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Spannung und Emotionen

Bundesliga: Dortmunder Verfolger stolpern - Freude bei Zidan und Barrios

Borussia Dortmund hat vorgelegt, die drei Verfolger patzten. Die Fußball-Bundesliga bleibt spannend. Und sie bietet Stoff für Menschliches. Dafür stehen Mohamed Zidan (Mainz ) und Lucas Barrios (Dortmund).

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MARKUS SCHNIERTSHAUER
Artikelbild: Bundesliga: Dortmunder Verfolger stolpern - Freude bei Zidan und Barrios "Ich bin sehr glücklich und sehr zufrieden", sagte Mainz-Rückkehrer Mohamed Zidan nach seinem Treffer auf Schalke. Foto: dpa

Hamburg/Nürnberg Der Titelkampf in der Fußball-Bundesliga bleibt ungemein interessant. Allerdings hat die Hochspannung am Wochenende auch zu manchem Kurzschluss geführt. Nachdem Borussia Dortmund trotz keineswegs herausragender Leistung mit dem 2:0-Auswärtssieg beim 1. FC Nürnberg die Tabellenführung übernommen hatte, standen die Verfolger FC Bayern, Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach am Samstag noch mehr unter Druck. Die Folge: Sowohl die Bayern (1:1 beim Hamburger SV), als auch die Schalker (1:1 gegen den FSV Mainz 05) und die Gladbacher (0:0 beim VfL Wolfsburg) ließen Punkte liegen.

"Jetzt haben wir Druck", gestand Bayerns Sportdirektor Christian Nerlinger. Wie fast schon gewohnt ließen die Münchner im Norden den Ball durchaus ansehnlich kreiseln. Doch je näher es an die Strafraumgrenze ging, desto harmloser wurden die Münchner. Letztlich musste ein Abstaubertor des eingewechselten Ex-Hamburgers Ivica Olic herhalten, um die Hamburger Führung durch Jacopo Sala - der 20 Jahre alte Italiener erzielte sein erstes Bundesligator - auszugleichen.

Die Bayern-Spieler wissen, dass sie sich nach dem bescheidenen Jahresstart (vier Punkte in drei Bundesliga-Spielen) deutlich steigern müssen. "Wir sind einfach noch nicht auf dem Niveau, auf dem wir sein müssen", gab Arjen Robben zu. "Ich bin sicher, dass das nicht reicht zum Titel", gab Olic zu. Jupp Heynckes fordert von seinen Spielern mehr Engagement: "Man muss die Dinge auch erzwingen", so der Bayern-Trainer, der seit 21 Jahren auf einen nationalen Titel wartet.

Unterkühlt wie bei den Münchnern war auch die Stimmung bei den Fans des FC Schalke 04. Nach zuvor fünf Siegen in Folge wirkte das 1:1 gegen den vermeintlich leichten Gegner FSV Mainz 05 ernüchternd. Damit waren die Schalker wesentlich an einem Kuriosum dieses Spieltages beteiligt: Es gab keinen einzigen Heimsieg. Das war zuletzt am 24. Spieltag der Saison 1997/98 der Fall.

Schalkes Manager Horst Heldt und Trainer Huub Stevens ("Wir haben nicht gegen den FC Hüppelbüpp gespielt") waren bemüht, die Enttäuschung abzumildern. "Träumen ist gut. Aber man muss sich selbst richtig einschätzen können und nicht nur mit der blauweißen Brille rumlaufen," sagte Heldt. Wie die Bayern waren auch die Schalker ins Hintertreffen geraten. Neuzugang Chinedu Obasi gelang mit einem spektakulären Solo das 1:1.

Am Samstag kommt es zum Verfolgerduell bei Borussia Mönchengladbach. Deren Trainer Lucien Favre wollte das 0:0 in Wolfsburg nach zuvor vier Siegen in Serie keinesfalls als Rückschlag im Titelrennen werten. "Sind Sie verrückt?", antwortete er auf eine entsprechende Frage. Die große Chance auf einen Gladbacher Sieg hatte Nationalspieler Marco Reus in der 69. Minute auf dem Fuß. "Ich wollte ihn direkt nehmen und habe gedacht, ich mach ihn rein", sagte der überragende Spieler der Hinrunde über die Szene, in der er aus naher Distanz weit am Wolfsburger Tor vorbeischoss. Irren ist auch im Fußball menschlich.

Überhaupt menschelte es am 20. Bundesliga-Spieltag. Den Dortmunder Siegtreffer zum 2:0 beim 1. FC Nürnberg erzielte mit Lucas Barrios jener Stürmer, der seit dem 14. Mai 2011 nicht getroffen hatte und fast schon beim FC Fulham gelandet wäre. "Die Fans, der Trainer, meine Kollegen - alle haben mir gesagt: Lucas, mach weiter, immer weiter, du machst dein Tor. Sie hatten recht", freute sich Barrios. "Das ist eine wunderschöne Geschichte, die nur der Fußball schreibt", sagte Borussen-Trainer Jürgen Klopp.

In Gelsenkirchen gab es zahlreiche Transparente, die dem an Alzheimer erkrankten Ex-Manager Rudi Assauer Mut zusprachen. Den Mainzer Treffer erzielte mit Rückkehrer Mohamed Zidan jener Spieler, der eine äußerst turbulente Woche hinter sich hat. Er widmete sein Tor den Menschen in seiner ägyptischen Heimat. Bei Gewaltexzessen in Zidans Geburtsstadt Port Said waren am Mittwoch über 70 Menschen im dortigen Stadion ums Leben gekommen.

Bei aller sportlichen Spannung: Die Bundesliga bietet auch Raum für große Gefühle. Das ist gewiss nicht die schlechteste Erkenntnis des 20. Spieltages.

06.02.2012 - 08:30 Uhr

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