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Niederlage, die Mut macht

Couragierte Hoffenheimer lassen beim 0:1 den FC Bayern nicht glänzen

"Nur 1:0" gegen 1899 Hoffenheim - FC Bayern München trat in Sinsheim im Energiespar-Modus auf. Die Gastgeber zeigten alles, was zuletzt so vermisst worden war: Leidenschaft und Kampfgeist.

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HARTMUT SCHERZER

Sinsheim Mit schlampiger Souveränität hat der FC Bayern München - erwartungsgemäß - in Sinsheim gegen die TSG 1899 Hoffenheim gewonnen. Mario Gomez (38.) erzielte nach einem wunderbaren, weiten Diagonalpass von Jerome Boateng auf den Kopf von Franck Ribéry und dessen hohe Vorlage den Siegtreffer zum 1:0. Ein spritziger Schritt, ein linker Schlenzer - Torwart Gomes, in seinem fünften Spiel für Hoffenheim bereits Kapitän - war geschlagen, Verteidiger Abraham konnte vor der Linie nicht mehr retten. Es war Bayerns spektakulärste Spielszene neben den beiden Freistößen von Bastian Schweinsteiger an Latte (69.) und Pfosten (76.)

Artikelbild: Couragierte Hoffenheimer lassen beim 0:1 den FC Bayern nicht glänzen Mario Gomez überwindet Heurelho Gomes: Das 1:0 in Hoffenheim. Foto: Eibner

Die vermeintlich ungleiche Begegnung wurde unversehens zum Mutmacher für Hoffenheim, trotz der fünf Punkte Rückstand zum Relegationsplatz. Die Leidenschaft, die Laufleistung, der Kampfgeist: alles, was zuletzt vermisst worden war, war gegen den übermächtigen Favoriten mit seinen großartigen Individualisten da. Die Losung von Trainer Marco Kurz wurde bestätigt: "Wir werden den Teufel tun, aufzugeben. Die Grundbasis hat die Mannschaft heute gezeigt: Sie ist mutig und engagiert aufgetreten."

Es ist schon komisch, dass erst die Bayern kommen müssen, um aus den Badenern Mumm, Mut und Moral herauszukitzeln. Bayern-Trainer Jupp Heynckes nannte denn als einen Grund für den "Arbeitssieg": "Es lag zum größten Teil am Gegner." Der sei engagiert und aggressiv aufgetreten. Der Zusatz muss Balsam für die geplagte Seele von Marco Kurz gewesen sein, auch wenn es dafür keinen Punkt gibt: "Hoffenheim ist kein Team, das aufgibt. Die Mannschaft lebt." Ums Überleben geht es für Hoffenheim am nächsten Samstag in Fürth gegen den Tabellenletzten.

Der so souverän mit 17 Punkten Vorsprung führende Meister in spe kann sich nur vier Tage nach dem Prestige-Gipfel gegen Dortmund auch einen lauen Sonntagnachmittag leisten, ohne die Gefahr einer Niederlage zu riskieren. "Das Highlight unter der Woche, der klare Vorsprung" - lapidar verwies Thomas Müller darauf hin, was in den Hinterköpfen vorgingt. Die Folge, so Müller: "Keine Galavorstellung."

Der Held vom letzten Mittwoch, Siegtorschütze Arjen Robben, hatte am Tag vor dem Spiel in Sinsheim plötzlich Schmerzen in der Wade gespürt und war zu Hause geblieben. Dafür war Ribéry nach seiner Pokalsperre wieder dabei und musste sich mit dem hartnäckigen Duo Ochs-Schröck herumschlagen. Bei diesem Kader höchster Qualität fällt nicht weiter auf, wer fehlt und wer dafür spielt. Mit der Rotation, stellte Heynckes klar, hätten die aufgeführten Mängel jedenfalls nichts zu tun gehabt.

Der Meistertrainer sprach von "oberflächlicher" Spielweise. Es habe gedauert, bis "der Motor warmgelaufen" sei. Die Mannschaft sei nicht spritzig genug gewesen und habe nicht so viele Chancen wie üblich gehabt. Unter diesen Umständen kommt eben auch beim meisterlichen FC Bayern unterm Strich nur "Schwerstarbeit", so Heynckes, heraus.

Unter das Motto Rotation stufte Heynckes auch den überraschenden Torwartwechsel ein. Tom Starke, der zu Saisonbeginn in Hoffenheim Tim Wiese Platz machen musste und auf die Bayern-Bank gewechselt war, gab nun auf dem Stammplatz Manuel Neuers sein Bundesliga-Debüt im Tor der Münchner. Eine besondere Geste für den "Heimkehrer"? Zufall! Heynckes wollte Starkes Loyalität und Tüchtigkeit im Training ("Er ist bei uns besser geworden") nach Absprache mit der Nummer eins belohnen. Ausgerechnet in Hoffenheim? Es hätte, so Heynckes, auch in Nürnberg sein können. Tom Starke fand es dennoch bemerkenswert: "Du betrittst auswärts das Stadion, und alle klatschen."

04.03.2013 - 08:30 Uhr

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