in der Europa League abwarten. Van Gaal hat sein Fazit schon jetzt gezogen: Wo es um viele Millionen geht, zahlt sich eine elektronische Zusatz-Versicherung aus.

09.03.2010 - 08:30 Uhr
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